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Jubiläum : Das Herz ist uns nicht schwer

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Moderne und Gegenwartskunst zum sechzigsten Jubiläum von Ketterer: Das Münchner Auktionshaus versteigert Werke unter anderen von Egon Schiele, Ernst Ludwig Kirchner und Conrad Felixmüller.

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          Zum Endspurt des Jubiläumsjahrs hat Ketterer für seine Auktionen mit Moderne und Gegenwartskunst am 5. und 6. Dezember in München sieben Kataloge gefüllt. Ein Sonderkatalog gilt Warhol mit vierzig größtenteils bisher im Nachlass bewahrten Werken, ein weiterer führt Arbeiten der ehemaligen Sammlung Wilhelm Laaff, die jüngst schon die Alte Kunst bereicherte. Der erste Tag gehört der Klassischen Moderne und präsentiert mit Louis Valtats fröhlichem Bild seiner Frau beim Baden des Kindes von 1909 einen auf dem deutschen Markt seltenen Wegbereiter des Fauvismus (40.000/60.000). Den Löwenanteil macht traditionell der deutsche Expressionismus aus: Von fünf Bildern Münters dürfte der „Blaue Berg“ das bedeutendste sein; gemalt in Murnau 1908 und seit 1983 in amerikanischem Privatbesitz (250.000/350.000). Dann trumpft Macke mit der Passantenszene „Unter den Lauben von Thun“ auf; in der besten Zeit 1913 in Aquarell und Gouache ausgeführt, erfordert sie 600.000 bis 800.000 Euro. Das Hauptlos stammt von Otto Mueller. Es zeigt ihn selbst, wie er seine Geliebte Irene Altmann - nur mit einem Halsbändchen bekleidet - auf dem Schoß hält. Die provokante Intimität dürfte zur Entstehungszeit um 1920 irritiert haben, doch fehlte das Gemälde seither auf keiner wichtigen Mueller-Ausstellung (800.000/1,4 Millionen). Erotisches schlägt auch Schiele in Bann, nämlich der Akt einer Liegenden mit angezogenen Beinen (300.000/400.000). Aquarelle von Nolde oder Zeichnungen von Kirchner spicken die Offerte mit Begehrtem, Raritäten aber liefern Arbeiten der lange vergessenen Erma Bossi, Dodo und Lotte Laserstein.

          Ob der Überraschungserfolg von 2013 wiederholbar ist, als Collagen des Bauhausabsolventen Karl Hermann Trinkaus von 5000 auf 75.000 Euro stiegen, wird sein politisches Klebkunstwerk „Ist Ihnen das Herz schwer?“ von 1933 beweisen (14 000/16 000). Die Auswahl an Plastiken hält viel von Barlach bereit, einiges von Sintenis, Mataré und anderen, sowie Fritz Behns lebensgroßen Orang-Utan aus Bronze, eines von zwei bekannten Exemplaren (30.000/40.000). Zu den Hauptlosen der von expressionistischen Papierarbeiten dominierten Wilhelm-Laaff-Suite zählt Georg Schrimpfs neusachliches Ölbild „Mädchen mit Hunden“ von 1922 (40.000/60.000). Preislich getoppt wird die Hundefreundin hier nur von Felixmüllers „Maler Otto Schubert und Frau“ (100.000/ 150.000).

          Den zweiten Auktionstag schmückt erwähntes Warhol-Extra mit Farbserigraphien prominenter Köpfe, Lenin zum Beispiel als über Collage gedrucktes Unikat (100.000/150.000). Dann folgen Zeichnungen aus den Fünfzigern - schöne Boys vor allem, aber auch ein bunt „tattooed Woman“ (35.000/40.000) oder ein gebratenes Ferkelchen, ähnlich dem im Warhol-Kochbuch „Wild Rasperies“ (12 000/15.000). Weiter Fotos des Pop-Meisters, unter anderen von Basquiat (2500) und auch Vorlagen für Hammer und Sichel (6000).

          Im Frühjahr erzielte Ketterer Weltrekorde für Zero-Künstler. Die Einlieferungsfolgen sieht man im Katalog: Ueckers „Weißer Wind“ von 1992 (400.000/600.000), Macks Schlitz-Relief aus Aluminium von 1960 (60.000/80.000) und Pienes sonnengelb strahlendes Öl (80.000/120.000). Kazuo Shiragas Fuss-Action-Painting „Chijikusei Gotenrai“ von 1961 ist auf 400.000 bis 600.000 Euro geschätzt. Mit Arbeiten von Richter, Kippenberger, Immendorff, Förg oder auch Balkenhol wird das Angebot abgerundet, nicht zu vergessen Robert Longos Kreidezeichnung nach Manets „Totem Torero“ (25.000/30.000). Tony Craggs „Knot (early Forms)“, eine Hommage an Otto Freundlich von Anselm Reyle oder George Condos „Multicolored Woman“ sind auf jeweils 40.000 bis 60.000 Euro geschätzt.

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