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Auktionen in London : Auch Menschen wie Du + Ich kommen zum Zuge

  • -Aktualisiert am

Bei den Londoner Auktionen mit zeitgenössischer Kunst triumphiert Christie’s mit einem hervorragenden Ergebnis. Aber auch Sotheby’s und Phillips sind zufrieden.

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          Das in zwei Hälften geteilte wollige Schaf in Formaldehyd von Damien Hirst starrte mit glasigen Augen vor sich hin, während sich ein steter Strom von Kunsthändlern und in Pelzmäntel gehüllten Frauen mit Louboutin-Pumps an ihm vorbei in den Auktionssaal von Christie’s schlängelte. Der Erzrivale Sotheby’s hatte am Vorabend schon ein starkes Ergebnis mit 74,364 Millionen Pfund für 44 (von 54 angebotenen) zeitgenössische Werke erzielt, eine Rate von 81,5 Prozent nach Losen. Nun musste Christie’s nachlegen und triumphierte: Nach einer fast zweistündigen Tour de Force stand fest, dass man mit einem nicht nur ästhetisch attraktiveren Angebot und mit mehr Losen die Nase vorn hatte. Bei einer Verkaufsrate von neunzig Prozent für 65 (von 72 angebotenen) Lose setzte Christie’s 81,668 Millionen Pfund um - das beste Ergebnis, das das Haus jemals in London mit einer Februar-Auktion zeitgenössischer Kunst erzielt hat. Die Käufer kamen aus 23 verschiedenen Ländern, neunzehn Lose wurden über einer Million Pfund verkauft.

          Der Abend bei Sotheby’s hatte stark begonnen mit vier kleinen Stabiles von Alexander Calder, marktfrisch aus einer schwedischen Sammlung eingeliefert, von denen drei, heiß umworben, ihre Taxen hinter sich ließen; „Untitled“, mit einer Spirale aus Draht, die sachte wippt, stieg gar auf 760.000 Pfund (Taxe 150.000/200.000). Gerhard Richters fotorealistische „Wolke“ hatte weniger Konkurrenz: Patti Wong, Chairwoman von Sotheby’s Asia, bot zögerlich ohne Telefon und schien auf ein Gegengebot zu warten, bis ein Sammler am Telefon von Caroline Lang, in der Schweiz stationiert, schließlich 6,75Millionen (7/9Millionen) bewilligte. Später kaufte derselbe Kunde auch den aus metallenen Flaschenkapseln zusammengehefteten Teppich „Zebra Crossing2“ des afrikanischen Künstlers El Anatsui für 410.000 Pfund (250.000/350.000). Der aus New York angereiste Händler Jose Mugrabi bot diesmal besonders kräftig mit. Er war bei Basquiats mit einer Garantie abgesichertem Triptychon „Five Fish Species“ bei 4,4 Millionen Pfund (4,25/6,25Millionen) erfolgreich - und sichtlich ungehalten, dass der Auktionator Tobias Meyer einem zögerlichen Telefonkonkurrenten so viel Zeit einräumte.

          Bacon zieht nach Mönchengladbach

          Zuvor hatte Mugrabi auch den anderen teuren Basquiat - „Untitled (Pecho/Oreja)“, ehemals in der Sammlung der Rockband U2 - für 6,05 Millionen (7/9 Millionen) gekauft. Rothkos schwarze, auf Leinwand aufgezogene „Untitled“-Papierarbeit ging, gegen Gebote von Mugrabi, für 2,25Millionen Pfund (2,5/3,5Millionen) an einen Telefonbieter. Das Spitzenlos des Abends wechselte in eine deutsche Sammlung: Nach der Auktion gab Sotheby’s bekannt, dass Jürgen Hall, Tabakwaren-Großunternehmer aus Mönchengladbach, Francis Bacons „Three Studies for a Self-Portrait“ für 12,25 Millionen Pfund (10/15 Millionen) ersteigert habe und das attraktive Werk in Kürze einem „wichtigen internationalen Museum“ als Leihgabe zur Verfügung stellen werde. Das Triptychon war zuletzt 2006 für 3,8Millionen Pfund (inklusive Aufgeld) bei Christie’s in London verkauft worden. Hall hatte schon 2011 Richters „Schwestern“ aus der Sammlung Dürckheim gekauft und dem Kunstmuseum in Bonn als Dauerleihgabe übergeben, das womöglich auch auf den Bacon hoffen kann. Sigmar Polkes „Menschen wie Du+Ich“ wurde für 1,45 Millionen (800.000/1,2Millionen) einem anonymen Telefonbieter zugeschlagen. Dagegen gab der Händler Larry Gagosian etwas halbherzig sein erfolgreiches Gebot von 950.000 Pfund für Lichtensteins „Still Life: Apple and Grapes“ (1/1,5Millionen) ab.

          Eine verrückte Kuh von Christopher Wools

          Der Abend bei Christie’s startete zwar unglücklich mit dem Rückgang des ersten Loses aus der Sammlung von Ingvild Goetz, die das Geschehen im Saal beobachtete, doch für die restlichen sieben, sämtlich mit attraktiven Taxen versehen, ging es hoch her im Saal. Mehr als ein Dutzend Bieter warben um Yayoi Kusamas verspieltes Bild „Pumpkin“. Kusama wurde einem globalen Publikum mit ihren gepunkteten Designs für Louis Vuitton-Handtaschen und mit ihrer Schau in der Tate Modern bekannt; ihr „Kürbis“ wurde bei 420.000 Pfund (150.000/ 200.000) zugeschlagen. Zuvor war schon Christopher Wools „Mad Cow“ für zwei Millionen Pfund (700.000/900.000) weggegangen. Zusammen mit weiteren 63 Goetz-Losen aus der folgenden Tagesauktion wurden 6,7Millionen Pfund erzielt, welche die Sammlerin für philanthropische Zwecke einsetzen wird.

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