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Die George Economou Collection : Deutsche Bilder für Athen

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Er ist der große Unbekannte in den Auktionssälen: Zum ersten Mal überhaupt spricht der griechische Unternehmer George Economou über seine Leidenschaft für schwierige Kunst und seine Sammlung.

          Der griechische Reeder George Economou trat kürzlich erstmals als Kunstsammler ins deutsche Rampenlicht: Als nämlich bekannt wurde, dass er das einmalige Konvolut von rund 500 Blättern an Otto-Dix-Graphik aus der Sammlung Karsch-Nierendorf erworben und es der Staatlichen Graphischen Sammlung in München als Leihgabe überlassen hat . Zwar verbessern Economous Ankäufe seit einigen Jahren auch den hiesigen Auktionshäusern ungemein die Bilanzen. Doch in den Sälen agiert nie er, sondern stets sein munterer Frontmann, den alle „Dimitri“ nennen.

          Wenn Dimitri Gravanis, oft einen kühlen Drink in der Hand, lässig schlendernd seine Auftritte hat und mit griechischem Temperament ins Geschehen eingreift , dann ist regelmäßig etwas geboten - manchmal mehr, als dem Auktionator lieb ist, dem der Kunstagent lauthals Gebote und Bemerkungen zuruft, während er die Gegenbieter anfunkelt. Aber wo Höchstpreise und auch mal Weltrekorde winken, was leicht möglich ist, wenn Dimitri Gravanis für George Economou bietet, pocht kein Versteigerer verbissen auf die üblichen Gepflogenheiten.

          Ein kurzer Blick auf die jüngste Auktionssaison kann das belegen: Unter anderem bewilligte der Grieche in München bei Karl & Faber für Aquarelle von Jeanne Mammen aus der Sammlung Fishman die Bestpreise der Auktion und auch der Künstlerin; in Köln kaufte er bei Lempertz ein Gartenbild von Liebermann und lieferte bei van Ham das Spitzenergebnis für eine Abstraktion von Rudolf Bauer, bevor er in Berlin bei Grisebach einem expressionistischen Gemälde von Willi Geiger einen Rekord verschaffte.

          Zurück in München kämpfte Gravanis bei Ketterer um Richard Zieglers veristisch gemaltes Dreiecksverhältnis, das, als er endlich von dem saftigen Knochen ablassen mußte, beim Gegengebot von einer halben Million Euro gelandet war - der zehnfachen Taxe und meilenweit oberhalb der bisherigen Preise für den Künstler.

          Und bei Neumeister verdreizehnfachte er noch die Schätzung für Verkörperungen der fünf Sinne, gemalt vom Niederländer Petrus Stavernus im 17. Jahrhundert. Nicht zum ersten Mal fragte man sich angesichts allen der Herbsteinkäufe neugierig, wie wohl die Athener Sammlung aussehen mag, in die ein solches Potpourri aus Stilen, Epochen und Themen wandert, obendrein mit so viel deutscher Kunst. Wir haben Glück, George Economou will sie uns vorstellen.

          Im Jahr 1986 kaufte er sein erstes Schiff

          Nieselwetter färbt die Stadt grau, als wir zwei moderne Bürogebäude an einer Ausfallstraße im Athener Stadtteil Maroussi ansteuern. In dem größeren regiert George Economou seine Firmen, nebenan wacht Irini Dimitrakopoulou über die Belange seiner Kunstsammlung. Eine kleine Auswahl von vielleicht fünfzig Arbeiten der im Ganzen rund 2000 Werke zählenden Kollektion bedeckt die Wände.

          Gerade will die junge Kuratorin eine Führung beginnen, da erscheint der Herr der Bilder selbst und übernimmt das Ruder. Blond und blauäugig, sieht der alerte Endfünfziger aus wie ein Mann des Nordens; sein erstklassiges Englisch verdankt sich Studienjahren in Amerika, wo er Abschlüsse in Schiffsbau, Schiffsmaschinenbau und Schifffahrt erwarb. Im Jahr 1986 kaufte Economou sein erstes Schiff, heute herrscht er über ganze Frachter- und Tankerflotten, und das erwirtschaftete Vermögen verhalf dem Selfmade-Tycoon zuletzt 2008 auf Platz 707 der Forbes-Liste der reichsten Unternehmer weltweit.

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