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Gegenwartskunst : An der Spitze ist es einsam

  • -Aktualisiert am

Die New Yorker Auktionen mit Zeitgenossen dominiert Sotheby's. Christie's und Phillips schneiden solide ab.

          3 Min.

          New York stand diese Woche ganz im Zeichen der zeitgenössischen Kunst. Sotheby's triumphierte mit Warhols früher Leinwand „200 One Dollar Bills“, die mit einem Hammerpreis von 39 Millionen Dollar die Schätzung mehr als verdreifachte, und kam so bei der Abendauktion auf das hervorragende Gesamtergebnis von rund 135 Millionen Dollar, bei einer oberen Taxe von 98 Millionen. Christie's hatte am Abend zuvor einen Umsatz von 74 Millionen Dollar erzielt, solide innerhalb der Schätzung. Das Schlusslicht bildete, wie erwartet, Phillips mit einem Umsatz von sieben Millionen Dollar.

          Bei Christie's fanden von 46 Losen nur sieben keine Käufer, allerdings zählten auch die Werke mit den höchsten Taxen zu den Rückgängen: Basquiats fast fünf Meter breiter „Brother Sausage“ (Taxe 9/12 Millionen) und Warhols bemerkenswertes „Tunafish Disaster“ (6/8 Millionen), beide aus der Sammlung des Verlegers Peter Brant. Kurz vor der Auktion aus unbekannten Gründen zurückgezogen wurde das Porträt „No. 3, Ellis Ruiz B.“ eines der „Thirteen Most Wanted Men“ von Warhol (5,5/6,5 Millionen). Zum Spitzenlos konnte sich Peter Doigs rätselhafte „Reflection (What does your soul look like)?“ aus dem Jahr 1996 aufschwingen.

          Für das 274 mal 200 Zentimeter große Bild, das die Spiegelung einer männlichen Silhouette an einem Gewässer im Wald zeigt, fiel der Hammer erst bei neun Millionen (4/6 Millionen), das sind mit Aufgeld 10,1625 Millionen Dollar. Dieser Preis knüpft an Doigs Auktionsrekord von 2007 an, als in London sein fast ebenso großes „White Canoe“ umgerechnet rund elf Millionen Dollar einspielte. Auch die Sammlung des Paars Merce Cunningham und John Cage übertraf die Erwartungen: Rauschenbergs Uhrencollage, die er John Cage in Anspielung auf dessen Unpünktlichkeit widmete, ging für 780.000 Dollar (100.000/150.000) in amerikanischen Handel, und Jasper Johns' Gemälde „Dancers on a Plane“ konnte mit 3,8 Millionen Dollar seine Taxe rund verdoppeln.

          Werke von Koons aus der Sammlung Taschen

          Dominique Levy von der New Yorker Galerie L+M Arts wurde im Saal dabei beobachtet, wie sie bei fünf Millionen Dollar (4/6 Millionen) den Zuschlag für Jeff Koons' bunten Blumenstrauß aus Holz, „Large Vase of Flowers“ von 1991, erhielt. Einst befand er sich in der Sammlung von Wolfgang Joop und war nun von Benedikt Taschen eingeliefert worden. Die zwei winzigen Katalogsymbole neben der Losnummer zeigten übrigens an, dass das Werk mit einer Garantie für den Einlieferer versehen war und dass Christie's schon vor der Auktion ein Mindestgebot vertraglich abgesichert hatte. Aus der Sammlung Taschen kamen zwei weitere Arbeiten von Koons: Die Staubsaugervitrine aus den Jahren 1981 bis 1987 erzielte 2,7 Millionen (2/3 Millionen) und der überbordende Barockspiegel „Wishing Well“ ging unter Taxe für 950.000 Dollar (1,2/1,8 Millionen) an Larry Gagosian.

          An seinem Abend konnte Sotheby's tatsächlich 52 von 54 Losen vermitteln, was der außergewöhnlichen Rate von 96,3 Prozent entspricht. Einzelne Werke aus der Sammlung von Mary und Louis Myers markieren neue Rekorde: Alice Neels Bildnis eines extravaganten Liebespaars erzielte 1,4 Millionen (400.000/500.000), Germaine Richiers Bronze „La feuille“ 700.000 (250.000/350.000), und mit fünf Millionen Dollar (4/6 Millionen) kletterte Willem de Koonings „Large Torso“ auf einen Rekordpreis für eine seiner Bronzen. Jean Dubuffets „Trinité-Champs-Elysées“ von 1961 hatte der holländische Financier Louis Reijtenbagh vor nur drei Jahren an selbem Ort für 5,2 Millionen Dollar gekauft; jetzt wurde das Bild bei 5,4 Millionen, innerhalb der Schätzung, zugeschlagen und kann damit ebenfalls einen Auktionsrekord für den Künstler verbuchen.

          Warhols „200 One Dollar Bills“

          Mit einer Million Dollar erreichte Juan Muñoz' lebensgroße Kunstharz-Figurengruppe „Five Seated Figures“ von 1996 einen weiteren Höchstpreis (800.000/1,2 Millionen); sie soll nun in das Reina-Sofia-Museum in Madrid gehen. Der Modeschöpfer Valentino outete sich nach der Auktion der Presse gegenüber als Käufer von David Hockneys „California Art Collector“ für 4,8 Millionen Dollar (5/7 Millionen). Es muss einer der schönsten Momente der Saison für den Auktionator Tobias Meyer gewesen sein, als er Warhols monumentalen Siebdruck „200 One Dollar Bills“ bei sechs Millionen Dollar aufrief und das nächste Gebot schon zwölf Millionen lautete. So schraubte sich der Preis bis auf sagenhafte 39 Millionen Dollar, das sind mit Aufgeld 43,7625 Millionen.

          Schon vor der Auktion galt das Los mit dem unterkühlten Sex-Appeal der Banknoten als äußerst vielversprechend. Einst befand es sich in der Sammlung der legendären New Yorker Pop-Art-Mäzene Robert und Ethel Scull. Als es aus deren Nachlass 1986 bei Sotheby's versteigert wurde, kostete es mit Aufgeld 385.000 Dollar. Jetzt wurde gemunkelt, dass es aus der Sammlung der Londoner Sammlerin Pauline Karpidas eingeliefert worden sei. Der Juwelier Laurence Graff sicherte sich Warhols quietschbuntes Selbstporträt, das der Künstler in den sechziger Jahren einer unbezahlten Praktikantin seiner Silver Factory zum Geschenk gemacht hatte, für 5,4 Millionen Dollar (1/1,5 Millionen).

          Phillips schließlich brachte 31 von 39 Losen hauptsächlich jüngerer Zeitgenossen an den Mann. Die beiden Spitzenlose waren ein Gemälde von Yayoi Kusama aus dem Jahr 2000, „Infinity Nets (T.W.A)“ für 700.000 Dollar (300.000/ 400.000) und eine „Brillo Box“ von Warhol aus dem Jahr 1964, die zu ihrer unteren Schätzung ebenfalls bei 700.000 Dollar zugeschlagen wurde.

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