https://www.faz.net/-gyz-8hju2

Auktion im Haus Grisebach : Und ein Mann mit gelben Handschuhen

Die Frühjahrsauktionen bei Grisebach in Berlin bringen an vier Tagen fast 1500 Lose aufs Tapet. Hier der Blick in die acht Kataloge.

          4 Min.

          In diesem Frühjahr fährt das Berliner Haus Grisebach an vier Tagen 1487 Lose an Gemälden, Grafiken, Skulpturen, Fotografien und Objekten auf, die in acht Katalogen verzeichnet sind, versehen mit einer mittleren Gesamtschätzung von 19,5 Millionen Euro. Das Spitzenlos des gesamten Angebots findet sich erwartungsgemäß bei den „Ausgewählten Werken“ am 2. Juni. Einmal mehr ist es ein typisches Ölgemälde Emil Noldes, „Weiße Wolken“ von 1926, beziffert mit 1,2 bis 1,6 Millionen Euro. Das Bild kommt aus der Sammlung von Adalbert und Thilda Colsman (der auch ein eigener Katalog gewidmet ist) und befand sich seit 1927 in Familienbesitz; Colsman war der Schwager von Karl Ernst Osthaus, dem Gründer des Folkwang Museums in Essen. Aus dieser Kollektion stammen auch die prächtigen „Blauen Berge“, die Christian Rohlfs in expressivem Gestus um 1912 im Format von achtzig mal 120 Zentimetern auf die Leinwand bannte (Taxe 120 000/150 000 Euro).

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Seit 1990 nicht auf dem Markt waren Otto Muellers „Zwei Mädchen mit gegabeltem Baum“, um 1916/17. Ihr erster Besitzer war seit 1918 Carl Hagemann in Frankfurt; 1984 ersteigerte die Berliner Galerie Nierendorf das Bild in einer Auktion bei Ketterer für 340 000 Mark, die Taxe lag bei 280 000 Mark. Jetzt kommt die typische Szene aus einer nordrhein-westfälischen Privatsammlung auf den Markt, mit einer Erwartung von einer bis 1,5 Millionen Euro. Wahre Glanzlichter sind diesmal etwas rar, aber es gibt doch das hübsche „Fräulein Heck (im Boot auf dem Starnberger See)“ von Lovis Corinth aus dem Jahr 1897, das anfangs dem Schriftsteller Max Halbe gehörte. Allerdings kehrt es als eine Art Wanderpokal zum nun dritten Mal bei Grisebach wieder: Im Jahr 2001 fand es einen Käufer für 255 000 Mark, mit Aufgeld 293 500 Mark; im Mai 2012 dann erwarb es ein Hamburger Sammler für 292 800 Euro (inklusive Aufgeld), gegenüber einer Taxe von 200 000 bis 300 000 Euro. Jetzt steht Fräulein Heck für 280 000 bis 340 000 Euro zu Gebote. Der Katalog kennt als Provenienz übrigens lediglich: „. . . / Privatsammlung, Baden-Württemberg / Privatsammlung, Berlin / Privatsammlung, Norddeutschland“; vollständig lassen sich diese Angaben nicht nennen.

          Ein schönes Bild ist Karl Hofers versonnene „Frau mit Papagei“ von 1940, einst in der Sammlung von Willy Hahn (250 000/350 000). Für Fans eines deutschen „Magischen Realismus“ steht aber Anton Räderscheidts toller „Junger Mann mit gelben Handschuhen“ von 1921 bereit (180 000/240 000); ihn besaß laut Katalog zuerst der Kölner Kulturhistoriker Carl Linfert, von 1949 an zuständig für das wissenschaftliche Nachtprogramm des damaligen Rundfunksenders NWDR. Und etwas verloren sticht noch Eduardo Chillidas 38 Zentimeter hohe Terrakotta „Óxido 61“ von 1981 unter den insgesamt 62 Positionen hervor (200 000/300 000).

          Am 1. Juni macht das 19. Jahrhundert wieder den Anfang, bestückt mit knapp 140 Losen. Die Auktion beginnt bei elf Blättern der frühen Romantik aus dem Nachlass des Schriftstellers Eugen Roth, unter denen die attraktive Zeichnung einer „Landschaft bei Olevano“ des im Alter von 25 Jahren gestorbenen Franz Theobald Horny herausragt (20 000/30 000). Des Weiteren gibt es schöne atmosphärische Gemälde, wie eine „Klosterruine am Meer“, die in das Werkverzeichnis von Franz Ludwig Catel aufgenommen werden soll (10 000/15 000); eine „Stürmische Landschaft mit Mann und Regenbogen“, ausgewiesen als „Dresden, um 1820“, wohl dem Umfeld Caspar David Friedrichs zuzuordnen (20 000/30 000); oder auch Ludwig Thomas „Landschaft im Sturm“ von 1892 (40 000/60 000).

          Weitere Themen

          Die Lunge im Kirchenfenster Video-Seite öffnen

          Göttlicher Odem : Die Lunge im Kirchenfenster

          Ein katholisches Gotteshaus in München brauchte neue Glasfenster. Zum Zug kam ein Künstler, der ein Stück Medizinalltag in ein Symbol für Leben und Vergänglichkeit verwandelte.

          Topmeldungen

          Wahl in Thüringen : Die AfD und die Abgehängten

          Björn Höcke ist unter den thüringischen Wählern nicht gerade beliebt. Viele wollen ihre Stimme trotzdem der AfD geben. Ein Besuch in einer ihrer Hochburgen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.