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Comiczeichnung versteigert : Für Batmans Zorn zahlt man zünftig

Alte Helden, erfolgreich wiederbelebt: Mit „The Dark Knight Returns“ wurde Batman endgültig zur Legende. Frank Millers Coverzeichnung des Comics kletterte bei einer Auktion auf 478.000 Dollar.

          Im Jahr 1986 hatten zwei Herren die Faxen dicke. Einmal Frank Miller, damals noch ein Junggenie unter den Comiczeichnern und vor allem für den Marvel-Verlag tätig, bei dem er mit „Daredevil“ eine alte Serie neu gestaltet und wieder ins Gespräch (vor allem ins Geschäft) gebracht hatte. Wie alle Superheldenfanatiker gab es für Miller aber nur einen Maßstab: Batman, den düstersten unter den großen Heroen, aber leider beim Konkurrenzverlag DC angesiedelt und seit einigen Jahrzehnten außer Form.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Deshalb fragte DC den wilden Miller, ob er nicht auch diesen alten Recken wiederbeleben könnte, und Miller schrieb sich für das neue Prestige-Format von DC (gutes Papier, Umschlag aus Hochglanzkarton, vier Dollar statt sonst 1,50 pro Heft) eine Geschichte von der Seele: „The Dark Knight Returns“. In dieser Erzählung eines aus Altersgründen zurückgetretenen Batman, der aber angesichts eines zum Überwachungsstaat degenerierten Amerikas mit anderen Widerständlern in den Untergrund geht, legte Miller seinen ganzen Zorn auf die Gegenwart.

          Batman auf Kreuzzug

          Der zweite Herr, der 1986 in Rage geriet, war Bruce Wayne, besser bekannt unter seinem Pseudonym - Batman. Miller ließ ihn auf einen wahren Kreuzzug gehen, und Gefangene wurden dabei nicht gemacht. „The Dark Knight Returns“ wurde sofort Legende, setzte den Mythos von Batman wieder in Kraft und leitete die Erfolgsgeschichte dieser Figur im Kino ein; denn vorher war Batman auf der Leinwand eher Witzfigur als Rächer gewesen. Fortan aber klauten alle Regisseure bei Miller.

          Kein Wunder also, dass es aus den letzten fünfzig Jahren keinen berühmteren Superheldencomic gibt. Und kaum einen, dessen Originale teurer bezahlt werden. Die Zeichnung zu einem „Spider-Man“-Covermotiv von Todd McFarlane aus dem Jahr 1990 brachte zwar 2012 mit 658.000 Dollar den bisherigen Auktionsrekordpreis für ein amerikanisches Comic-Original, doch für eine Seite aus Millers „The Dark Knight Returns“ waren im Jahr zuvor auch schon 450.000 Dollar bezahlt worden. Und diese Dimension ist jetzt ein zweites Mal erreicht worden: Für die Coverzeichnung zum zweiten Teil des Zyklus hat das in Dallas ansässige Auktionshaus Heritage gerade 478.000 Dollar erlöst.

          Comic-Fans zahlen Hunderttausende Dollar für Erstausgaben

          Nun kann man streiten, ob das nicht ein Rückschlag ist; denn damit wurde lediglich der Preis erzielt, der dem Verkäufer vom Auktionshaus garantiert war. Und da es nur vier Coverzeichnungen, jedoch zweihundert Originalseiten aus „The Dark Knight Returns“ gibt, sind die 2011 erzielten 450.000 Dollar (damals auch bei Heritage) weitaus spektakulärer. Da aber auch ein besonders gut erhaltenes Exemplar des ersten Hefts der Serie „Batman“ aus dem Jahr 1940 gleichzeitig 565.000 Dollar erbrachte, hat der dunkle Ritter gerade wieder mal die Nase vorn gegenüber Superman, dessen Debütausgabe in derselben Heritage-Versteigerung für etwas unter 400.000 Dollar den Besitzer wechselte. Aber dieses Haft war auch schlechter erhalten. Das drückt den Preis. Die mittlerweile berühmte Superman-Erstausgabe, die ein Bauunternehmer bei Renovierungsarbeiten in einer Wand seines Hauses als Dämmmaterial gefunden hatte, erbrachte trotz beklagenswert angegriffenem Umschlag in einer Versteigerung des Internet-Auktionshauses ComicConnect kürzlich auch noch 175.000 Dollar.

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