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Auktionsergebnisse Paris : Der Frühling in Paris tut dem Geschäft gut

  • -Aktualisiert am

Bei den großen Pariser Auktionshäusern stand der Juni im Zeichen der modernen Kunst: Es gibt solide und manchmal überraschende Ergebnisse, besonders für zeitgenössische Werke.

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          Auch im Wettbewerb der Auktionshäuser mag gelten, dass man zusammen stärker ist als alleine - jedenfalls indem vereinbarte thematische Schwerpunkte gesetzt werden, die es der Kundschaft ermöglichen, konzentriert an einem Ort und innerhalb weniger Tage ein hervorragendes Angebot auszuloten.

          Vom Impressionismus bis zur Gegenwart gab es Anfang Juni ein Auktionsprogramm in Paris, das die Herzen der Sammler höher schlagen ließ. Dann hört das Zusammenspiel schon auf, denn jedes Haus möchte mit seinem Katalog samt erzielten Ergebnissen das stärkste sein. Diesmal gewann Sotheby’s mit einer packenden Werkauswahl und einem Rekordumsatz vor Christie’s, Artcurial hält den dritten Platz.

          Rekorde bei Sotheby's

          Am stärksten vertreten und am höchsten bewertet waren wieder die Zeitgenossen. Sotheby’s erwirtschaftete an seinen beiden Terminen für Gegenwartskunst 26,3 Millionen Euro. Dort stand mit einer Erwartung von fünf bis sieben Millionen Euro „Crown Hotel (Mona Lisa Black Background)“ von Jean-Michel Basquiat am höchsten im Kurs. Der Hammer fiel gemäß der unteren Taxe bei fünf Millionen Euro - immerhin aber der höchste Preis, der je in Frankreich für ein Werk Basquiats erzielt wurde.

          Die Gemälde von Zao Wou-Ki sind poetische Verdichtungen und gleichen gemalter Spiritualität. Sie lassen das Gefühl aufkommen, dass Abstraktion auf eine figurative Weise lebendig und auch beseelt sein kann. Gibt es dafür überhaupt einen Preis? Zumindest ist er schwer zu ermessen, zumal der chinesisch-französische Maler im hohen Alter von 93 Jahren gerade erst im April gestorben ist. Das große Ölbild „14. 7. 71“ war auf 700.000 bis eine Million Euro geschätzt; der Zuschlag erfolgte erst bei 1,8 Millionen Euro. Ein wesentlich kleineres Gemälde von Zao Wou-Ki, das als Titel wieder nichts als ein Datum trägt, nämlich „20. 1. 73“ (Taxe 450.000/650.000 Euro), blieb im mittleren Bereich seiner Schätzung und ging für 550.000 Euro an denselben asiatischen Privatsammler, der auch „14. 7. 71“ ersteigert hatte.

          Aus der Sammlung Alex und Elisabeth Lewyt, mit deren Verkauf Sotheby’s schon bei den Frühjahrsauktionen in New York beauftragt war, stammten in Paris zwei Werke von Nicolas de Staël: Das üppige, sehr physische Gemälde „Blumen auf einem lachsfarbenen Tisch“, für das de Staël die Farbe wie ein Material bearbeitet hat, ging für 1,2 Millionen Euro gemäß seines oberen Schätzwerts in eine internationale Privatsammlung, während „Marseille“ aus kaum ersichtlichen Gründen mit 900.000 Euro unterhalb der Erwartungen von 1,2 bis 1,8 Millionen allzu schnell abgegeben wurde.

          Vier Millionen für de Staël bei Artcurial

          Das schönste Bild von Nicolas de Staël hatte jedoch Artcurial schon kurz zuvor in seinem Angebot mit Gegenwartskunst. Der großformatige „Stehende Akt“ aus dem Jahr 1953 ist eine doppelte Liebeserklärung: an die Malerei, aber auch an diese mysteriöse Frau, die tatsächlich durch die virtuose, wie stets pastose Pinselführung wie vom coup de foudre, vom Liebesblitz, getroffen scheint. Doch hat wohl Eros’ Pfeil eher den Maler erreicht; denn 1953 lernte de Staël die als Akt dargestellte Jeanne Mathieu kennen und verliebte sich allzu tief in sie.

          Erstaunlich ist, dass dieses Meisterwerk aus der Zürcher Sammlung Nathan doch mit vier Millionen Euro bei seiner unteren Schätzung verblieben ist (bis 5 Millionen Euro). Es ist eines der wenigen Aktbilder des Malers - um die zwanzig sind es nur -, die alle in der Provence zwischen 1953 und seinem zu frühen Tod durch Selbstmord im Jahr 1955 entstanden sind. Artcurial konnte insgesamt bei zwei Zeitgenossenterminen einen Umsatz von 13,24 Millionen Euro verbuchen, der den Erwartungen entsprach.

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