https://www.faz.net/-gyz-6l7pt

Bücher in München : Neues vom Adel

  • -Aktualisiert am

Ohne den Vermerk „M. Th.“ und den prächtigen Einband wären die Berichte eines botanischen Vereins von 1883 wohl uninteressant. Die Signatur verrät, dass das Buch einst Marie Therese von Bayern gehörte - ein Blick auf das Angebot der Auktion bei Zisska & Schauer.

          2 Min.

          Ein Buch mit Einband aus himmelblauem Samt und massiver, aufmontierter Wappenkartusche stach im Mai-Katalog von Zisska & Schauer ins Auge. Offenbar war aber dieser Exzentriker kein Einzelgänger, denn in der Auktion vom 10. bis zum 12. November versteigert das Haus einen Zwillingsband. Er enthält Berichte eines botanischen Vereins und trägt einen 1883 datierten handschriftlichen Besitzvermerk: „M. Th.“ (Taxe 400 Euro): Zweifellos handelt es sich dabei um Königin Marie Therese von Bayern.

          Denn folgt man der Einlieferernummer des Buchs, der Nummer zwei, so trifft man noch oft auf Bücher, die der „letzten Bayerischen Königin“ gehörten: das „Gebetbuch für Katholiken“, mit Deckelminiatur nach Raffael, das Marie Therese von Österreich-Este zur Hochzeit mit dem späteren König Ludwig III. geschenkt bekam (1200). Auch von ihm sind Bücher dabei und von der Verwandtschaft: Da erhält Herzog Wilhelm in Bayern 1794 eine Arbeit über Säuglingssterblichkeit mit Begleitbrief; sein Enkel, Herzog Max in Bayern vom Autor E. Sue 1844 „La Cucarcha“ zugeeignet, den Ledereinband schmücken goldgekrönt die Initialen „M.B.“ (300).

          Offenkundig kommt also Teil zwei jener Einlieferung mit engsten Bezügen zu Mitgliedern des Hauses Wittelsbach zum Verkauf, die kürzlich von sich reden machte. Während Zisska & Schauer im Mai wie auch jetzt nur äußerst dezent auf die „Bibliothek aus süddeutschem Adelsbesitz“ hinweist, setzte das Münchner Kunstauktionshaus Hampel werbewirksam auf den Adelsfaktor, als es im September einen Großteil der bei Zisska einzeln versteigerten, aber von einem Händler wiedervereinten Bände als optisch prächtiges Konvolut für 130.000 Euro verkaufte. Diesmal treten rund fünfhundert Nummern nicht immer inhaltsgeladener, aber oft ausgesprochen dekorativer Bücher an.

          Auch mal eine Strecke von „ansehnlichen sechs Metern“, die mit reicher Vergoldung auf den alten Lederrücken und einer Taxe von nur 1000 Euro ohne Zweifel gefallen wird. Zu den bedeutenden Bänden gehört Leo von Klenzes „Anweisung zur Architectur des christlichen Cultus“ in seltener, nicht für den Handel bestimmter Erstausgabe und mit eigenhändiger Widmung von 1824 (2500).

          „buch d' sünden des munds“

          Damals gestaltete Klenze gerade das säkularisierte Kloster Tegernsee im Auftrag von König Max I. Joseph zu einem Landschloss um, in welchem bis heute die Herzöge in Bayern residieren. Dass in der Einlieferung auch mehrere Bücher mit Hinweisen auf die Tegernseer Klosterbibliothek stecken, macht allmählich neugierig auf den einstigen Standort dieser süddeutschen Adelsbibliothek.

          Märchenbücher, Sagen und Volkskundliches aus der Spezialsammlung von Thomas Padua, Sohn des Malers Paul Mathias Padua, warten auf mit „einer der schönsten Publikation der deutschen Romantik“, nämlich „des Knaben Wunderhorn“ in der Erstausgabe (5000), oder mit den Brüdern Grimm: „Kinder- und Hausmärchen“ in erster illustrierter Ausgabe, die mit Bildern vom dritten Grimm-Bruder den Absatz fördern sollte (10.000). Weiter würzt die Offerte ein altkoloriertes Prachtexemplar des „buch d' sünden des munds“ Geilers von Kaysersberg, das Baldung Grien mit Holzschnitten schmückte (20.000).

          Weitere Themen

          Als sich Frankfurt und Leipzig zusammenfanden

          Vereinigung der Bibliotheken : Als sich Frankfurt und Leipzig zusammenfanden

          Vor dreißig Jahren und damit noch vor der Wiedervereinigung Deutschlands fanden die beiden Nationalbibliotheken in Ost und West zusammen. Damals ahnte keiner der Beteiligten, wie viel Zukunft in der avisierten Arbeitsteilung steckte.

          Immer nur Pech

          TV-Krimi „In Wahrheit“ beim ZDF : Immer nur Pech

          Still ruht der Anstand: In der ZDF-Sozialkrimi-Reihe „In Wahrheit“ muss Kommissarin Judith Mohn ein Muttertrauma überwinden. Dabei wird es psychologisch recht finster.

          Topmeldungen

          Atemschutzmasken aus China: Das Flugzeug der New England Patriots hat in der Krise eine neue Aufgabe.

          Tausende Masken verschwunden : Moderne Piraterie?

          Hat Amerika wegen der Corona-Krise der deutschen Hauptstadt 200.000 Atemschutzmasken weggeschnappt? Das sagt der Berliner Senat. Das Weiße Haus stellt die Sache anders dar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.