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Die Sammlung von Lehman Brothers : Lieber Kunst als Derivate

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Zur Insolvenzmasse der Lehman-Bank gehört auch ihre Sammlung zeitgenössischer Kunst, die sie teilweise von Neuberger Berman übernahm. In New York kommen die Spitzen dieser Kollektion unter den Hammer. Sie zeigen die avantgardistische Offenheit der Ankäufer.

          Als vor zwei Jahren Lehman Brothers, eine der größten Investmentbanken der Welt, Insolvenz erklären musste, zogen Schockwellen über den Globus, deren Nachbeben bis heute zu spüren sind. Zur Liquidierung der firmeneigenen Vermögenswerte tragen nun auch die Auktionshäuser bei. Sotheby's versteigert am 25. September in New York Filetstücke der New Yorker Kunstsammlung; Christie's in London hält am 29. September eine Lehman-Brothers-Auktion mit Objekten aus den dortigen Büros ab, die den vielsagenden Untertitel „Artwork and Ephemera“ trägt. Unter dieser Kategorie sind Firmenschilder, Uhren, Spiegel, Schiffsmodelle und historische Landkarten vereint mit chinesischem Porzellan, einem Art-déco-Humidor und den gesammelten Werken von Charles Dickens, in Leder gebunden.

          Aber auch Seestücke und Pferdebilder des 19. Jahrhunderts und zeitgenössische Kunst, etwa Druckgraphik von Lucian Freud und Georg Baselitz, sind zu finden - und als Spitzenlos Gary Humes abstrakte „Madonna“ auf grüner Lackfarbe von 1994 (Taxe 80.000/ 120.000 Pfund). Andreas Gurskys „New York Mercantile Exchange“ ist zwar auf dem Cover des Christie's-Katalogs abgebildet, wird aber erst während der Londoner Abendauktion mit Zeitgenossen am 14. Oktober versteigert werden; die Schätzung liegt bei 100.000 bis 150.000 Pfund.

          Mitglieder der Lehman-Dynastie gehören zu den größten Kunstsammlern und Mäzenen der Vereinigten Staaten, allen voran der ehemalige Bankdirektor Robert Lehman (1891 bis 1969), nach dem heute ein ganzer Flügel des Metropolitan Museum mit Meisterwerken der Renaissance und des Impressionismus benannt ist. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren drei jüdische Brüder aus der Nähe von Würzburg nach Alabama ausgewandert, wo sie zuerst einen kleinen Kurzwarenladen eröffneten. Das Geschäft weitete sich bald zum lukrativen Baumwollhandel aus. Nach einigen Jahren schon machten sie ihr New Yorker Büro zum Hauptquartier; von dort aus schuf man aus dem Unternehmen im Lauf der nächsten 150 Jahre die einst viertgrößte Investmentbank der Welt mit mehr als 25.000 Angestellten.

          Nicht nur stiftete die Firma bis zuletzt regelmäßig hohe Summen für Kunstausstellungen und andere Kulturprojekte - allein im Jahr 2007 soll Lehman Brothers 39 Millionen Dollar gespendet haben -, sondern sie legte auch eine Sammlung an, die zuletzt mehr als 3000 Werke umfasste. In den achtziger Jahren prägte die Kunstberaterin Janice Oresman die Sammlung mit Ankäufen von Arbeiten Louise Nevelsons, Wayne Thiebauds, Frank Stellas und Jasper Johns'. Junge, qualitätsvolle Zeitgenossen stießen hinzu, als Lehman Brothers im Jahr 2003 die Firma Neuberger Berman kaufte und sich deren prominente Sammlung von rund 600 Werken zeitgenössischer Kunst einverleibte.

          Frühe Atelierankäufe

          Der heute 107 Jahre alte Gründer dieser Firma, Roy Neuberger, ist selbst ein großer Kunstsammler und war schon früh ein Fan von Jackson Pollock. Nach ihm ist das Neuberger Museum an der Universität des Staats New York in Purchase benannt, dem er mehr als 500 Werke schenkte, darunter Gemälde von Edward Hopper, Helen Frankenthaler und vielen anderen. Neubergers Kollege Arthur Goldberg hatte in den neunziger Jahren für die Firma Werke von damals noch wenig bekannten Künstlern wie Damien Hirst und Marlene Dumas gekauft, deren Preise seitdem gen Himmel schossen.

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