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Bilanz England : Was richtig gut ist, wird auch richtig teuer

  • -Aktualisiert am

In England kam es 2009 zur Talfahrt. Aber kluge Strategien ließen die schlimmsten Befürchtungen ausbleiben. Die ersten Auktionen des jungen Jahres indizieren eine Erholung.

          Umsatzeinbrüche sorgten in der ersten Jahreshälfte 2009 bei den Londoner Abendauktionen mit moderner und zeitgenössischer Kunst für Schlagzeilen. Eine angepasste Strategie und ein Endspurt von Oktober bis Dezember halfen jedoch noch bei einen recht beachtlichen Abschluss. Mit einem stark reduzierten Umfang der Versteigerungen und weniger Spitzenlosen mit Erwartungen im zweistelligen Millionenbereich blieben die Verkaufsraten oft überraschend hoch, und einzelne Werke weisen sogar bemerkenswerte Steigerungen und Rekorde auf.

          Das sorgte für Vertrauen bei den Einlieferern, und der niedrige Wert des Pfunds gegenüber dem Euro half dabei, die Käufer anzulocken und Preiskorrekturen weniger augenfällig zu machen. Nach den Altmeister-Auktionen im Dezember bei Christie's konnte London sogar mit Raffaels „Kopf einer Muse“ auf Papier und einem Einsatz von 29,2 Millionen Pfund (umgerechnet 47,9 Millionen Dollar) das teuerste Los des Auktionsjahres weltweit vorweisen.

          Verborgen im schwedischen Konsulat

          Besonders der Verkauf von marktfrischen Objekten aus publikumswirksamen Sammlungen - wie der Inhalt von Gianni Versaces Villa am Comer See bei Sotheby's im März - sorgte für Erfolge; berühmte Provenienz erhöht die Zahlungsbereitschaft. Im November konnte Sotheby's damit sogar zwei „white glove sales“ vorweisen, das sind Veranstaltungen, bei denen alle Lose verkauft werden. Dazu gehörten die „Romanov Heirlooms: Das verlorene Erbe der Großherzogin Maria Pavlova“, inklusive Fabergé-Zigarettenetui und andere persönliche Gegenstände, die nach 91 Jahren aus ihrem Versteck im schwedischen Konsulat aufgetaucht waren.

          Sie spielten im November sieben Millionen Pfund ein; die Gesamtschätzung hatte bei 600.000 bis 900.000 Pfund gelegen. Ebenso erging es der Sammlung des Schauspielers und Regisseurs und seiner Frau „Lord und Lady Attenborough“ mit fünfzig britischen Kunstwerken: Insgesamt 4,6 Millionen Pfund wurden umgesetzt, bei einer Erwartung von 1,9 bis 2,9 Millionen.

          Aus der Sammlung der Adelsfamilie March

          Die Leitzinsen liegen in England noch bei 0,5 Prozent, und die Regierung pumpte bis vor kurzem mit ihrem „Quantitative Easing“-Programm so viel Geld in die Wirtschaft, dass Mittel für Investitionen billig zu haben waren. Die Kunst blieb als langfristige Geldanlage in unsicheren Zeiten attraktiv. Neben den Alten Meistern war Kunsthandwerk gefragt: Ein Höhepunkt bei Christie's in London war ein rares Prunk-Kabinett, entstanden zwischen 1665 und 1675, getragen von sechs vergoldeten Bronzefiguren und mit Pietra-Dura-Inkrustation, das dem Italiener Domenico Cucci und der Manufaktur Ludwigs XIV. in Paris zugeschrieben ist.

          Das Kabinett aus der Sammlung der Mailänder Adelsfamilie March, eine von nur drei noch existierenden Cucci-Arbeiten dieser Art, wurde mit einem Zuschlag bei vier Millionen Pfund (Taxe „in the region of“ 4 Millionen) zu einem der teuersten jemals verkauften Möbel. Für eine Überraschung sorgte auch ein auf 60.000 bis 100.000 Pfund taxierter Augsburger Kabinettschrank des späten 16. Jahrhunderts. In seiner schlichten Kastenform, verziert mit einer phantastischen Motivwelt aus kunstvollen Intarsien, ist er dem berühmten „Augsburger Wrangelschrank“ verwandt; ein Kenner übernahm ihn beim Gebot von 900.000 Pfund.

          Monets Gemälde „Dans la prairie“

          Weniger erfolgreich lief es bei Christie's für die Zeitgenossen: Nachdem im Februar ein Gemälde von Francis Bacon mit einer Schätzung von vier bis sechs Millionen Pfund abgelehnt wurde, mauserte sich Peter Doigs „Night Playground“ im Juni mit einem Hammerpreis von 2,65 Millionen Pfund (Taxe 1,5/2 Millionen) zum Spitzenlos des Jahres bei Christie's in dieser Sparte. Im Oktober feierte man Erfolge mit Martin Kippenbergers „Paris Bar“ für zwei Millionen Pfund (800.000/1,2 Millionen) und einem Künstlerrekord Neo Rauch mit „Stellwerk“ bei 760.000 Pfund (350.000/ 450.000).

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