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Falsches Mädchen? : Vekselberg und die Odaliske

  • -Aktualisiert am
          1 Min.

          Der russische Milliardär Viktor Vekselberg will durch eine Klage vor dem Obersten Gerichtshof Englands erreichen, dass ihm Christie's den Kaufpreis für eine „Odaliske” zurückerstattet, die er dort ersteigert hat: Das Bild soll sich als Fälschung erwiesen haben. Am 30. November 2005 bezahlte der kunstsinnige Oligarch in London in einer Auktion mit russischer Kunst, über seine Stiftung „Avrora“, den Rekordpreis von (umgerechnet) 2,9 Millionen Dollar für das 1919 datierte Motiv einer sich genüsslich unter ihrer Bettdecke hervor räkelnden Nackten.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

          Es trägt die Signatur von Boris Kustodiew (1878 bis 1927), Mitglied der auch in Paris gefeierten Künstlervereinigung „Welt der Kunst“. Als Provenienz war im Katalog für Los 122 die „Collection of Leo Maskovskii“ verzeichnet, der Russland in der Revolution verlassen und im Baltikum in den zwanziger Jahren eine bedeutende Sammlung russischer Gemälde erworben haben soll. Die Schätzung lag bei 320.000 bis 390.000 Dollar.

          Kustodiew huldigte mit schwergewichtig fröhlichen Mädchenakten der Vitalität seiner Heimat. Die eher europäischen Formen der „Odaliske“ mögen Vekselbergs Kennerblick vernebelt haben. Was auch daran liegen kann, dass Kustodiew bisher nicht zur „Risikogruppe“ der gern gefälschten Russen gerechnet wurde, wie etwa Landschaftsmaler und Avantgardisten. Doch nachdem Experten der Moskauer Tretjakow-Galerie, des Grabar-Restaurierungszentrums und des Sankt Petersburger Russischen Museums das Werk für unecht befanden, nahm die Kulturaufsichtsbehörde Roschrankultura es im vergangenen Jahr in ihren Fälschungskatalog auf.

          Damals war die Identität des Besitzers der „Odaliske“, die zuvor schon einmal am 5. Oktober 1989 bei Christie's in London versteigert wurde, noch nicht publik. Doch für Vekselberg drängt die Zeit; denn fünf Jahre nach dem Kauf, also im November dieses Jahres, drohen seine Ansprüche an Christie's zu verjähren. Die russische Zeitung „Kommersant“ berichtet unterdessen, dass Christie's die drei Expertisen nicht anerkennt und eine eigene chemische Untersuchung angekündigt hat.

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