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Gegenwartskunst : Die Zeitgenossen mögen's europäisch

  • -Aktualisiert am

Auch die Londoner Auktionen mit Gegenwartskunst lassen Rekorde regnen. Und sie zeigen, dass es abseits des Mainstreams Leute mit Geschmack gibt.

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          Nach den berauschenden Erfolgen mit Impressionismus und Moderne in der vergangenen Woche feiert man in London auch mit zeitgenössischer Kunst beachtliche Umsätze im warmen Regen neuer Rekorde. Mit der Forderung nach niedrigeren Reserven und Schätzungen bei höherer Qualität seitens ihrer Einlieferer entfachten die Auktionshäuser so manches Bietgefecht, bei dem sich die potentiellen Käufer gegenseitig befeuerten. Das bei den November-Auktionen in New York wiedergewonnene Vertrauen in die Kunst als Geldanlage und Prestigeobjekt hat sich weiter gefestigt.

          Die Abendveranstaltung bei Sotheby's stand ganz im Zeichen der Zero-Kunst aus der über fünfzig Jahre hinweg aufgebauten Sammlung von Anna und Gerhard Lenz. Es wurden Werke von zuvor in internationalen Auktionssälen wenig bekannten Künstlern aufgewertet - und neunzehn Künstlerrekorde aufgestellt. Die vielen Bieter überzeugte das Sammlungskonzept und die Provenienz „Lenz Schönberg“. Bis auf eines wurden alle Lose dieser Gruppe für insgesamt 23,2 Millionen Pfund verkauft; die Schätzung lag bei 11,1 bis 15,1 Millionen.

          Die Auktion begann mit Rekorden für die ersten vier Lose, neben Heinz Mack und Otto Piene auch Günther Uecker mit seinem Nagelbild „Haar der Nymphen“, für das ein Sammler am Telefon 700.000 Pfund (Taxe 100.000/150.000) bewilligte. Später wurde sein Baumstumpf mit sprießenden Nägeln, „Kunstpranger ,Aquarell'“ für 300.000 Pfund (60.000/ 80.000) im Saal vermittelt. Ein Vielfaches ihrer Taxe erzielte neben Jef Verheyen, François Morellet und Gerhard von Graevenitz auch Victor Vasarelys schwarzweiße Abstraktion „Altaï III“ (100.000/150.000), die auf 470.000 Pfund kletterte.

          Erfolg mit Willem de Koonings Gemälde „Untitled XIV“

          Das Spitzenlos der Lenz-Gruppe wurde, wie erwartet, Yves Kleins mit Feuer und Wasser auf Papier gestaltetes Großformat „F 88“ von 1961 - es erreichte seine untere Taxe mit einem Hammerpreis von 2,8 Millionen Pfund, die ein deutschsprachiges Händlerpaar bot, das offenbar in der Schweiz ansässig ist. Zuvor hatten sich die beiden bereits Kleins mit purem Gold überzogenes Quadrat „MG 25“ für 1,45 Millionen Pfund (800.000/1,2 Millionen) gesichert. Später setzten sie sich noch auch bei einer der zwei, 198 mal 98 Zentimeter messenden Kupferplatten aus Lucio Fontanas „Metalli“-Serie durch: „Concetto Spaziale, New York 26“ mit vertikalem Einschnitt stieg auf 2,7 Millionen Pfund (1,5/2 Millionen).

          Der Rest der Auktion verlief ebenfalls sehr erfolgreich: Mit zu den teuersten Losen der Abendauktion wurde Willem de Koonings Gemälde „Untitled XIV“ von 1983, für das ein europäischer Privatsammler am Telefon der Schweizer Spezialistin Claudia Steinfels 2,5 Millionen Pfund (2/3 Millionen) bewilligte. Lucian Freuds nur 18,8 mal 14,3 Zentimeter kleines „Self-Portrait with Black Eye“ blieb mit 2,5 Millionen Pfund hinter der Erwartung von drei bis vier Millionen zurück. Peter Doigs Winterlandschaft „Saint Anton (Flat Light)“ wurde am Telefon schnell für 2,5 Millionen (2/3 Millionen) vermittelt.

          Acht von zehn Spitzenlosen schufen europäische Künstler

          Zu den Überraschungen des Abends gehörte eine düster-atmosphärische Kohlezeichnung auf Papier von Frank Auerbach: Das Porträt seines Malerkollegen „Head of Leon Kossoff“ wurde nach langem Bietgefecht bei 890.000 Pfund dem Londoner Händler Offer Waterman zugeschlagen - die Taxe lag bei 50.000 bis 80.000 Pfund.

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