https://www.faz.net/-gyz-6vwo8

Elizabeth Taylors Nachlass : Der Preis des Ruhms

  • -Aktualisiert am

Sagenhaft bleibt Elizabeth Taylor in Erinnerung, genauso auch die Auktion mit ihren Juwelen bei Christie’s in New York. Allein ihr Diamantring mit 33,19 Karat spielte mehr als 8,8 Millionen Dollar ein.

          2 Min.

          Bei 7,4 Millionen Dollar kommt das Bietgefecht ins Stocken. Rahul Kadakia weiß, dass sich jetzt das Ende abzeichnet. Aber der ebenso feinfühlige wie gerissene Auktionator startet doch noch einen Wiederbelebungsversuch: „Sie hat ihn jeden Tag getragen.“ Ein leises Gekicher geht durch den Saal, in dem es mucksmäuschenstill geworden war. Alle Blicke sind auf den japanisch aussehenden Mann in der letzten Reihe gerichtet. Sein Gesicht ist ausdruckslos, nur gelegentlich murmelt er etwas ins Headset seines Mobiltelefons. Dann nickt er fast unmerklich. Der „Elizabeth Taylor Diamond“, der einst mit all seinen 33,19 Karat am Finger von Vera Krupp glitzerte und nun als Los 80 den Abend beschließt, wird irgendwohin nach Asien auswandern: Ein Gebot von 7,8 Millionen Dollar, mit Aufgeld ein bisschen mehr als 8,8 Millionen, hat sich der neue Besitzer den Spaß kosten lassen.

          Auch ohne die paar Hunderttausend, die Kadakia vom Pult aus noch herausholte, hätte der Abend Auktionsgeschichte gemacht. Ein Rekord nach dem anderen war gefallen: 115,932 MIllionen Dollar waren zusammengekommen, mehr als je zuvor bei der Versteigerung einer privaten Schmucksammlung. Nie wurde ein größerer Betrag für ein Diadem, für ein indisches Schmuckstück, pro Karat für einen Brillanten oder einen Rubin bezahlt. Die Millionengrenze wurde insgesamt zwanzig Mal überschritten, oft mit Karacho. Der „Elizabeth Taylor Diamond“, eines der vielen Juwelengeschenke Richard Burtons, war nicht das teuerste Stück. Den gleichen Preis erzielte das Collier mit dem „Taj Mahal“, einem indischen Diamanten, und nicht unerwartet war „La Peregrina“, das pompöse Geschmeide mit der Riesenperle, die durch die Jahrhunderte ihren Weg von Philipp II. über Napoleon III. schließlich zu den Burtons fand, der absolute Auktions-Hit mit rund 11,8 Millionen Dollar.

          Es war also kaum eine Übertreibung, dass Christie’s die „Kronjuwelen Hollywoods“ angepriesen hatte, zumal der ersten Auktion sieben weitere mit Schmuck, Haute Couture und Memorabilia folgten und die Internetauktion erst am heutigen Samstag zu Ende geht. Aber auch vor Ort, wo am ersten Abend die Scharen in zwei Sälen untergebracht werden mussten, spielten die Live-Gebote aus dem Internet eine deutliche Rolle, neben den gewohnten Telefongeboten. Noch ließ ein Telefonduell, das schließlich mit Bravorufen bedacht wurde, den Preis für eine Abendrobe von Dior auf 362.500 Dollar hochschnellen. Und eine Bieterin im Saal musste sich geschlagen geben, als ein Konkurrent am Telefon für „Liz“ - zwar bloß eine Lithographie, aber von Andy Warhol eigenhändig in Filzstift „Elizabeth mit viel Liebe“ zugeeignet - 662.500 Dollar zu bezahlen bereit war.

          Online aber waren, wie von der Auktionatorin am zweiten Abend ständig zu hören, Bieter aus Japan und China nicht weniger aktiv als jene aus Wisconsin, Minnesota und Nevada. Die Fans boten eben von überall mit. Und es waren wohlbetuchte Fans, die da die durchwegs sagenhaften Preise bestimmten: Wer für ein auf gerade mal 400 bis 600 Dollar geschätztes Kettchen mit lustigen Fischanhängern 30.000 Dollar hinblättert, muss einfach glauben, einen Teil der Legende abzubekommen. Wenn es eines Beweises bedurfte, dass die Magie der Elizabeth Taylor auch postum noch unvergleichlich ihre Wirkung entfaltet, dann hat ihn die New Yorker Auktionswoche in prächtig klingender Münze geliefert.

          Weitere Themen

          Insekten im Museum

          Sorge vor Schädlingen : Insekten im Museum

          Alle Museen fürchten Insekten, die ihre Sammlungen als Nahrungsquelle sehen. Trotzdem spricht kaum jemand in der Branche über Schädlingsbefall. Wer es tut, muss mit Konsequenzen rechnen.

          Tortenkunst mal anders Video-Seite öffnen

          „The Bakeking“ : Tortenkunst mal anders

          Eine Schimpansentorte in Lebensgröße - das ist die neue Kreation von Ben Cullen, der als „The Bakeking“ mit seinen Backkreationen begeistert. Auf der „Cake International“ trifft er die besten Tortenkünstler der Welt.

          Topmeldungen

          Klein und furchteinflößend: Papierfischchen lieben Zellulosefasern.

          Sorge vor Schädlingen : Insekten im Museum

          Alle Museen fürchten Insekten, die ihre Sammlungen als Nahrungsquelle sehen. Trotzdem spricht kaum jemand in der Branche über Schädlingsbefall. Wer es tut, muss mit Konsequenzen rechnen.
          Verkehrsminister Scheuer musste sich wegen der Maut-Vergabe im Juli den Fragen des Verkehrsausschusses im Bundestag stellen.

          Automaut : Rechnungshof kritisiert Scheuer

          Der Bundesverkehrsminister wird seit langem für das Vergabeverfahren für die Pkw-Maut angegriffen. Auch der Bundesrechnungshof ist nicht einverstanden. Es listet gleich eine ganze Reihe von Verstößen auf.

          Angefasst und ausprobiert : Das kann das Motorola Razr

          Wer das neue Motorola Razr in die Hand bekommt, reißt erst einmal die Klappe auf und sucht wie bei anderen faltbaren Smartphones die Falte in der Mitte. Wir haben aber auch noch anderes ausprobiert.
          Für viele wünschenswert: Eine Hebamme wiegt im Rahmen der Nachsorge ein Baby.

          „Social Freezing“ : Den Kinderwunsch auf Eis gelegt

          Für Frauen, die sich für das Einfrieren unbefruchteter Eizellen entscheiden, spielen oft das Fehlen eines Partners oder Karrierepläne eine Rolle. Die Methode wird immer häufiger nachgefragt, vor allem bei Akademikerinnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.