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Gegenwartkunst : „When the price is right“ heißt die Devise

  • -Aktualisiert am

Trotz Fußball-Weltmeisterschaft und Hitze: Wo Qualität herrscht, sind auch die Zeitgenossen stark in London.

          4 Min.

          Die Auktionen mit zeitgenössischer Kunst in London boten ein gemischtes Bild: Sotheby's punktete mit minimalistischen Trophäen der europäischen Nachkriegskunst, Christie's setzte auf dekorative Malerei der jüngeren Generation, unterhalb der Millionengrenze. Beide Häuser konnten jeweils 83 und 84 Prozent ihrer Lose verkaufen. Dagegen legte bei Phillips de Pury die Erholung des Zeitgenossen-Markts nicht einfach nur eine Atempause ein: Es fehlte oft die Qualität, Marktfrische oder visuelle Attraktivität der Werke, bei mehrfach zu hohen Taxen; dementsprechend fiel die Verkaufsrate hier auf 53 Prozent nach Losen.

          Sotheby's setzte in seiner Abendveranstaltung 41,09 Millionen Pfund um, angesichts einer Gesamtschätzung von 38,33 bis 52,83 Millionen - zum Vergleich: Im Juni 2009 waren es nur 25,5 Millionen, im Juni 2008 stolze 94,7 Millionen Pfund. Wieder einmal waren Fontana, Klein und Warhol, neben Arbeiten von Auerbach und Kossoff, die Zugpferde der Auktion. Kleins blaues Relief mit Schwämmen „Re 49“ wurde wie erwartet zum Spitzenlos. Unter fünf Interessenten war ein Sammler am Telefon eines in New York stationierten Sotheby's-Experten bereit, 5,5 Millionen Pfund (Taxe 4,5/6,5 Millionen) dafür zu bieten. Zuvor war Kleins mit Blattgold überzogenes Holz „MG 42“ zum Auftakt der Auktion auf 400.000 Pfund (200.000/300.000) geklettert.

          Im Gefolge der erfolgreichen „Lenz Schönberg“-Auktion mit Zero-Kunst im Februar wurde Günther Ueckers weißes Nagelbild „White Bird“ für 380.000 Pfund (300.000/400.000) am Telefon zugeschlagen; Ueckers „Bewegtes Feld“, seit 1975 in derselben Sammlung, wurde für 400.000 Pfund (200.000/300.000) vermittelt. Das marktfrische Aluminiumbild „No. 7“ von Heinz Mack kletterte auf 120.000 Pfund, das Doppelte der unteren Taxe. An zweiter Stelle behauptete sich Fontanas giftgrünes ovales „Concetto Spaziale, La Fine di Dio“ von 1963 mit 4,2 Millionen Pfund (4,5/5,5 Millionen) seitens eines Sammlers am Telefon der italienischen Spezialistin; sein grünes rechteckiges „Concetto Spaziale“ (300.000/400.000) in weniger gutem Erhaltungszustand blieb unverkauft.

          Unter den acht Gemälden der „School of London“ aus einer Privatsammlung stellte Kossoffs „King's Cross, March Afternoon“ mit dem Hammerpreis von 380.000 Pfund (250.000/350.000) einen neuen Rekord auf, und Auerbachs Großformat „Mornington Crescent - Summer Morning“ stieg auf zwei Millionen (1,5/2 Millionen). Zwei Bilder von Peter Doig wurden zu Rückgängen, eines davon „White Creep“ mit einer Schätzung von 1,4 bis 1,8 Millionen Pfund: Sein Einlieferer hatte erst im Februar 2008 brutto 1,36 Millionen Pfund dafür bezahlt. Die „Millionaire Nurse“ von Richard Prince - im Mai 2008 in New York für brutto 4,7 Millionen Dollar verkauft, damals umgerechnet etwa 2,42 Millionen Pfund - konnte für 1,9 Millionen ein neues Zuhause finden. Überraschend blieb Richters graublaues „Abstraktes Bild“ (1,8/2,5 Millionen) unverkauft; sein Gemälde „Neger (Nuba)“ von 1964 zog ein einsames Gebot von 3,3 Millionen Pfund (3,5/4,5 Millionen) auf sich.

          „Trapped Canvas“ von Salvatore Scarpitta

          Bei Phillips de Pury am nächsten Abend führte Michael McGinnis Kaufmüdigkeit bei den Sammlern, nach den starken Umsätzen der New Yorker Mai-Auktionen und auf der Art Basel, als Grund für das schwache Ergebnis seines Hauses an. Es wurden 3,9 Millionen Pfund umgesetzt, gegenüber der Gesamttaxe von 6,07 bis 8,5 Millionen. Nur ein Los, ein „Schüttbild“ von Hermann Nitsch, schloss mit 44.000 Pfund (25.000/35.000) oberhalb seiner Schätzung ab. Thomas Schüttes schwarz glasierter „Doppelkopf“ erreichte seine untere Taxe von 400.000 Pfund, und Ugo Rondinones weiß angemalter Nachguss eines alten Olivenbaums aus Aluminium seine obere Taxe von 300.000 Pfund. Glücklos blieb das Spitzenlos, Lichtensteins fast zweieinhalb Meter langes „Prop for a Film“ (500.000/700.000), das ohne Rahmen und auf Sperrholz wenig attraktiv aussah.

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