https://www.faz.net/-gyz-14bu8

Bücher und Graphik : Mechanikus Albert und der Philosoph

  • -Aktualisiert am

Heute wissen wir, dass sich Sigmund Freuds Nichte Martha hinter dem Pseudonym Tom Freud verbirgt. Ein Exemplar ihres „Baby-Liederbuchs“ kommt jetzt bei Zisska & Schauer zum Aufruf - die Vorschau.

          Bibliophile Ausgaben englischsprachiger Bücher waren die Spezialität von Karl H. Pressler. Aus dem Besitz des im vergangenen Sommer verstorbenen Antiquars versteigert Zisska&Schauer in München vom 11. bis zum 13. November etliche Bände von oft ausgezeichneter Erhaltung. Man findet darunter die Erstausgabe der Gedichtsammlung „A Witness Tree“, für die Robert Frost den Pulitzer-Preis bekam, mit einem vom Autor eigenhändig hineinnotierten Poem (Taxe 2000 Euro) - oder eine Thackeray-Gesamtausgabe in 26 illustrierten, noch unbeschnittenen Bänden (400) ebenso wie Lewis Carrolls Erstausgabe von „The Hunting of the Snark“, vom Verfasser handschriftlich einer Edith Barclay zugeeignet (1000).

          Auch Oscar Wilde schrieb 1893 eine Widmung in seine frisch gedruckte „Salomé“, die ihren hübschen Einband mit farbig intarsierten Tanzenden um 1930 erhielt (2000). Der neuen Mode, günstig „schöne Rücken“ en bloc anzubieten - übrigens mit oft rasanten Preisresultaten -, folgt das Konvolut von rund 1300 sehr ansehnlich gebundenen Büchern aus Pressler-Besitz zur bescheidenen Taxe von 2000 Euro.

          Hans Richard von Volkmanns „Strabantzerchen“

          Als weiteres Bonbon wartet eine große Sammlung Kinder- und Jugendliteratur auf ihre Neuverteilung: Ferdinand Grimm, der Bruder von Jacob und Wilhelm, sammelte die „Burg- und Bergmärchen“, die als sehr seltene, 1846 bei Holle erschienene Erstausgabe 600 Euro bringen sollen. Eine weitere von vielen Raritäten ist das „Baby-Liederbuch“, das Erstlingswerk von Tom Freud aus dem Jahr 1914. Hinter diesem Name steckt die Berliner Buchkünstlerin Martha Seidmann-Freud, eine Nichte Sigmund Freuds (2000). In seine badische Heimat bettete Hans Richard von Volkmann Kinderszenen in seinem „Strabantzerchen“, das 1907 noch von Hand koloriert wurde (200).

          Petrus Lombardus vollendete 1158 sein frommes Lehrbuch „Sententiarum libri IV“, Bonaventura versah es später mit einem Kommentar, und beides zusammen gab Johannes Beckenhaub 1491 bei Koberger in Nürnberg heraus; diesem Zweibänder gilt eine Taxe von 15.000 Euro. Naturwissenschaftliche Gelehrsamkeit bieten Rösslins gynäkologischer „Roszgarten“, das erste gedruckte Geburtshilfebuch in der Ausgabe von 1515 (25.000), oder auch Georg Büchner, der seine Dissertation über das Nervensystem der Barben 1836 im französischen Exil parallel zu seinen literarischen Werken abfasste (9000) - und nicht zuletzt „Die galvanische Kette“, die seit 1827 den Namen Georg Simon Ohms unsterblich hält (6000).

          Ein Daguerreotypie-Porträt Arthur Schopenhauers

          Die bilderbuchschöne Seite der Naturerforschung bringt Alexandrine Tinnés Tafelwerk über die Pflanzen in „Afrique Centrale“ nah, das die Niederländerin 1867 nach ihrer Reise nach Sudan veröffentlichte (3000). Ein verloren geglaubtes Daguerreotypie-Porträt Arthur Schopenhauers, das „Mechanikus Albert“ im August 1852 von dem Philosophen aufnahm, kommt aus Privatbesitz und auf 3000 Euro geschätzt zur Versteigerung.

          Einstweilen verschollen bleiben drei Ansichten von Rügen, die Caspar David Friedrich in Sepia anlegte: Glücklicherweise aber überliefert Carl Friedrich Thiele die Blätter im ersten Teil seiner „Malerischen Reise durch Rügen“ in Form von Aquatinten (6000). Eine Reihe von Handzeichnungen durchsetzt die Graphik-Abteilung am Schluss, gekrönt wird sie von Paula Modersohn-Beckers Kohleskizze einer jungen Frau im Profil, die ein Kleinkind im Arm trägt (6000).

          Weitere Themen

          Wiederbelebung der Neiddebatte

          TV-Kritik: Anne Will : Wiederbelebung der Neiddebatte

          Die SPD hatte bisher das einzigartige Talent, die Probleme ihrer Konkurrenz zu den eigenen zu machen. Bei der Debatte um den Solidaritätszuschlag scheint das anders zu sein, wie bei Anne Will zu beobachten war.

          Topmeldungen

          Anne Will diskutiert mit ihren Gästen über die Soli-Abschaffung

          TV-Kritik: Anne Will : Wiederbelebung der Neiddebatte

          Die SPD hatte bisher das einzigartige Talent, die Probleme ihrer Konkurrenz zu den eigenen zu machen. Bei der Debatte um den Solidaritätszuschlag scheint das anders zu sein, wie bei Anne Will zu beobachten war.
          Unser Sprinter-Autor: Sebastian Reuter

          F.A.Z.-Sprinter : Von wegen Kinderkram!

          Angela Merkel könnte in Biarritz noch eine tragende Rolle zukommen. Eltern sollten mit ihrem Nachwuchs über einen besonderen Mann sprechen. Und Glück stellt sich manchmal erst spät ein. Was sonst wichtig ist, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.