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„Bella Principessa“ : Wie echt ist diese Prinzessin?

  • -Aktualisiert am

Martin Kemp hat neue Indizien gefunden, die für die Hand Leonardo da Vincis sprechen. Trotzdem sind damit noch nicht alle Zweifel an der Echtheit aus dem Weg geräumt.

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          Es vergeht keine Woche, ohne dass Martin Kemp ein vermeintliches Werk Leonardos da Vinci zur Begutachtung geschickt wird. Früher geschah das in Abständen von sechs Monaten, dann alle drei Monate, berichtet der emeritierte Oxforder Professor der Kunstgeschichte, der als einer der führenden Leonardo-Kenner gilt. Kemp führt die dramatische Verdichtung auf Dan Browns Bestseller „Sakrileg“ zurück, der Verschwörungtheoretiker ermutige, obskure Symbole und rätselhafte Zeichen in unschuldigen Gemälden zu sehen. Meistens handle es sich um „Sub-Coreggios mit der liegenden Magdalena“, bemerkt Kemp mit der Resignation des Routiniers. Die digitale Abbildung des auf Velinpapier gezeichneten Profilporträts eines Renaissance-Mädchens an der Schwelle des Erwachsenwerdens, die er im März 2008 erhielt, bildet eine Ausnahme. Mit ihr begann sein Bestreben, den Nachweis zu finden für die Zuschreibung des eindeutig von einem Linkshänder gemalten Werks an Leonardo.

          Ausschlussverfahren zur Identifizierung

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Die Geschichte des 1998 bei Christie's in New York für 19.000 Dollar als „Deutsch, frühes 19. Jahrhundert“ zugeschlagene und Jahre später an den Händler Paul Silverman weiterverkaufte Zeichnung hat jetzt eine neue Wende genommen. Kemp ist überzeugt, einen weiteren Mosaikstein in der Rekonstruktion der Herkunft des Porträts gefunden zu haben und so den zwingenden Beweis für die, von einigen wichtigen Experten mit tiefer Skepsis beurteilte Autorenschaft liefern zu können.

          Kemp hat seine bisherigen Befunde und die sie untermauernden technischen Untersuchungen von Pascal Cotte, dem Entwickler der hochauflösenden Multispektralkamera, in dem edlen Band, „La Bella Principessa“ publiziert. Darin werden nicht nur die kunsthistorischen und wissenschaftlichen Argumente für die Zuschreibung dargelegt. Durch ein „Ausschlussverfahren“ identifiziert Kemp die Porträtierte als die dreizehn- oder vierzehnjährige Bianca Sforza, die uneheliche Tochter von Ludovico, genannt Il Moro, Herrscher von Mailand und Förderer Leonardos.

          Das daher mit dem Titel „La Bella Principessa“ versehene Porträt sei 1496 anlässlich ihrer Hochzeit mit Galeazzo Sanseverino entstanden, dem Befehlshaber der herzöglichen Truppen, zu dem Leonardo ebenfalls Beziehungen unterhielt. Als weiterer Beweis wurde ein Fingerabdruck am oberen linken Rand angeführt, der vergleichbar sei mit einem Abdruck auf Leonardos unvollendetem „Heiligen Hieronymus“ im Vatikan. Drei Nahtstellen am linken Rand ließen Kemp darauf schließen, dass das Blatt einem Pergamentbuch entnommen worden sei.

          Eine Seite fehlt dem Warschauer Band

          Seit der Veröffentlichung des Buchs brachte ein Hinweis von David Wright, dem amerikanischen Spezialisten für illuminierte Handschriften, Kemp auf die Spur der sogenannten „Sforziada“: ein panegyrisches Werk zur Legitimierung der Sforza-Dynastie, von dem vier Luxusausgaben in der letzten Dekade des 15. Jahrhunderts für festliche Anlässe im Mailänder Herrscherhaus auf Pergament gedruckt wurden. Einer dieser Bände, der über den französischen König Franz I. und Sigismund I. von Polen in den Besitz der Zamoyski-Familie gelangte, befindet sich jetzt in der Warschauer Nationalbibliothek. Bei der Untersuchung dieses Exemplars will Kemp nicht nur festgestellt haben, dass die Nahtstellen und das Pergament der „Bella Principessa“ mit dieser „Sforziada“ übereinstimmen. Dem Warschauer Band fehle auch eine Seite. Sie sei wohl bei einer Neubindung entfernt und auf eine Eichentafel unbestimmten Datums montiert worden.

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