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Autographen in Berlin : Wie können Sie Ihren alten guten Freund so lange seufzen lassen?

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Die Autographen-Auktionen bei Stargardt in Berlin gehören zu den bedeutensten der Welt. Dieses Mal glänzen dort Zeugnisse der Weimarer Klassik: Josef Haydn wendet sich in erglühender Liebe an seine Angebetete.

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          Das Antiquariat J.A. Stargardt bietet zweimal im Jahr auf einer Auktion das weltweit größte Angebot von Autographen an. Von den 1230 Autographen, die nun am 1. und 2. April im Berliner Opernpalais zum Aufruf kommen werden, gehören 356 Lose in die Abteilung Literatur, 335 fallen unter politische Geschichte, 220 unter Musik und 184 unter Wissenschaft sowie 114 unter bildende Kunst. Für die Autogrammjäger finden sich am ehesten Lose in der kleinsten Abteilung Theater und Film (25), darunter immerhin so teure Autographen wie das von Charlie Chaplin (Taxe 800 Euro) oder das von Heinz Rühmann (300). Lady Di, die man vielleicht eher in diesem Umfeld gesucht hätte, erscheint korrekt unter den Autographen aus Großbritannien, wo sie auch standesgemäß als Frances Mountbatten-Windsor, Prinzessin von Wales, geb. Lady Spencer bezeichnet wird (800).

          Am eindruckvollsten ist diesmal das Angebot an Goetheana, überhaupt an Weimarer Klassik. Offenbar hat ein wohlhabender Sammler seine Bestände aufgelöst. Von Goethe werden sowohl amtliche Schreiben als auch Briefe des liebevollen Familienvaters und Freundes angeboten. Das Glanzstück ist ein Konvolut von 33 Briefen an Ottilie von Pogwisch, die bald darauf seine Schwiegertochter werden sollte: Die vom Sekretär John geschriebenen Briefe sind häufig mit eigenhändigen Zusätzen versehen und berichten über Familienangelegenheiten, Hausgäste und dichterische Arbeiten, an denen Ottilie lebhaften Anteil zu nehmen scheint. Eine Zeitlang beschäftigten Goethe die Freiheitskämpfe der Griechen, er erwähnt neugriechische Volkslieder, deren französische Übersetzungen ihm zwar als „verdienstvoll“ erscheinen, wenn er auch „die schönsten und bedeutendsten“ selbst übersetzt habe. Das „höchst traurige Werk ,The last Days of Lord Byron‘“, der jung in Griechenland gestorben war, bringt ihm den verehrten Dichter in Erinnerung. Der Schätzpreis für das Konvolut ist mit 50.000 Euro vorsichtig angegeben. Wären die Briefe von Goethes eigener Hand, wäre ein weit höherer Preis selbstverständlich gewesen.

          Zeugnisse Christiane von Goethes

          Selten tauchen in Antiquariaten Briefe von Goethes Frau Christiane auf. Ihr orthographisch amüsantes Schreiben an den Bremer Arzt Nikolaus Heyer (6000) dankt für eine Weinsendung und erinnert an gemeinsame Tanzvergnügen - von den beiden Schauspielschülern, die jetzt in Weimar sind, „danzet einer ganz wie Sie nur noch mit mer leidenschaft“. Unter der Bezeichnung Goethekreis tauchen nicht nur Anna Amalia und Carl August, sondern auch Charlotte Kestner (geborene Buff: Werthers „Lotte“), Christiane Herzlieb (die Ottilie der „Wahlverwandtschaften“), Goethes letzte Liebe Ulrike von Levetzow und Frau von Stein auf, alle zu erschwinglichen Preisen. Auch andere Nachbarn in Weimar und Umgebung finden sich im Alphabet, wie Christoph Martin Wieland und J.G. Herder. Friedrich Schillers Fragment aus dem „Tell“ ist als Handschrift erst jetzt wiederaufgetaucht - in der Nationalausgabe heißt es „Verbleib unbekannt“: Angesichts der Seltenheit so umfangreicher Manuskripte ist die Taxe von 20.000 Euro nicht überraschend.

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