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Das erste Halbjahr in Österreich : Die Aufwertung der heimischen Moderne geht weiter

  • -Aktualisiert am

Rekord für ein Hauptwerk von Frans Francken und der Tod des Sammlers Rudolf Leopold: In Österreich war das erste Kunstmarkt-Halbjahr ereignisreich. Besonders viele der zehn höchsten Zuschläge fielen dort bei Auktionen im Dorotheum.

          Zwei einschneidende Ereignisse prägen das erste Halbjahr 2010 im Wiener Kunsthandel. Im Dorotheum war die Begeisterung groß, als im April das lange verschollene Hauptwerk „Der Mensch, der sich zwischen Tugenden und Lastern entscheiden muss“ vom Niederländer Frans Francken II auf unerwartete 6,1 Millionen Euro katapultiert wurde. Dieses Altmeister-Ergebnis sucht 2010 weltweit noch seinesgleichen; in Kontinentaleuropa stellt es einen neuen Rekord dar. Inzwischen hat der Käufer, der Londoner Händler Johnny van Haeften, das Bild für 9,5 Millionen Pfund in seiner Galerie präsentiert.

          Eine bittere Nachricht bedeutete Ende Juni das überraschende Hinscheiden von Rudolf Leopold. Österreichs umtriebigster Kunstsammler war nicht nur als hartnäckiger Bieter und Käufer gefragt, der „Herr Professor“ wurde auch regelmäßig als Kenner der österreichischen Moderne konsultiert. Wenige Wochen nach seinem Tod kursieren schon Schätzungen, um wie viele Prozent der heimische Markt ohne Leopold in Zukunft schrumpfen könnte.

          Einstweilen kann sich das Dorotheum aber über das stärkste Halbjahr in seiner Geschichte freuen. Dieses stolze Resultat kommt nicht allein durch den hochfliegenden Francken zustande. Auch die Sparten 19. Jahrhundert, Silber, Design und Moderne liefen zu historischer Höchstform auf. Der Mitbewerber Im Kinsky hingegen hatte deutlich weniger Erfolg. Dem Auktionshaus fehlten einerseits die Spitzenwerke, andererseits schien so manche Schätzung überzogen. Dagegen hielt Wolfdietrich Hassfurther bei seinen Frühjahrsauktionen gleich mehrere Trümpfe in der Hand, die ihn in die oberste Liga spielten.

          Zu dem spannenden Rennen um Frans Francken präsentiert das Dorotheum auf seiner Homepage sogar einen Youtube-Film, in dem der Experte Alexander Graf Strasoldo zu Wort kommt, der den Berliner Einlieferer betreut hat. Der vom Kölner Kunsthaus Lempertz zum Dorotheum gewechselte Kunsthistoriker wird als Nachfolger von Altmeister-Chef Peter Wolf gehandelt. Das Prestige der Königssparte, die im April nie dagewesene 13,89 Millionen Euro umsetzte, wird durch drei weitere Ränge auf der aktuellen Bestenliste untermauert: Das Ölgemälde „Rinaldo hält Armida ab, sich mit einem Pfeil zu töten“ von Giovanni Barbieri, genannt Il Guercino, auf Platz zwei spielte den Spitzenpreis von 900.000 Euro ein.

          Ein begehrtes Seestück von Aivazovosky

          Ebenfalls aus Italien und marktfrisch wurde eine venezianische Vedute von Giuseppe Bernardino Bison eingeliefert, die mit 280.000 Euro an siebter Stelle rangiert. Guido Cagnaccis „Trunkener Noah“ und ein Damen-Gruppenbild von Lavinia Fontana teilen sich Platz acht mit je 260.000 Euro.Die außerordentlich starke Auktion der Klassischen Moderne brachte eine Landschaft, die Giorgio Morandi 1935 gemalt hat, mit 350.000 Euro auf Platz fünf der Bestenliste. Sie wird dicht gefolgt von Paula Modersohn-Beckers rührendem Porträt „Sitzendes Mädchen mit Strohhut und Kind auf dem Schoß“ von 1904, das einem Bieter 320.000 Euro wert war. Auch für Giorgio de Chiricos 1966 entstandene Venedig-Ansicht fiel der Hammer erst bei der oberen Taxe von 280.000 Euro.

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