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Auktionsergebnisse London : Echte Sammler werden nicht müde

  • -Aktualisiert am

In London bringen die Auktionen mit Moderne und Impressionismus und mit Gegenwartskunst sehr gute Resultate. Als gesetzt gelten weiterhin Francis Bacon und Jean-Michel Basquiat, auch Peter Doig.

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          Trotz des Saisonendes und einsetzender Sammlermüdigkeit nach den Auktionen in New York, den Messen in Hongkong und Basel und der Biennale in Venedig können die Londoner Auktionen mit moderner und dann zeitgenössischer Kunst überzeugende Ergebnisse vorweisen. Dass bei der Christie’s-Abendveranstaltung mit Gegenwartskunst etwa ein Drittel aller Gebote aus Asien kam, erklärt der Auktionator Jussi Pylkkänen auch damit, dass Sammler wegen Venedig nach Europa gereist seien; von Italien ist es nur eine kurzer Weg nach London. Die sich anbahnende Kreditkrise und der gerade besonders unsichere Aktienmarkt in China mögen ebenfalls zu starkem Bieterinteresse aus Asien beigetragen haben.

          Spitzenwerke in Millionenhöhe blieben auch bei Impressionismus und Moderne gefragt. Die Qualität der am Rostrum von Henry Wyndham vorbeiziehenden Kunstparade und die schiere Dauer des evening sale machte deutlich: Sotheby’s hatte sich das größere und attraktivere Angebot gesichert. Der Umsatz betrug - nach zwei Stunden und 58 verkauften Losen von 71 - 105,94 Millionen Pfund, knapp über den Erwartungen von 74,5 bis 104,9 Millionen. Dagegen erzielte Christie’s innerhalb von einer Stunde mit 37 von 44 angebotenen Losen 64,08 Millionen Pfund, doch es gab dabei auch Höhepunkte: Eugène Boudins frühe „Scène de plage“ von 1864, in grauweißen Tönen und mit Frauen in Krinolinen-Kleidern, ging zum Rekords von 1,05 Millionen Pfund (Taxe 500.000/700.000) an den Londoner Händler Ivor Braka. Selten sind Gemälde des Bildhauers Constantin Brancusi - und Rarität wird belohnt: Die Gouache „Étude de Mlle Pogany“ erzielte im Wettstreit von wenigstens vier Bietern mit 1,3 Millionen Pfund (200.000/300.000) einen Auktionsrekord für eine Gemälde des Künstlers, das die Studie zu einer berühmten Plastik ist.

          Das Spitzenlos bei Christie’s, Kandinskys „Studie zu Improvisation 3“ auf Karton im von ihm selbst bemalten Rahmen, eingeliefert von der Händlerfamilie Nahmad, war mit einer Garantie und unwiderruflichem Gebot versehen: Das Werk wurde nach zwei Geboten, das erste wohl vom Garantor, zur unteren Taxe von zwölf Millionen Pfund (bis 16 Millionen) im Saal an Beda Jedlicka von J&P Fine Art in Zürich vermittelt. Die Nahmads hatten es erst im November 2008, als die Finanzmärkte einbrachen, für 16,88 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) bei Christie’s in New York gekauft.

          Mehr Eifer konnte Modiglianis Porträt seines ersten Händlers in Paris „Paul Guillaume“ entfachen. Es ging für sechs Millionen Pfund (5/7 Millionen) weg und war zuletzt im November 2006 bei Sotheby’s in New York für 4,83 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) verkauft worden. Aggressiv taxierte „Herbstblumen“ von Nolde (1/1,5 Millionen) und ambitionierte „Wettertannen“ auf Papier von Kirchner (500.000/700.000) blieben unverkauft. Schmerzhaft für Christie’s ist der Rückgang des mit einer Garantie versehenen Ölgemäldes „La tige de la fleur rouge pousse vers la lune“ von Mirò (5,2/7 Millionen). Picassos grau-blaue „Femme assise dans un fauteuil“ fand Anklang zum Hammerpreis von 5,4 Millionen Pfund (4/6 Millionen). Skulpturen verkaufen sich weiterhin gut: Gleich zum Auftakt stieg eine weiße Marmorplastik von Rodin, „Eve après le péché“ - eine von etwa 25 Variationen - auf 2,5 Millionen Pfund (500.000/700.000).

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