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Auktionsrekord : Die Madonna arbeitet

  • -Aktualisiert am

Von 800.000 auf 7,9 Millionen Pfund: Ein Gemälde des Russen Nicholas Roerich hat bei Bonhams gleich zwei Rekorde gebrochen.

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          Die Mauern rund um das Paradies sind hoch, ein tiefer Abgrund umgibt sie. In der blauen Nacht lauern Dämonen. Den Weg aus der Gefahr weist die Madonna: An ihrem Schal klettern die Seelen hinauf in den Garten Eden. Eine apokryphe Erzählung inspirierte den russischen Maler und Schriftsteller Nicholas Roerich im Jahr 1931 zu „Madonna laboris“, einem 84 mal 124 Zentimeter großen Tempera-Gemälde auf Leinwand.

          Mit diesem Bild gelang dem Auktionshaus Bonhams in London ein Rekordergebnis: Der Hammer fiel erst bei sieben Millionen Pfund; das Aufgeld eingeschlossen, bezahlte der anonym gebliebene Telefonbieter 7,9 Millionen Pfund für das Werk des 1947 in Indien gestorbenen Künstlers. Damit ist die „Madonna laboris“ das teuerste Gemälde, das je in einer Auktion mit russischer Kunst versteigert wurde. Ursprünglich war die „Madonna laboris“ auf 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund taxiert. Der Schätzpreis wurde aber vor der Auktion mehrfach nach oben korrigiert und erreichte schließlich noch kurz vor der Versteigerung 2,5 bis 3,5 Millionen Pfund.

          Vom indischen Kullu-Tal nach New York

          Der Preis von 7,9 Millionen Pfund bedeutet auch einen neuen Künstlerrekord für Nicholas Roerich - sein bisher höchstes Ergebnis in einer Versteigerung lag mit Aufgeld bei 1,76 Millionen Pfund, erzielt im Jahr 2007 für das Gemälde „Himself Came“ bei einer Londoner Sotheby’s-Auktion mit russischer Kunst.

          Interessant ist die Provenienz des Gemäldes. Von ihrem Entstehungsort, dem indischen Kullu-Tal, wo Roerich von 1928 an lebte, gelangte die „Madonna laboris“ 1931 nach New York ans Master Institute of United Arts, eine Kunsthochschule, die der Maler 1921 gegründet hatte. In Folge der Weltwirtschaftskrise musste das Institut, an dem Bildende Künste, aber auch Journalismus und Ballett unterrichtet wurden, 1937 schließen.

          Alle Gemälde, die zum Besitz des Instituts gehörten, fielen an Louis Horch, einen Schüler des „Agni Yoga“: Nicholas Roerich und seine Frau Helena hatten diese theosophisch inspirierte Lehre in den zwanziger Jahren begründet. Laut Auktionshaus Bonhams ist die „Madonna laboris“ von Louis Horch an einen nicht genannten Privatsammler verkauft worden. Danach verliert sich jedoch bereits die Spur - bis Mitarbeiter von Bonhams das Werk in einer amerikanischen Privatsammlung entdeckten.

          Insgesamt nahm Bonhams bei seiner Auktion mit russischer Kunst rund 12,4 Millionen Pfund ein.

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