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Auktionen in London : Millionen? Aber garantiert!

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Ein Blick auf die Londoner Auktionen mit Impressionismus und Moderne zeigt: Kunst aus angesehenen Sammlungen verspricht gute Erlöse. Denn sie ist marktfrisch.

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          Monet, Kandinsky, Mondrian: Die Spitzenlose der Abendauktionen bei Christie’s und Sotheby’s mit Impressionismus und Moderne sind Trophäen als Wandschmuck und echte brands für das Investment-Portfolio. So wie die Londoner Immobilienpreise sollen auch die Auktionspreise hier weiter zulegen. Blue-Chip-Namen bleiben als Anlageobjekte von wohlhabenden Käufern gefragt, die derzeit ungern große Bargeldsummen herumliegen lassen.

          Philip Hook, Seniorspezialist für Impressionismus und Moderne bei Sotheby’s, hebt besonders hervor, dass die nun schon seit Jahren extrem niedrigen Zinsen für Bargeld neue Käufer in den Kunstmarkt umlenken, wo höhere Gewinne erhofft werden. Gleichzeitig bestätigt er, dass dies auch der Grund für die Knappheit beim Nachschub mit Spitzenwerken ist. Wer solche Schätze hat, behält sie. Die Ausnahmen sind Sammlungen, die zum Aufruf kommen, weil ihre Besitzer gestorben sind. Sie sind wegen ihrer Marktfrische besonders attraktiv - wie die des Hightech-Unternehmers Branco Weiss oder weitere Stücke aus der Kollektion von Stanley J.Seeger, die Sotheby’s anbietet. Christie’s zieht mit der Sammlung von Jean and Simone Tiroche nach.

          Sammler, die jetzt trotzdem verkaufen, hoffen auf hohe Gewinne, so offenbar auch die Händlerfamilie Nahmad, die dafür bekannt ist, Schnäppchen auf Auktionen zu machen, wenn die Preise sinken, und zu verkaufen, wenn die Preise steigen. Der Klan soll mittlerweile Kunst im Wert von etwa fünf Milliarden in den Galerien in London und New York und in einem Lager in Genf angesammelt haben. Sowohl das Spitzenlos bei Christie’s als auch bei Sotheby’s wurde von den Nahmads eingeliefert; beide waren in der Ausstellung der „Nahmad-Collection“ 2011 im Kunsthaus Zürich zu sehen. Dass die Nahmads auf einen Schlag zwei hochpreisige Werke in cash umwandeln, mag auch damit zu tun haben, dass der Galerist Helly Nahmad gerade in New York wegen illegalen Glücksspiels und Geldwäsche unter Anklage steht  - die besten Anwälte sind teuer. Seine Kaution soll bei zehn Millionen Dollar liegen, und bis zum Gerichtstermin im Juni 2014 darf er Manhattan nicht verlassen. Beide Nahmad-Lose sind mit einer Garantie und einem unwiderruflichen Gebot seitens eines interessierten Käufers abgesichert. Damit steht jetzt schon fest, dass die beiden einzigen Spitzenwerke oberhalb der Zehn-Millionen-Pfund-Grenze nicht unverkauft bleiben werden.

          Den Auftakt macht Christie’s am 18.Juni mit 44 Losen, die 52,8 bis 75,8 Millionen Pfund einspielen sollen. Wassily Kandinskys expressionistische „Studie zu Improvisation 3“ mit einem Reiter auf einem Pferd (Taxe 12/16 Millionen Pfund) führt die Auktion an. Das Werk von 1910 ist nicht besonders marktfrisch und vorsichtig taxiert; Christie’s hatte es erst im November 2008 für 16,9Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) in New York an die Nahmad-Familie verkauft. So berichtet die englische Zeitung „The Telegraph“, im Katalog wird der Einlieferer nicht namentlich genannt. Die letzte Version der Kandinsky-Studie befindet sich im Centre Pompidou in Paris. Allerdings könnte die Erwartung doch höher sein als die Taxe; denn erst im November 2012 verkaufte Christie’s eine „Studie für Improvisation 8“ aus demselben Jahr zum Kandinsky-Rekordpreis von gut 23 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld).

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