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Benefiz-Auktion in London : Kinder liegen uns am Herzen, Gastarbeiter weniger

  • -Aktualisiert am

Kunst und Fußball lassen sich gut miteinander verbinden, zeigt die wohltätige Auktion „The Art of Football“ in London. Bedingung dafür ist, dass Qatar die Strippen zieht.

          Lionel Messi Fußballgott, umfangen vom kreisrunden Blumenmeer des japanischen Künstlers Takashi Murakami - einer Ikone gleich scheint dieses Bild, das Blumenmeer wie die Würdeformel der Aureole, ein den ganzen Körper umfassender Heiligenschein. Am 12. Februar wird das Werk bei Sotheby’s in der Auktion „The Art of Football“ in London versteigert (Taxe 200.000/300.000 Pfund). Es ist eine Spende Murakamis, der neben siebzehn weiteren internationalen Künstlern wie Damien Hirst, Jeff Koons oder Richard Serra die gemeinnützige Kampagne „1 in 11“ unterstützt. Diese veranstalten die 1994 gegründete Fundació FC Barcelona, die Organisation Reach out to Asia (Rota) und Unicef. Das Logo hat Murakami entworfen. Eins von elf Kindern auf der Welt, so der Slogan der Kampagne, könne trotz Grundschulalters keine Schule besuchen. Mit dem Erlös wollen die Initiatoren benachteiligten Kindern in Bangladesch, Indonesien und Nepal den Zugang zu schulischer Bildung ermöglichen, sie durch Sportprogramme binden und soziale Barrieren abbauen. Hauptlose der Auktion sind zwei Reisen zu ChampionsLeague-Spielen des FC Barcelona. Neben einem Dinner mit dem Präsidenten verspricht Los Nummer 15: „Meet Lionel Messi“.

          Den Blick auf den Ball fixiert, drängt der Fußballkünstler auf der Leinwand nach vorne. Mittig auf dem blau-roten Trikot des Barça-Stars und Unicef-Botschafters Messi prangt der Name des aktuellen Sponsors: Qatar Airways. Jahrzehntelang entzog sich der katalanische Verein FC Barcelona der gängigen Praxis der Trikotwerbung. 2006 durfte Unicef auf die begehrte Werbefläche. Nach der fünfjährigen Laufzeit schloss die Vereinsführung dann einen Vertrag mit dem Staatsfonds Qatar Sports Investment (QSI). Bis 2016 verdient der Fußballverein mit der neuen Trikotwerbung ungefähr 170 Millionen Euro, die bis dato höchste Vertragssumme dieser Art. Der erste kommerzielle Trikotwerbedeal von Barça wurde stark kritisiert - gerechtfertigt wurde er damit, dass weiterhin für eine gemeinnützige Organisation, die Qatar Foundation, geworben werde. Inzwischen wirbt der FC Barcelona für die qatarische Fluglinie.

          Ein Wüstenstaat, der Netze knüpft

          Zur Qatar Foundation, die sich für Bildung und Forschung einsetzt, gehört auch die Organisation Rota, Mitveranstalter der Spenden-Auktion bei Sotheby’s. Gegründet wurde sie 1995 von Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani, zu der Zeit Staatsoberhaupt des Emirats. Seine Tochter Al-Mayassa förderte maßgeblich eine riesige Ausstellung von Takashi Murakami in Qatar vor drei Jahren. Verstärkt seit der Vergabe der Fußball-WM 2022 an den Golfstaat, steht Qatar wegen fortwährender Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Besonders schwer wiegt die Ausbeutung von Gastarbeitern, die auch die Fußballtempel und die erforderliche Infrastruktur für die Weltmeisterschaft errichten. Die meisten Gastarbeiter kommen aus Südostasien. Aus Bangladesch, Indonesien und Nepal.

          Neben Messi wird auch der spanische Fußballstar Gerard Piqué, ebenfalls Spieler vom FC Barcelona, künstlerisch mit einer altbekannten Würdeformel umgesetzt: Eine Fotomontage vom italienischen Künstler Francesco Vezzoli zeigt Piqué als Büste des Apollo von Belvedere, einer antiken, idealen Männerfigur. Wie den Arbeiten von Vezzolis „Museum of Crying Women“ rinnen dem ikonischen Antlitz glitzernde Tränen aus den Augen. Im Jahr 2013 waren mehrere Werke dieser Art in einer Einzelschau Vezzolis in der QMA Gallery im qatarischen Doha zu sehen. Auch Damien Hirst, der ebenfalls ein Werk mit Messi für die Auktion gespendet hat, stellte dort aus. Seine große Londoner Retrospektive im Jahr 2012 wurde vom Emirat gesponsert. Erklärt werden muss wohl nicht, dass auch der amerikanische Künstler Richard Serra ein Werk in die Auktion gibt. Im letzten Jahr waren elf Arbeiten von ihm in Doha zu sehen.

          Alle beteiligten Parteien scheinen sich von der Auktion einen hohen Synergieeffekt zu erhoffen. Sich direkt in Südostasien oder für die Rechte der Gastarbeiter in Qatar, die vornehmlich aus dieser Region stammen, einzusetzen ist wohl zu einfach. Charity ist bekanntlich eine Form des Netzwerkens - zu beobachten bleibt, welche neuen Bande durch die Auktion geknüpft werden.

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