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Auktionsmarkt : Es muss nicht immer Kunst sein

Es ist Halbzeit im Auktionsmarkt: Hier einige charmante Rekorde aus nur scheinbar exotischen Gebieten, die - ganz nebenbei - ganz schön Umsatz machen.

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          Selbst der Kunstmarkt macht Sommerpause und zieht Bilanz übers erste Halbjahr. Mit gigantischen Umsätzen können die Auktionskonzerne aufwarten – Christie’s nennt 3,2 Milliarden, Sotheby’s sogar 3,4 Milliarden Dollar und damit die beste Frühjahrssaison der Firma in rund 250 Jahren. Dabei gab es gar keine herausragenden Einzelwerke: Das Spitzenlos ist eines der allseits beliebten, weil unkomplizierten Bilder, die Picasso von seiner Freundin Marie-Thérèse Walter malte; es kam gerade mal auf umgerechnet 40,7 Millionen Dollar inklusive Aufgeld (im Folgenden gelten die Bruttopreise in Dollar). Die üblichen Verdächtigen blieben unter sich, allerdings in dieser Halbsaison ohne noch lebende Zeitgenossen: zweimal Picasso, natürlich ein Warhol und ein Bacon, dazu ein Egon Schiele.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Eher neu ist schon, dass sich dann unter die Top Ten bei Sotheby’s gleich zwei chinesische „Famille Rose“-Vasen mischen, zu westlichem Geschmack horrend erscheinenden Summen. Die eine kostete, im April in Hongkong, umgerechnet gut 25,7 Millionen Dollar; die andere wurde in New York für achtzehn Millionen Dollar zugeschlagen. Außerdem rangiert ein, ebenfalls in Hongkong vermitteltes, Gemälde von Zhang Daqian (1899 bis 1983) mit „Lotus und Mandarinenten“ auf Rang sechs, für sagenhafte knapp 24,6 Millionen Dollar.

          Rekord in China

          Bei genauem Hinsehen freilich läuft der vertraute europäisch-amerikanische Auktionsmarkt samt Hongkong damit hinter dem chinesischen Festland her. Denn in Peking wurden im Mai enorme 65,5 Millionen Dollar für einen „Adler, auf einer Kiefer stehend“ bezahlt, den Qi Baishi im Jahr 1946 zierlich pinselte: Vermutlich ein Landsmann Qis bewilligte damit den Höchstpreis bisher in diesem Jahr.

          Wir haben uns aber einmal nach ein paar anderen Spezialitäten umgeschaut, die sonst vor allem ihren jeweiligen Liebhabern und Kennern auffallen. Die eingerissene Angewohnheit, aus allen Objekten, die das irgendwie hergeben, einen „Rekord“ zu konstruieren, ist manchmal schon sehr witzig. Da klingt es noch vergleichsweise ernsthaft, wenn ein anonymer Klient am 7. Juli in London den „Givenchy-Königlich-Hannoverschen Kronleuchter“ mit rund 9,2 Millionen Dollar zur höchstbezahlten deutschen Silber-Arbeit jemals macht. Den Lüster kann sich Christie’s zwar erst für die Abrechnung im zweiten Halbjahr ans Revers hängen, aber solche Ergebnisse demonstrieren den aktuell herrschenden Kaufdurst der Superreichen aus allen Teilen der Welt, die ausschließlich Jagd auf exzeptionelle Objekte machen. Lustiger ist, ganz in diesem Sinne, natürlich der „World Record Price for Any Rolex Wristwatch“, der nun bei mehr als einer Million Dollar liegt. Leider ist es keine dieser tollen Bling-Bling-Uhren, sondern bloß ein rarer Chronograph mit Stil.

          Diamanten, Smaragde und Silber

          Tatsächlich sind solche Segmente wie seltenes Silber nicht zu unterschätzen – noch weniger das Geschäft mit den Uhren –, schon gar nicht, was ihre Bedeutung für die marktbeherrschenden Auktionsfirmen angeht. Daneben blüht, wie nie zuvor, der Handel mit Schmuck und Edelsteinen; auch dort werden immense Umsätze gemacht, am liebsten in der schönen Schweiz. Der hübscheste „Weltrekord“ in Genf ist der für einen „herzförmig geschliffenen Diamanten“: Das lupenreine Glitzerding war einem, selbstredend ungenannten, Bieter die Investition von knapp elf Millionen Dollar wert. Das ist doch verständlich, in diesen Zeiten, oder?

          Einen anderen Aficionado versteht mancher vielleicht weniger: Der gönnte sich für rund 124.000 Dollar einen alten Burgunger, übrigens auch in Genf. Aber das macht diesen Unbekannten (von dem wir hoffen, dass er nicht gerade zu einer widerwärtigen Nomenklatura gehört) schon wieder sympathisch: Verschwendung pur, der Geist der Wahrheit unterm Korken. Apropos guter Geist: Wir haben noch – neben einer eher drögen „Rekord-Tiara“ (wer braucht denn so etwas?) – die umwerfende power figure der Songye in den Annalen gefunden und das Lederhemd eines Sioux-Chiefs. Endlich ist da die zauberhafte Leica, mit der sich das alles fotografieren ließe – ein weiches „klick“, kaum hörbar. Und nicht schädlich für dieses Dokument, in dem der Urtext des Fußballspiels geschrieben steht.

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