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Auktionen in London : Ein Bild wie aus einem Traum

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Was kommt nach den New Yorker Auktionsrekorden? In London setzen Christie’s, Sotheby’s und Phillips auf die Marktlieblinge unter den Zeitgenossen: Bacon, Basquiat und Richter.

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          Der Juni ist ein anstrengender Monat für Anhänger zeitgenössischer Kunst. In Venedig hat die Kunstbiennale eröffnet, die Art Basel lockte in die Schweiz. Jetzt geht es weiter nach Norden: London ist an der Reihe. Kaum sind die Auktionen mit Impressionismus und Moderne vorüber, folgt die Kunst nach 1945. Christie’s versteigert am 25. Juni in der Abendveranstaltung 64 Werke, Sotheby’s folgt am 26. Juni mit 69 Losen, und Phillips tritt mit 27 Losen am 27. Juni an. Die New Yorker Mai-Auktionen mit Gegenwartskunst hatten besonders Christie’s spektakuläre Erfolge eingebracht. Wie geht es jetzt in London weiter?

          Unter den Spitzenlosen finden sich die bewährten Leistungsträger: Francis Bacon, Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat, Gerhard Richter. Auch wenn die Namen die selben sind wie in New York - absolute Spitzenwerke wie Richters „Domplatz, Mailand“, den Sotheby’s im Mai in New York für 33 Millionen Dollar zuschlug, sind in London nicht dabei. Taxen im achtstelligen Bereich, in New York keine Seltenheit, weisen dort nur zwei Lose auf: Bacons „Three Studies of Isabel Rawsthorne“ von 1966, die Sotheby’s auf zehn bis fünfzehn Millionen Pfund schätzt, und ein unbetiteltes Gemälde von Basquiat, für das Christie’s auf Anfrage einen Preis im Bereich von fünfzehn Millionen Pfund angibt. Diese Erwartung wirkt vorsichtig angesichts der etwa gleich großen „Dustheads“ von Basquiat, die Christie’s gerade in New York 43,5 Millionen Dollar einbrachten. Wie die „Dustheads“ entstand das farbenfrohe „Untitled“ 1982 und zeigt zwei abstrahierte, expressive Figuren.

          Auch bei Phillips kommt das teuerste Los von Basquiat: Seine „Three Pontificators“ auf gelbem Grund nehmen Bezug auf Bacons berühmte „Study after Velázquez’s Portrait of Pope InnocentX“. Für das quadratische Gemälde aus dem Jahr 1984 werden 2,5 bis 4,5 Millionen Pfund erwartet. Wem das zu viel ist, der kann auf eine 1982 entstandene Papierarbeit ohne Titel zurückgreifen; für 250000 bis 350.000 Pfund ist ein blaues Gesicht abrufbar, das dem Betrachter entgegenlacht. Sotheby’s hat den 1988 gestorbenen Marktliebling Basquiat ebenfalls im Programm: Die Schätzungen für „Hoax“ und „Quij“, zwei mit Acrylfarbe übermalte Collagen aus der Mitte der achtziger Jahre, liegen zwischen 1,7 und 3,5 Millionen Pfund.

          Der große Star bei Sotheby’s ist wie schon oft in den vergangenen Jahren Francis Bacon. Neben den erwähnten Kopfstudien seiner Muse und Geliebten Isabel Rawsthorne (die übrigens ähnliche Beziehungen zu André Derain, Alberto Giacometti und Picasso pflegte) bietet das Auktionshaus für fünf bis sieben Millionen Pfund Bacons Ölgemälde „HeadIII“. Das in Grau gehaltene Bild von 1949 stammt aus der berühmten sechsteiligen Köpfe-Serie. Es zeigt schemenhaft das Gesicht eines alten Mannes mit blauen Augen und Brille. „Head III“ war das erste Werk, das Bacon je verkaufte: Für 150 Pfund ging das 81 mal 66 Zentimeter große Bild im Jahr seiner Entstehung an den kalifornischen Sammler Wright S. Ludington.

          Was hat Sotheby’s noch zu bieten? Vier Lose oberhalb der Millionengrenze kommen von Lucio Fontana, darunter zwei Schnittbilder: „Concetto spaziale, Attese“ von 1965 für geschätzte 3,3 bis 4,5 Millionen Pfund und ein gleichnamiges Werk von 1967 für 900.000 bis 1,2 Millionen Pfund. Tom Wesselmann ist mit Nummer34 seiner „Great American Nudes“ vertreten (Taxe 3/4 Millionen Pfund). Zwei „Abstrakte Bilder“ von Gerhard Richter in der typischen Rakel-Technik sind auf 2,5 bis 3,5 Millionen und auf zwei bis drei Millionen Pfund geschätzt.

          Pierre Soulages lockt mit seiner schwarzblauen „Peinture, 21 Novembre 1959“ auf weißem Grund (2/3 Millionen). Und Andy Warhol vereint in der 1979 entstandenen „Multicolored Retrospective“ (2/3 Millionen) die „Campbell“-Suppendosen mit Leonardos Mona Lisa und Marilyn Monroe, David Hockney huldigt mit dem fast vier Meter breiten Panorama „Double East Yorkshire“ seiner Heimat (2/3 Millionen). Bemerkenswert ist ein Konvolut mit gleich fünf verschiedenen der großformatigen Börsen-Fotografien von Andreas Gursky; die Gesamtschätzung liegt bei mindestens 2,5 Millionen Pfund.

          Christie’s antwortet mit „Homage to Chillida“: Die Ausstellung zu Ehren des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida war 2006 im Guggenheim-Museum in Bilbao zu sehen. Die insgesamt 45 Skulpturen, Gemälde und Zeichnungen von Künstlern wie Ellsworth Kelly, Cy Twombly und Anish Kapoor kommen nun komplett in London zum Aufruf. Der Schätzpreis für das Spitzenlos der Partie, Chillidas eigene, acht Meter hohe Stahlskulptur „Buscando la Luz IV“ aus dem Jahr 2001, wird auf Anfrage mit rund drei Millionen Pfund beziffert.

          Vier bis sechs Millionen erwartet Christie’s für „Jetty“, Peter Doigs Blick auf den kanadischen Cameron Lake, verschwommen wie ein Bild aus einem Traum; das Vorbild für das zwei mal 2,5 Meter große Ölgemälde ist eine Postkarte. Mit einer Schätzung von 2,25 bis 3,25 Millionen Pfund ist ein Klassiker von Warhol, eine „Colored Campbell’s Soup Can“ von 1965, versehen. Roy Lichtenstein bittet für 1,5 bis zwei Millionen Pfund zum „Cup of Coffee“; die New Yorker Galerie von Leo Castelli erwarb das Bild von 1961 ein Jahr nach seiner Entstehung. Willem de Koonings „Untitled XXVIII“ kommt nach weniger als zwei Jahren wieder bei Christie’s unter den Hammer: Im November 2011 wurde das sanft fließende Spätwerk von 1983 in New York für knapp 3,7 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) verkauft. Die aktuelle Taxe liegt bei 1,8 bis 2,5 Millionen Pfund.

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