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Ein Museum kauft ein : Die Versteigerung von Los Nummer zwei

  • -Aktualisiert am

Im August 1850 fand in Den Haag eine denkwürdige Auktion statt. Das niederländische Königshaus trennte sich von seiner Sammlung. Die internationale Kunstwelt trat an - und das Städel in Frankfurt eroberte Van Eycks „Lucca-Madonna“ und mehr.

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          Schauderhafte Konkurrenz, eine Masse von Kauflustigen aus ganz Europa, so dass man nicht ohne Herzklopfen daran denken kann, was der Erfolg der Unternehmung sein wird. Unsere Aufregung, was uns zu erzielen möglich sein wird, ist wirklich eine fieberhafte.“ So ähnlich klingt bis heute der bange Begleitkommentar zu mancher Kunstauktion. Dieser spezielle aber war zu hören am Vorabend einer Veranstaltung, die vom 12. bis zum 21. August 1850 in Den Haag stattfand und in deren Verlauf stolze 750 Lose zum Aufruf kamen - die fraglos spektakulärste Versteigerung ihrer Zeit.

          Halb Europa war angereist: kauffreudige Kunsthändler und Museumsleute aus London, Paris, Brüssel, Berlin. Selbst Zar Nikolaus I. hatte seinen Agenten Feodor Bruni aus Sankt Petersburg geschickt. Auch aus Frankfurt trafen zwei Herren ein, bereits zwei Tage vor Auktionsbeginn: Heinrich Anton Cornill d'Orville, Sammler, Kaufmann und Mitglied der Städel-Administration, und der Galerie-Inspektor des Städels, Johann David Passavant. Sie hatten für den Ankauf von Kunstwerken strikte Instruktionen und einen Kreditbrief des ehrwürdigen Bankhauses Metzler in Höhe von 32.000 deutschen Gulden mit auf den Weg bekommen.

          Exklusive Vorbesichtigung

          Woher aber kam dieser Schatz, der der europäischen Kunstwelt da angeboten wurde? Schon als Prinz von Oranien-Nassau in den damals noch Vereinigten Niederlanden hatte Wilhelm II. Kunst gesammelt und das auch als niederländischer König in Den Haag bis zu seinem Tod 1849 mit großem Aufwand fortgesetzt. Die Niederlande, seit kurzem ein eigenes Königreich, waren unterdessen immer tiefer in Nöte geraten. Sie litten unter zerrütteten Finanzen, und der immense Reichtum aus den ostindischen Kolonien, vor allem aus Java, begann zu versiegen. Der Erbe des leidenschaftlichen Sammlers, König Wilhelm III. der Niederlande (1817 bis 1890), glaubte im Jahr 1850, die herrlichen Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen des Königshauses versteigern zu müssen.

          Mit Hilfe des Amsterdamer Kunsthändlers Engelberts gelang Passavant und d'Orville am 11. August der Zugang zur Galerie mit den Kunstwerken, die für das Publikum bereits geschlossen war. So konnten sie das Angebot unmittelbar vor Auktionsbeginn noch einmal genau begutachten. Sie erhielten durch Engelberts auch einen Überblick über die ständig schwankenden Taxierungen der Gemälde: ein für ihre Strategien an den folgenden Tagen entscheidender Informationsvorsprung. Wobei diese Bewertungen sich übrigens weniger nach dem erwarteten Verkaufserlös richteten, wie das heutzutage für Schätzungen üblich ist, sondern nach dem ehemaligen Einkaufspreis.

          Ein Junggeselle steigert mit

          Die Informationen von Herrn Engelberts bereiteten den beiden Frankfurtern jedoch auch eine erste böse Überraschung. Ganz gegen ihre Erwartungen wurden nämlich zwei Werke von Anthonis van Dyck, die sie heiß begehrten, auf je 30.000 niederländische Gulden taxiert: Es waren dies die beiden Porträts des Diplomaten Philippe Le Roy und seiner Frau Marie de Raet. Ihr Budget war solchen Vorstellungen nicht gewachsen, und sie mussten aus dem Wettbewerb um die Van Dycks aussteigen; diese gingen schließlich, nach einem Bietgefecht mit dem Zarenreich, für 63.600 Gulden an den Marquis von Hertford.

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