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Auktionswoche im Dorotheum : Sitzbank auf dem Mond

  • -Aktualisiert am

Aus Metall entwarf Shiro Kuramata eine Bank durch die man hindurchsehen, auf der man aber dennoch sitzen kann. Sie kommt bei der Auktionswoche im Wiener Dorotheum zum Aufruf - ein Blick auf das Angebot.

          In der zweiten Auktionswoche des Dorotheums am 12. und 13. Mai kommen Klassische Moderne, Gegenwartskunst, Design, Jugendstil und Angewandte Kunst zum Aufruf - also alles, was das Herz begehrt. Die Klassische Moderne kann mit einem Seerosenbild von Claude Monet auftrumpfen: Das 27 mal 52 Zentimeter große Bild entstand um 1917/18 als Teil von größeren „Nympheas“, die der Maler in mehrere Teile zerschnitt. Der Schätzwert dieser wie schwebend wirkenden Farbfelder liegt bei 370.000 bis 420.000 Euro. Das zweite Highlight bildet eine Landschaft, die der italienische Stillleben-Meister Giorgio Morandi 1935 gemalt hat.

          Das signierte Bild, das weiche Formen in zarter Farbigkeit wiedergibt, wird auf 350.000 bis 450.000 Euro geschätzt. Auf den Spuren Canalettos wandelte Giorgio de Chirico mit seiner Venedig-Vedute von 1956 (Taxe 120.000/180.000 Euro). Ben Nicholsons 1930 auf Holz gemalte „Composition with Head and Reindeer“ kann als eine Vorwegnahme seiner späteren „painted reliefs“ betrachtet werden (80.000/ 150.000). Aus der österreichischen Moderne stammt Kokoschkas Entwurf einer Postkarte „Mutter mit drei Kindern“ von 1907 (50.000/70.000). Typisch heimische Motive liefern Albin Egger-Lienz mit „Ruhender Hirte“ (50.000/70.000) und Alfons Walde mit „Bergbauern“ (90.000/ 120.000).

          Paiks Hommage an Glenn Miller

          In der Auktion für zeitgenössische Kunst bilden die beiden arcimboldesken Skulpturenköpfe ein skurriles Paar, die Multimedia-Künstler Nam June Paik 1995 entworfen hat. Der Titel „String of Pearls“ ist als Hommage an Glenn Miller gewählt, wobei eine Posaune das Zentrum des Gesichts bildet. Augen und Mund bestehen auch beim „Jazz Infonaut“ aus kleinen Monitoren (je 60.000/ 80.000).

          Das Spitzenlos stellt dort das Gemälde „Pullover Oben“, von Baselitz 1997 gemalt, mit Zwillingsköpfen (200.000/240.000). Stattliche 90.000 bis 100.000 Euro soll Roy Lichtensteins signierte Serigrafie „Reverie“ bringen. Nach Erfolgen mit Günther Uecker in der Vergangenheit schmückt sein Nagelbild „Feldschlacht“ nun den Katalog (60.000/ 80.000).

          Ein Ensemble von Josef Hoffmann

          Ein Schritt in Richtung eines modernen Einrichtungsdesigns bedeutete Josef Hoffmanns Ensemble eines Speisezimmers. Eine frühe Ausführung für die Wohnung von Gustav Pollack wird in der Sparte Design angeboten. Zu dem von Portois & Fix ausgeführten Entwurf zählen zwei kleine Schränke, zwei Vitrinen und eine Garderobe. Die Taxe liegt bei 250.000 bis 300.000 Euro. Im dicken Katalog findet sich auch eine Sitzbank von Shiro Kuramata aus dem Jahr 1986: „A How High the Moon bench“ aus vernickeltem Metallgitter ist auf 50.000 bis 60.000 Euro geschätzt.

          Verschlungenen Fäden huldigt Tom Dixon mit seiner Unikat-Liege „Wingback“ aus dem Jahr 2006 für geschätzte 28.000 bis 35.000 Euro. In einem Mailänder Club stand einst die exzentrische Sitzlandschaft „Bazaar“, die das Architektenkollektiv Superstudio 1968 entwarf. Als wäre das Äußere einer Schlange nach innen gekehrt, zeigt sich die muschelförmige Reptil-Polsterung auf einem blauen Sockel (20.000/30.000). Zu den angebotenen Klassikern zählen Rietvelds Steltman-Stuhl (15.000/20.000) ebenso wie Ron Arads teilverchromter „Victoria and Albert Chair“ (45.000/55.000).

          Eine seltene Distel-Lampe von Maurice Bouval (22.000/30.000) und eine „Lily-Lampe von Tiffany (18.000/24.000) stechen beim Jugendstil hervor. Unter den Silberobjekten überzeugen eine Berliner Prunkterrine von 1830 (18.000/24.000) und ein Paar vierflammiger Kandelaber aus Sankt Petersburg von 1856 (30.000/ 35.000).

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