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Bücher und Autographen : Bitte jetzt nicht stören

Das Berliner Auktionshaus Bassenge hat bei seiner Akquise für die Buchauktion Erfolg gehabt. Eine amüsante Notiz von Bundeskanzler Adenauer und ein Eintrag der Doppelagentin Mata Hari werden wohl Liebhaber finden. Die Vorschau.

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          Knapp fünfzig Inkunabeln warten bei der Herbstauktion von Bassenge in Berlin vom 14. bis zum 17. Oktober auf Gebote von Bibliotheken, Archiven und Sammlern. Konzentrieren dürfte sich die Aufmerksamkeit auf ein altkoloriertes Exemplar der 1488 in Brünn erschienenen "Chronica Hungarorum" von Johannes de Thurocz, ein Textband mit mehr als vierzig individuellen Porträts ungarischer Könige und Feldherren. Das Prachtwerk soll 36 000 Euro einspielen. Zur gleichen Taxe wird die 1477 bei Günther Zainer in Augsburg edierte "Biblia germanica" angeboten.

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Ein Faksimile der Gutenberg-Bibel (Mainz 1455, gedruckt 1961 in New York) ist mit 1800 Euro beziffert, eine einzelne Seite aus dem Original, wenngleich durch Beschneiden fragmentiert, mit stolzen 20 000 Euro. Roh beschnitten hat sich auch ein Blatt aus dem "Mainzer Psalter" von 1457 erhalten (Taxe 10 000 Euro). Das Thema "Reformation" bearbeiten - zusammengefasst in einem Sonderkatalog - zweihundert Flugschriften, Messbücher, Agenden und Bibeln: Luthers "Haußpostill" ist mit 12 000 Euro angesetzt, wie auch das "Betbuechlin" des Kurfürsten August von Sachsen. Eine Berliner "Flugwoche" 1909 stellte die Weichen für eine Fülle von Publikationen: Bereits 1889 war "Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst" von Otto Lilienthal herausgekommen. Der "Aviator" selbst erscheint auf einem Schnappschuss des Fotografen Richard Neuhauss (6000). Beeindruckend sind die preiswerteren Fotos des Zeppelins im Hangar oder auf freiem Feld, erheiternd die Motive der Werbekampagne nach skurrilen Einfällen des Plakatkünstlers Julius Klinger.

          Herr Bundeskanzler, dies ist ein Störmanöver

          Jugendstil bietet im Bereich der modernen Literatur und Kunstdokumentation Hugo von Hofmannsthals "Der Kaiser und die Hexe", im Mai 1900 illustriert von Heinrich Vogeler (6500). Max Slevogts 1927 bei Bruno Cassirer edierte Graphiken zum zweiten Teil des "Faust" sind auf 6000 Euro geschätzt, Dalis Farblithos zu Rabelais' "Pantagruel" auf 8000 Euro.

          Bei den Autographen fällt eine Notiz ins Auge. Auf einem Teil eines Briefbogens des Bundeskanzlers Adenauer hat ihm jemand eine maschinengeschriebene Nachricht hereingereicht: "Herr Bundeskanzler, dies ist ein Störmanöver, falls Sie arbeiten möchten. Die Herren sind jetzt eine Stunde bei Ihnen." Der Kanzler hat das Blatt wohl umgehend zurückgehen lassen und darauf geschrieben: "Bitte nicht zu stören. Adenauer 23/6" (120 Euro). Ein Handschreiben von Goethe an den späteren Weimarer Staatsminister Christian Gottlob von Voigt ist ferner interessant (3800). Sinnsprüche von Zelebritäten der Schweizer Aufklärung enthält ein auf 12 000 Euro geschätztes Stammbuch eines Autographen-Jägers aus Erlangen, für den unter anderen Johann Georg Sulzer, Salomon Gessner, Johann Heinrich Füßli und Johann Caspar Lavater die Feder zückten. Sensationell liest sich die Erwartung der Doppelagentin Mata Hari, zu Auftritten in der Mailänder Scala geladen zu werden. Seltenheitswert besitzen drei in kyrillischer Schrift verfasste Briefe der 1918 in Jekaterinburg ermordeten Zarentochter Anastasia an ihre Kinderfrau.

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