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Auktion : Claires Zimmer auf der Mathildenhöhe

  • -Aktualisiert am

Bei Karl & Faber in München werden am 29. April Alte Meister und 19. Jahrhundert angeboten, darunter Albrecht Dürers berühmte Melencolia. Eine Vorschau

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          Frühling in Paris: Erstes Hellgrün schmückt die Bäume, und die Menschen lockt es an die Luft. Noch tragen sie ihre dunklen Wintersachen, da kommen auf der Promenade plötzlich sieben Mädchen in frischweißen Kleidern daher. Den Trupp Kommunionkinder, die mit ihren Schleiern wie Bräute aussehen, hielt Jean-François Raffaëlli um 1880 in Öl fest. Karl & Faber versteigert „Printemps à Paris“ am 29. April, versehen mit einer Taxe von 50 000 bis 60 000 Euro. Es zeigt Raffaëlli dem Realismus verhaftet, aber bereits vom Impressionismus angeweht. Noch mitten ins 19. Jahrhundert gehört das schöne Bildnis eines jungen Bärtigen mit Samtbarett, möglicherweise ein Selbstporträt des Heidelberger Romantikers Georg Philipp Schmitt (Taxe 4500/ 5000 Euro). Für seinen „Adlerjäger“ wählte Carl Spitzweg ein schmales Hochformat zwecks dramatischer Überhöhung einer steilen wilden Felswand, die den Jäger, die menschliche Kreatur, auf nebensächliches Maß stutzt (60 000/ 80 000).

          Lieblich hingegen bieten sich Malern wie Joseph Rebell oder Carl Morgenstern italienische Landschaften dar. Heinrich Bürkel zeigt Rom aus erhöhter Ferne von einer belebten Osteria aus (40 000/ 60 000); mitten in der Ewigen Stadt skizzierte er dann mit Stift und Pinsel eine Straßenszene vor dem Palatin (1200). Im nahen Grottaferrata aquarellierte Johann Georg von Dillis 1795 eine junge Mutter mit ihren drei Kindern (7000/9000). Dieselbe Technik nutzte Rudolf von Alt 1832 für die Ansicht von Grein an der Donau mit Schloss und Dorf (7000/ 9000). In die Moderne, genauer auf die Darmstädter Mathildenhöhe und in seine dortige Villa, lenkt im Jahr 1900 Joseph Maria Olbrich den Blick, mit dem durchgearbeiteten Entwurf für das in Gelb und Weiß gehaltene Schlafzimmer seiner Frau Claire im Stil der Wiener Secession (30 000/ 35 000).

          Die Alten Meister punkten mit druckgraphischen Blättern. Da ist Augustin Hirschvogels seltene Radierung „Flusslandschaft mit zwei durch eine Brücke verbundenen Gebäuden“ von 1545 zu haben (20 000/ 25 000), und in der reichen Dürer-Auswahl ragen hervor ein rarer Probedruck des Holzschnitts „Vier Engel, die Winde aufhaltend“ (40 000/ 60 000) sowie ein Exemplar des „Melencolia I“-Kupfers, das einst das Schlesische Museum Breslau verwahrte und das jetzt aus Amerika kommt (60 000/ 70 000). Gleich zweimal liegt Rembrandts radiertes Bildnis des Mennoniten-Predigers Cornelis Claesz Anslo vor, ein tiefschwarzes Exemplar mit den Überarbeitungen (20 000/30 000). Quirliges Tempo eint Motiv und Künstlergestus auf Giuseppe Bernardino Bisons lavierter Skizze vom Tod des wegen scheuender Pferde vom rasenden Wagen stürzenden Hippolyt (1500). Kaum weniger dramatisch geht es auf den Ölskizzen süddeutscher und österreichischer Manieristen zu: Unter ihnen interpretierten Johann Chrysostomus Winck, Januarius Zick und Franz Anton Maulbertsch biblische Szenen mit viel Gefühl.

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