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Frühjahrsauktionen in Zürich : Gelangweilt im Waffenrock

  • -Aktualisiert am

Carl Spitzweg, Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski und Jacques de Rousseaux: sie bilden die Höhepunkte bei den Frühjahrsauktionen von Koller in Zürich mit Gemälden, Graphik und Büchern.

          Kein Feind in Sicht, denn es ist „Friede im Lande“. So betitelte Spitzweg 1856 sein Motiv des trägen Wachmanns, auf dessen Posten bereits die Vögel im Kanonenrohr nisten. Den Krieger in Friedenszeiten hat er mehr als 25 Jahre lang immer wieder als Sinnbild aufgenommen. Im Zuge der Auktionen bei Koller in Zürich kommt am 1. April eines der reifsten Bilder dieser Serie zum Aufruf, mit einer oberen Schätzung von 800.000 Franken.

          Ein weiterer Spitzweg von 1839 zeigt „Fahrende Komödianten“, die ihren Karren über eine Bergkuppe bugsieren (Taxe 200.000/300.000 Franken). Zu den Käufern Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski gehörten Zaren oder die Sultane des Osmanischen Reichs. Vor allem seine Marinen und Seestücke erreichen auch heute regelmäßig hohe Zuschläge.

          Koller bietet einen romantischen „Blick auf den Bosporus“ von 1898 an, der in zarten Tönen eine abendliche Szene an den dunstigen Gestaden des Bosporus zeigt (350.000/450.000). Französische Malerei ist mit Courbets „La Mer“ (20.000/30.000) vertreten, das Bild entstand um 1875 am Genfer See, wo Courbet die letzten Jahre vor seinem Tod 1877 lebte.

          An Rembrandt und Jan Lievens orientierte sich der um 1600 in Nordfrankreich geborene Jacques des Rousseaux, hinterließ jedoch nur wenige eigene Werke. Nachdem sein „Selbstbildnis in Phantasietracht“ jahrzehntelang in einer Liechtensteiner Privatsammlung hing, kommt es jetzt, ebenfalls am 1. April, bei den Alten Meistern zum Aufruf (350.000/500.000).

          Eine Gouache fast wie gemalt

          Etwa zehn Jahre später komponierte Jan Davidsz. de Heem ein brillantes Stillleben mit Früchten und Austern (120.000/ 160.000). Ebenso elegant arrangierte Elias van den Broeck ein Blumenbouquet (90.000/130.000). Broecks Landsmann Abraham de Verwer zeigt ein Motiv aus Paris. Sein „Blick auf die Grande Galerie des Musée du Louvre“ von 1640 war wohl eine Auftragsarbeit für Prinz Frederik Hendrik von Oranien-Nassau (160.000/200.000). Ein günstigeres Verwer-Angebot ist die „Ansicht der Stadt Rhenen“ bei Utrecht am Rhein.

          Die attraktive mehrfarbige Kreide- und Federzeichnung wird für 10.000 Franken angeboten. Bei Zeichnungen und Graphik fällt eine altgouachierte Lithographie auf, die den imposanten Mailänder Dom in gemäldeartiger Manier darstellt; die prächtige Vedute ist mit bescheidenen 4000 bis 6000 Franken angeschrieben. Der römische Maler Carlo Maratta hat eine zeitlos schöne Aktstudie Ende des 17. Jahrhunderts mit Rötel auf dunklem Bütten ausgeführt (6000/ 8000).

          Erstausgabe von Schedels „Liber chronicarum“

          Die Spezialauktion mit Büchern am 2. April führt eine „Neunte Deutsche Bibel“ von 1483 an: 130.000 bis 160.000 Franken soll die mit 109 altkolorierten Holzschnitten ausgestattete, bei Anton Koberger in Nürnberg erschienene Inkunabel einspielen.

          Koberger druckte 1493 auch die Erstausgabe von Schedels „Liber chronicarum“, das mehr als 1800 Holzschnitte versammelt (40.000/ 55.000). Bis zu 70.000 Franken lautet die Erwartung für ein flämisches Stundenbuch aus dem dritten Viertel des 15. Jahrhunderts, ein von Hand geschriebenes Unikat mit acht goldgehöhten Miniaturen.

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