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Bücher und Graphik : Bittbrief eines Dichters

Auch kommunistische Propaganda hat ihren Preis. In Berlin wird eine umfangreiche Plakatsammlung angeboten, die um das Jahr 1930 in Moskau zusammengetragen wurde. Sie ist Teil der Bücher und Graphik-Auktion bei Hauff & Auvermann.

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          Restauratoren hätten einiges zu tun, um die Sammlung sowjetischer Propaganda-Plakate in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen, die vom 2. bis zum 4. November bei Hauff & Auvermann in Berlin angeboten wird. Der Bruder der Vorbesitzerin, die Pädagogin Elisabeth Pfeiffer, hat die Plakate zwischen 1927 und 1931 in Moskau zusammengetragen. Pfeiffer benutzte Alkoholismus, Prostitution und Faschismus anprangernden Bilder, um sie in Deutschland auszustellen und in Vorträgen zu kommentieren (Taxe 50.000 Euro).

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Konservatorische Fürsorge wäre auch wünschenswert für den Nachlass der beiden Gebrauchsgraphiker Martin und Walter Lehmann, dessen Schätzung bei 15.000 Euro liegt: Die im Deutschen Werkbund organisierten Zwillingsbrüder schufen in den Jahren 1915 bis 1936 Plakate für Kodak, Varta, Persil und andere Hersteller.

          Berichte aus Äthiopien

          Einblicke in die propagandistischen Strategien der Nationalsozialisten vermittelt der Katalog zu einer Ausstellung „Deutsche Künstler und die SS“ 1944 in Breslau (1200). Ein namentlich nicht ermittelbarer Fotograf verfolgte im Frühjahr und Sommer 1939 die Entstehung eines Erweiterungsbaus von Hermann Görings Landsitz „Carinhall“ (7500). Ein Karton mit 36 Abzügen nach Fotos von David Bailey, Zeugnissen des „Swinging London“ der sechziger Jahre, wird für 9000 Euro angeboten.

          Unter Reisewerken imponieren Expeditionsberichte aus Äthiopien, darunter drei Publikationen des Erfurter Sprachforschers Hiob Ludolf. Ein Auszug aus Baedekers Führer durch Griechenland, zur Olympiade von 1896 herausgebracht, ist mit 8000 Euro beziffert. Sorgsam aquarellierte Darstellungen exotischer Pflanzen, die der Berliner Apotheker Andreas Friedrich Happe gegen Ende des 18. Jahrhunderts für eine Veröffentlichung vorbereitete, stehen für 12.000 Euro zum Verkauf.

          Die Publikation kam nie heraus. Doppelt so hoch geschätzt ist ein mit figürlichen Miniaturen und Blütenbordüren ausgestattetes lateinisches Stundenbuch nach dem Brauch von Limoges. Von Hans Henny Jahnn wird ein bei 1500 Euro angesetzter Brief an den S. Fischer-Verlag aufgeführt, in dem der vierundzwanzigjährige Dichter 1918 um die Edition seines dramatischen Erstlings „Pastor Ephraim Magnus“ bittet, der ihm wenig später den Kleist-Preis eintragen sollte.

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