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Bücher bei Jeschke Van Vliet : Mit schaurigem Einband

Ein Schäferroman gebunden in Menschenhaut gehört zu den Spitzenlosen der Auktion mit Büchern und Inkunabeln bei Jeschke Van Vliet in Berlin. Außerdem zu haben: Vögel, Frühblüher und Grüße von Kafka.

          Schauer löst der antike Schäferroman „Daphnis und Chloé“ des Rhetors Longus aus, von dem ein Exemplar am 17. Mai in der Buchauktion bei Jeschke Van Vliet in Berlin auf 10.000 Euro geschätzt ist. Nach Angaben des Einlieferers ist die hellbraune Lederhülle des 1878 in Paris erschienenen Longsellers aus Menschenhaut gefertigt, ebenso wie vierhundert mit Standorten in aller Welt nachweisbare, überwiegend medizinische Fachliteratur bergende „anthropodermische“ Einbände. Das makabre Beispiel sonderbarer bibliophiler Vorlieben zählt zu den Spitzenlosen unter achthundert „wertvollen und seltenen“ Büchern mit Schwerpunkten bei den Alten Drucken, den Naturwissenschaften und der russischen Avantgarde.

          Unter den Inkunabeln gebührt der 1485 bei A. Koberger in Nürnberg edierten Bibelkonkordanz von Konrad von Halberstadt Erwähnung (Taxe 7500 Euro). Bei 13.000 Euro beginnen die Versteigerungen von 46 handkolorierten Kupfertafeln schönster Frühjahrsblüher in „Hortus Nitidissimus“ von Christow Jacob Trew. In dunkelblaues Maroquin gebunden, bietet Edwin Carton Booth’ Vogelbuch mit 114 Lithographien nach Zeichnungen von E. Neale nicht nur ornithologische Belehrung, sondern auch haptisches Vergnügen. Zwanzig farbige Wiedergaben pompejanischer Wandmalereien, kommentiert und 1886 von Edoardo Cerillo in Neapel herausgebracht, sollen 4000 Euro einspielen.

          Ein Sonderkapitel bilden elf Publikationen russischer Revolutionskünstler. Für 3500 Euro angeboten wird eine von Wladimir Majakowski und David Bjurluk betreute Anthologie der Dichtungen des Lyrikers Velimir Chlebnikov. El Lissitzkys propagandistischen Zwecken dienliche Dokumentation zur Entwicklung der sowjetischen Schwerindustrie, 1935 in Moskau erschienen, soll 1200 Euro erzielen. Nichts weiter als „Beste Grüße“ an ein Fräulein G. Misek in Prag versendet Franz Kafka auf einer 1910 in Paris abgestempelten Postkarte, die für schwindelerregende 10.000 Euro zum Verkauf steht.

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