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Gegenwartskunst in London : Der Zeitgeist wird in Berlin erfunden

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Die Londoner Auktionen mit Gegenwartskunst bei Sotheby's, Christie's und Phillips de Pury stimmen vorsichtig optimistisch. Und sogar Maurizio Cattelans symbolischer Ausstieg aus dem Kunstsystem hat dort einen Preis.

          Der Londoner Kunstherbst wird, was die Zeitgenossen angeht, dominiert von der bevorstehenden Frieze Art Fair (14. bis 17. Oktober). Aber auch die Auktionshäuser konkurrieren um die Gunst der Sammler. Das Volumen und die Erwartungen der Abendtermine sind optimistischer als im Herbst 2009 - bleiben jedoch deutlich unter dem Niveau vom Oktober 2008.

          Den Anfang macht Phillips de Pury mit seiner Abendauktion am 13. Oktober, und man wird seiner Spezialisierung auf jüngste Kunst gerecht: 42 der 56 Lose mit einer Gesamttaxe von 6,3 bis 9,09 Millionen Pfund stammen aus den letzten zehn Jahren. Das teuerste Los ist gleichzeitig auch das älteste: David Hockneys „Autumn Pool (Paper Pool 29)“ entstand 1978 und wechselte zuletzt 2002 den Besitzer. Der Swimmingpool, Hockneys bekanntestes Motiv, auf sechs zusammengefügten Blättern soll 700.000 bis eine Million Pfund kosten: Phillips de Pury hofft auf einen neuen Hockney-Rekord für eine Papierarbeit.

          Nicht an die Wand, sondern aus dem Fenster hängen soll man Maurizio Cattelans aneinandergeknüpfte Bettlaken aus dem Jahr 1992: „Una Domenica a Rivara“ (Taxe 400.000/600.000 Pfund) soll die Fluchtphantasien des Künstlers aus dem Betriebssystem Kunst versinnbildlichen. Der in New York lebende Sammler Adam Lindemann, Autor des Buchs „Collecting Contemporary“, hat dreizehn Werke junger und gefragter deutscher Künstler, die in Berlin arbeiten, eingereicht; sie werden unter dem Titel „Berlin Zeitgeist!“ vermarktet.

          Darunter finden sich Arbeiten von Jonathan Meese, Andreas Hofer alias Andy Hope und André Butzer sowie Anselm Reyles mit silberner PVC-Folie umwickelte Leinwand „Untitled“ (80.000/ 120.000), Thomas Zipps „Fahnenträgerin“ (15.000/20.000) und die Installation „Casanova“ von Lothar Hempel (15.000/ 20.000). Eine unbetitelte Skulptur aus geschmolzenem Metall von Thomas Helbig, die Lindemann bei der Berliner Galerie Baudach kaufte, soll 10.000 bis 15.000 Pfund kosten. Von Tracey Emin wird die Neon-Arbeit „I Never Stopped Loving You“ zugunsten des Turner Contemporary Arts Trust in Margate ohne Reserve aufgerufen.

          Mobiles von Alexander Calder

          Den Abend mit „Post-War and Contemporary Art“ am 14. Oktober bei Christie's führt Damien Hirsts Schmetterlingsbild „I am Become Death, Shatterer of Worlds“ von 2006 an. Es ist mit einem Preisschild von 2,5 bis 3,5 Millionen Pfund versehen und seit der Einzel-Auktion bei Sotheby's im September 2008 das teuerste Werk Hirsts, das bei einer Versteigerung zum Aufruf kommt. Glücklos blieb Hirsts mit Keramik bestücktes Regal „We've Got Style (The Vessel Collection - Blue/Green)“, das bei der New Yorker Auktion der Lehman-Brothers-Sammlung von Sotheby's 800.000 bis 1,2 Millionen Dollar einspielen sollte.

          Insgesamt bietet der Abendtermin bei Christie's 51 Lose im Wert von 15,95 bis 22,71 Millionen Pfund. Damit entspricht die Anzahl der Lose und die Erwartung etwa dem Doppelten des Evening Sales vom Oktober 2009. Mobiles von Alexander Calder finden weiterhin auf den Markt; „Montagne Pas Aiguë“ (450.000/650.000) wechselte zuletzt 1995 den Besitzer. Auch Zero-Kunst bleibt im Blickfeld mit Otto Pienes „Goldgold“ (150.000/200.000), einem schimmernden, mit Goldblatt überzogenen Exemplar seiner „Rasterbilder“, das seit den sechziger Jahren eine deutsche Privatsammlung schmückte.

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