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Blaublütige Auktionen : Drei Frauen und fast alle königlich

  • -Aktualisiert am

In Amsterdam wird der Nachlass der Königin Juliana der Niederlande versteigert. In London gibt’s Memorabilia von Wallis Simpson, der Skandalfrau von Prinz Eduard und Mode, die Kate Middleton auch schon zur Verführung von Prinz William trug.

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          Wenn europäische Königshäuser zur Versteigerung rufen, wird alsbald hinter vorgehaltener Hand über eine mögliche finanzielle Schieflage spekuliert, den Erben fehlendes Geschichtsbewusstsein vorgeworfen oder ein extravaganter Lebensstil.

          Im Fall dieser Auktion von Sotheby’s vom 14. bis 17. März in Amsterdam, die 1500 Objekte aus dem Besitz von Königin Juliana der Niederlande anbietet, steckt ein praktischer Grund dahinter: Platzmangel. Nach ihrem Tod 2004 wurde ihr Besitz aus vierzehn königlichen Residenzen auf fünf Stiftungen oder öffentliche Institutionen aufgeteilt, was sechs Jahre dauerte. Mit dem Ergebnis, dass keine dieser fünf so richtig zu nutzen weiß, was sich in fünf Generationen in den Salons an Möbeln, Gemälden, Porzellan oder Tafelsilber ansammelte.

          Julianas vier Töchter, darunter die amtierende Königin der Niederlande Beatrix, entschlossen sich also zum Verkauf, allerdings um den Erlös, der auf mindestens 1,5 Millionen Euro geschätzt wird, dem Roten Kreuz oder eigenen Stiftungen zu spenden.

          Es sind allerdings nicht die großen Meisterwerke der königlichen Schatzkammer, die nun zum Aufruf kommen. Die meisten der Lose werden auf unter tausend Euro geschätzt. Die Chance, hochherrschaftliches Flair ins eigene Wohnzimmer zu tragen, dürfte trotzdem viele locken und die niedrig angesetzten Taxen antreiben.

          Juliana wehrte sich Zeit ihre Lebens gegen übertriebenen Standesdünkel: Statt mit „Majestät“ ließ sie sich nur mit „Frau“ anreden, gerne fuhr sie mit dem Fahrrad statt mit Chauffeur und Limousine, schickte ihre Töchter nicht auf Eliteschulen, sondern auf normale Gymnasien. Das persönlichste unter den Losen ist ein Schminkkästchen aus vergoldetem Metall mit „J“ für Juliana unter einer dezenten Krone aus Silber und Emaille. Nur 12,5 Zentimeter groß, bietet es Platz für zwei Kompaktpuder, einen Pinsel und einen Lippenstift (Taxe 200/400 Euro).

          Feines Porzellan aus China

          Unter dem Porzellan sticht ein Dinner-Service von 1780 bis 1810 der italienischen Manufaktur Doccia Ginori hervor. Allein 142 Teller in vier verschiedenen Größen gehören zu dem 267-teiligen Service mit Landschaften in Rot und zweifacher Goldumrandung (40.000/60.000). Bei Hofe gefiel der orientalische Einfluss, wie das Teeservice aus der chinesischen Qing-Dynastie, verziert mit rechteckigen Kassetten und versilbert, zeigt (30.000/50.000).

          In gleich drei königliche Residenzen hing das romantische Gemälde „Blick auf das Tal des Aniene bei Tivoli“ (8000/12.000) des Frankfurter Malers Christian Morgenstern von 1839, unter anderen im Het Loo Palast bei Apeldoorn. Dort ließ sich Königin Wilhelmina, Julianas Mutter, nach ihrer Abdankung 1948 von der Natur zur Malerei inspirieren.

          Thronverzicht für ein Jet-Set-Leben mit Wallis

          Eine weiteres Werk zeigt ebenfalls ländliche Idylle: Auf der Zeichnung von Jan van Goyen aus dem Jahr 1651 sind „Drei Figuren unter einem Baum bei einem Bauernhaus“ (6000/8000) zu sehen. Den harten Bedingungen des Landlebens zollen zwei Bronzen von Charles van Wijk Aufmerksamkeit.

          Mit gekrümmten Rücken schleppt eine sechzig Zentimeter hohe Bäuerin Kaminholz, eine andere, 48 Zentimeter hoch, bindet mühevoll die Ähren zusammen. Beide entstanden um 1900 und sind auf 2500 bis 4000 Euro geschätzt. Während sich der Adel in den Niederlanden stilsicher aufs Auktionsparkett begibt, geht in England der Ausverkauf von Wallis-Simpson-Artikeln, also der Herzogin von Windsor, bis auf die Unterwäsche weiter.

          Über die Amerikanerin Bessie Wallis Warfield mokierte sich die Weltöffentlichkeit, als der englische Prinz Eduard VIII. 1936 auf den Thron verzichtete, um mit der zweimal geschiedenen Wallis ein Jet-Set-Leben verbringen zu können. Zurzeit dreht Madonna einen Film über das Skandalpärchen mit dem Titel „W.E.“, was nicht nur die Initialen des Paares sind, sondern ihnen auch ein Liebesschwur gegen alle Widerstände bedeutete.

          Ein legendäres Kleid von Kate Middleton

          Was das Londoner Auktionshaus „Kerry Taylor“ am 17. März anzubieten hat, hält sich an den Ruf der Herzogin: Hauchzarte, taillierte Negligés aus den vierziger bis fünfziger Jahren werden zum Aufruf kommen. Zu den sechs Nachthemden gehört außerdem ein cremefarbener, hochgeschlossener Morgenmantel aus Wolle (Taxe 400/600 Pfund).

          Doch die Herzogin konnte sich viel eleganter in ihre Gemächer zurückziehen, nämlich in einem elfenbeinfarbenen Kleid aus den Vierzigern, das am Rücken tief ausgeschnitten ist und bis zum Boden reicht. Auf Höhe einer Brusttasche schmücken zwei in einander verschränkte „Ws“ in Blau und Rot unter einer Krone das Gewand (600/1000). Oder in einem semitransparenten Chiffonkleid aus den Fünfzigern, das über einem Bustier aus Spitze an der Taille gebunden wird und bei dem die Schulterträger sich hinten überkreuzen und somit viel Rücken zeigen (350/500).

          Den krönenden Abschluss der Auktion bildet ein Kleid, das der Legende nach 2002 einen Stein ins Rollen brachte, der am 29. April in der Königshochzeit des Jahres münden wird: Kate Middleton trug das schwarze Netzkleid aus Seide mit dem dazugehörigen, durchschimmernden Slip auf einer Charity-Modenschau an der Universität St. Andrew’s. Die Modestudentin Charlotte Todd entwarf es 2000 für ihre Linie „Die Kunst der Verführung“ und freut sich heute noch, wenn ihr Werk dazu führte, dass Prinz William romantische Gefühle für Kate entwickelte (8000/10.000).

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