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Berliner Resultate : Erfüllung des Plansolls

Bei Jeschke Van Vliet in Berlin kam sozialistische Kunst zum Aufruf. Die Werke aus der Sammlung eines italienischen Konsortiums zogen nur verhaltene Gebote auf sich, und auch bei den Herbstauktionen bei Lehr und Leo Spik waren die Glanzlichter spärlich gesetzt.

          Unerfüllt blieben die Hoffnungen des Berliner Auktionshauses Jeschke Van Vliet, ein Riesenpaket sozialistisch-realistischer Propaganda-Malerei aus der Sowjetunion teuer verkaufen zu können. Lediglich 31 der 140 zur Versteigerung ausgewählten Wunschbilder parteikonformen Wohlverhaltens fanden zu Preisen weit unter den Schätzwerten Abnahme durch west- und osteuropäische Interessenten. Vorrangig gefragt waren russische Landarbeiter bei der Erfüllung des Plansolls. Ein norddeutscher Sammler fand Gefallen an den bläulich schimmernden Eisschollen auf einem Gewässer in Kamtschatka, bei 9000 Euro (Taxe 15.000) fielen sie ihm zu. 13.000 Euro (21.000) kostete ein in roten Mohn gebettetes Paar. Ein Telefonbieter aus England erstand für 10.000 Euro (15.000) einen Wandfüller mit schnittig voranstürmenden Skiläufern.

          Camilla Blechen

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Einlieferer der politisch motivierten Auftragsmalerei, ein nach der Perestrojka in Russland fündig gewordenes Konsortium mit Sitz in Italien, überreichten dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, als Tribut an die gastgebende Stadt ihres ersten öffentlichen Auftritts eine Darstellung sowjetischer Mechaniker. Nicht schlecht in die Sammlung des Deutschen Historischen Museums gepasst hätten dagegen zwei siegreich Zigarre rauchende Soldaten vor der Reichstagsruine, deren - utopischer - Schätzwert 40.000 Euro betrug.

          Mit den Matadoren der Dresdner Kunstszene

          Erfolgreicher verlief bei Jeschke Van Vliet die Versteigerung europäischer Kunst des 20. Jahrhunderts: Ernst Barlachs bronzener Engelskopf vom Güstrower Ehrenmal ließ sich bei 36.000 Euro (25.000) verkaufen. Von 18.000 auf 20.000 Euro verbesserte sich die Miniatur eines „Laufenden Elefanten“ der Renée Sintenis. Werner Tübkes Spätwerk „Ständchen im Freien“ erzielte 25.000 Euro (20.000). Rückgänge erlitten Rudolf Levys „Stillleben mit Pfirsichen“, Nicolas Tarkhoffs Bildnis einer jungen Frau im Garten und René Gruaus fulminante Studie eines Auftritts der Schauspielerin Catherine Deneuve.

          Bei Irene Lehr waren es wieder die Matadore der Dresdner Kunstszene, denen Augenmerk und Anlagebereitschaft galten. Bernhard Kretzschmars großformatiges Aquarell, das ungeduldig „An der Kasse“ wartende Charakterköpfe zeigt, wurde bei 15.000 Euro (16.000) von einem Potsdamer Sammler übernommen; Hermann Glöckners Collage aus Buntpapieren, 1934 subtil zusammengeklebt, stieg von 10.000 auf 16.000 Euro. Die zahm aufgereihten Hyazinthen in einem Gartenbild von Otto Dix fanden bei 40.000 Euro (45.000) Abnahme.

          Werke von Tsuguharu Foujita überraschen

          Ebenfalls unter dem Taxwert von 60.000, nämlich für 45.000 Euro verkauft wurde Emil Noldes undatiertes Aquarell „Segelboot“. Den Schätzpreis von 20.000 Euro erzielte eine menschenleere „Straße in Westend“, die den Berliner Stadtlandschafter Gustav Wunderwald gegen Ende der zwanziger Jahre als Motiv fasziniert hatte. In der Jubiläumsauktion bei Leo Spik spielten Gemälde Alter Meister beachtliche Ergebnisse ein, allen voran Jacob Marrels „Blumenbukett“ mit Tulpen, Kaiserkronen und Schwertlilien bei 56.000 Euro (40.000).

          Unterhalb der Taxe von 30.000 bei 25.000 Euro zugeschlagen wurden Bartolomeo Vivarinis Altartafeln mit Darstellungen zweier Heiliger. Für Überraschungen sorgten neun Arbeiten des gebürtigen Japaners Tsuguharu Foujita aus dem Erstbesitz von Heinrich Stinnes: Die Zeichnung eines „Mädchens mit Vogel“ erklomm den Spitzenpreis von 17.000 Euro (2000). Acht Aquatinten aus der 1929 in Paris edierten Mappe „Les Enfants“ fanden nachgerade reißenden Absatz; sie verdreifachten ihre Taxen in Höhe von 500 bis 800 Euro.

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