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Auktionsmarkt Österreich : Die Italiener liefern nicht nur ein, sie kaufen auch gern

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Der österreichische Auktionsmarkt prosperiert. Dorotheum und Kinsky steigern ihre Umsätze mit Zeitgenossen und klassischer Moderne . Eine Bilanz

          Die österreichischen Auktionshäuser blicken hochzufrieden auf das Geschäftsjahr 2015 zurück. Das Dorotheum nennt zwar seit einigen Jahren keine Umsatzzahlen mehr - 2013 wurde das letzte Mal die Summe von 152 Millionen Euro publiziert -, dennoch tut Direktor Martin Böhm ein „wesentlich besseres Ergebnis als im Vorjahr“ kund. Durch die Filiale in London konnten viele neue Kunden aus dem angelsächsischen Raum gewonnen werden, und so blieb bei den Zeitgenossen kaum ein Toplos unverkauft. Neben den Juwelen kurbelte das Mehrspartenhaus auch seine klassischen Fahrzeuge an, weshalb ein Shelby Cobra Roadster von 1963 für eine Million Euro, allerdings inklusive Aufgeld, auf den hausinternen ersten Platz brauste. Mit einem Millionenzuschlag für ein Gemälde triumphiert hingegen die Konkurrenz im Kinsky: Der „Blumenstrauß in einer skulptierten Vase“ von Jan Brueghel d. J. wurde von 350 000 auf 2,1 Millionen Euro hinaufgejubelt. Nicht zuletzt dank dieses Spitzenzuschlags erzielte das Kinsky mit 26 Millionen Euro den höchsten Umsatz seit seinem Bestehen. Mitinhaber Michael Kovacek verzeichnet einen Anstieg bei den Privatverkäufen, die an die zehn Prozent des Jahresumsatzes ausmachen. Auch die Übernahme von Nachlässen, zuletzt Schmuck und Antiquitäten des bayrischen Hosenfabrikanten Hiltl, schlägt positiv zu Buche.

          Im Dorotheum erwies sich die gut bestückte Zeitgenossen-Auktion im Herbst als ein Spartenrekord. Die Einlieferungen über die italienischen und deutschen Repräsentanzen gaben abermals den Ausschlag. Den zweiten und vierten Platz unter den Toplosen belegen Werke der Mailänder Nachkriegsavantgarde; eine blitzblaue „Superficie“ Enrico Castellanis von 1960 wurde auf stolze 800 000 Euro (Taxe 450 000/650 000) gehoben. Dieser Preis bestätigt einmal mehr die Strategie des Dorotheums, italienischen Einbringern starkes Bieterinteresse und dadurch hohe Zuschläge für Werke des mittleren und oberen Segments zu bieten. Das ging auch für Lucio Fontanas Terrakotta-Plastik „Busto di donna“ auf, eine goldfarben bemalte Büste von 1949, die erst für 450 000 Euro (160 000/220 000) wegging. Auch die strukturierte „Bianco“-Leinwand von Agostino Bonalumi spielte 350 000 Euro (100 000/150 000) ein. Zwar wandert, so Martin Böhm, der Großteil der italienischen Kunst wieder in den Süden, aber 2015 mischten auch Amerikaner mit, „die österreichischen Bieter sind auf zwanzig Prozent geschrumpft“.

          Österreicher unter den Spitzenlosen

          Bei den Italienern punktet das Dorotheum nicht nur mit bekannten Namen: So erzielte die zwei Meter hohe Stahlskulptur „Ellisse“ von Mauro Staccioli einen Auktionsrekord bei 165 000 Euro (30 000/40 000), und eine Betonskulptur von Giuseppe Uncini von 1961 spielte 205 000 Euro (140 000/200 000) ein. Von Fausto Melotti, dessen Nachlass die Galerie Hauser & Wirth im Frühling übernahm, wechselte die Stahlskulptur „Linee“ für 300 000 Euro (150 000/200 000) den Besitzer. Zu den teuersten Werken bei den Zeitgenossen zählten ein 1990 entstandenes „Abstraktes Bild“ aus der Serie der grauen Gemälde von Gerhard Richter, das seine untere Taxe von 400 000 Euro erzielte, und Ilja Kabakows großformatiges Konzeptgemälde „Landschaft mit Pionierlager 1973“ für ebenfalls 400 000 Euro (450 000/600 000). Ein Auktionsrekord gelang auch für die vierteilige Eitempera-Malerei „Welt des Wachstums“ von Max Weiler, für die 320 000 Euro (160 000/240 000) bewilligt wurden.

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