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Avedons „Dovima with Elephants“ : Eine Pose, die um die Welt ging

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Noch nie wurden mehr Aufnahmen von Richard Avedon in einer einzigen Auktion versteigert. Nicht nur der Pariser Rekordzuschlag für seine Ikone „Dovima with Elephants“ brachte der Nachlassverwaltung eine kräftige Kapitalerhöhung.

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          Ein Amerikaner in Paris, im August 1955. Richard Avedon macht im Auftrag von "Harper's Bazaar" Modeaufnahmen im unter Napoleon III. erbauten Winterzirkus. In der Sekunde, als er die Elefanten sah, habe er gewusst, dass es dort "das Potential für ein Traumbild" gebe, erzählt er später. Das Starmannequin Dovima, mit bürgerlichem Namen Dorothy Virginia Margret Juba, nahm zwischen zwei Dickhäutern die Pose einer federleicht hingehauchten Dompteurin ein.

          Nun hat "Dovima with Elephants, Evening Dress by Dior, Cirque d'Hiver, Paris, August 1955" bei Christie's in Paris mit dem Zuschlag bei 700.000 Euro das Potential für einen Auktionsweltrekord Avedons offenbart. Käufer des 1978 für eine Retrospektive im Metropolitan Museum hergestellten, auf Leinen aufgezogenen Silbergelatinabzugs im Format 216,8 mal 166,7 Zentimeter ist das Pariser Modehaus Christian Dior.

          Der einzigartige Abzug, der viele Jahre im Eingang von Avedons New Yorker Fotostudio hing, war auf 400.000 bis 600.000 Euro geschätzt und, mit weiteren 64 Abzügen, von der "Richard Avedon Foundation" eingeliefert worden. Die Stiftung, die im Jahr nach dem Tod des Fotografen im Oktober 2004 gegründet wurde, ließ mitteilen, dass Avedon selbst mit der Veräußerung einiger Fotos der Sammlung zwecks Kapitalerhöhung einverstanden gewesen sei.

          Gleichzeitig hat die Stiftung dem Centre Pompidou zwölf Abzüge von Richard Avedon geschenkt. Die Erwartungen von drei bis fünf Millionen Euro für das bislang größte Avedon-Konvolut auf dem Markt wurden mit einem Umsatz von 5,46 Millionen Euro voll erfüllt. Den zweithöchsten Preis erzielte mit 370.000 Euro (Taxe 250.000/ 350.000) ein nummerierter und signierter Dye-Transfer-Abzug des "The Beatles Portfolio, London, England, 8-11-67" (Auflage 6) aus dem Jahr 1990, samt zugehöriger Leinenschachtel; diesen Zuschlag erhielt ein europäischer Sammler.

          Drei auf Isorelplatten aufgezogene Abzüge bilden das Fresko von "Andy Warhol and Group, October 1969", das für 250.000 Euro (80.000/120.000) an einen amerikanischen Händler ging. Für einen Silbergelatinabzug von 1997 (Auflage 5) der ihr Schlauchkleid kühl und provokant lüftenden "Stephanie Seymour, Model, New York City, May 9, 1992" waren 220.000 Euro (120.000/180.000) anzulegen. Der Charme der ein wenig verloren dreinschauenden "Marilyn Monroe, Actress, New York City, May 1957", ein kleinformatiger Silbergelatinabzug vor 1960, brachte es auf 140.000 Euro (80.000/ 120.000).

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