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Auktionen im Dorotheum : Kühe auf dem Forum

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Das Dorotheum in Wien steigt mit einem ansehnlichen Angebot ins Frühjahrsgeschäft ein. Das 19. Jahrhundert und die Alten Meister zeigen sich von ihren besonders charmanten Seiten.

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          Sie teilten sich in den Wintermonaten ein Atelier und verfolgten doch gänzlich unterschiedliche Stile: Die Auktion mit Werken des 19. Jahrhunderts am 8. April im Dorotheum wartet mit hochqualitativen Gemälden von Emil Jakob Schindler und Hans Makart auf.

          Während Schindlers poetischer Realismus viele junge Landschaftsmaler zum Naturstudium führte, wurde der Malerfürst Makart mit seinem opulenten Studio und den Kontakten zur Theaterwelt sowie zur Hautevolee der Ringstraßenepoche berühmt.

          Aus deutschem Privatbesitz gelangt nun Schindlers idyllisches Hochformat „Garten in Plankenberg“ zur Auktion. Stockrosen, Sonnenblumen und lila Kohlköpfe prägen diesen sommerlichen Gemüsegarten von 1886, dem umgefallene Tontöpfe Beiläufigkeit verleihen. Wie der von der Schule von Barbizon beeinflusste Künstler seine Frau und Tochter vor einem Rankbogen plaziert, gemahnt an das Motiv der Maria im Rosenhag. Für das marktfrische Werk gilt die moderate Taxe von 120 000 bis 180 000 Euro.

          Zweiter Anlauf für Ferdinand Georg Waldmüller

          Schindlers künstlerischer Antipode Hans Makart war Wagnerianer. Nach dem Tod seines Idols schuf er einen Zyklus zum „Ring“, von dem nun ein restituierter Entwurf auf den Markt kommt. Das 129 mal 235 Zentimeter große achteckige Gemälde „Die Versenkung des Nibelungenhorts im Rhein“, das 65 Jahre lang als Leihgabe im Belvedere war, zeigt Makarts energische Malweise (Taxe 120 000/180 000 Euro).

          Im Jahr 1875 malte der gefragte Porträtist die italienische Sopranistin Emilie Tagliana mit schwarzer Mantille aus Bizets „Carmen“. Das leicht beschädigte Bild lebt vom Gegensatz zwischen der Finesse von Gesicht und Händen und dem pastos gemalten Kostüm (60 000/80 000).

          Aus der heimischen Kunstgeschichte stammt auch Ferdinand Georg Waldmüllers 2012 restituiertes Genrebild „Großmutter mit drei Enkelkindern“, das im Vorjahr liegenblieb und nun mit der niedrigeren Taxe von 150 000 bis 200 000 Euro einen zweiten Anlauf nimmt. Der Florentiner Frederico Andreotti hatte sich auf Genrebilder, vor allem in Rokokokostümen, spezialisiert; sein brillantes Flirtbild „Galante Szene“ beweist nicht nur sein technisches Können (40 000/50 000).

          Miniatur-Bild im Bild

          Orientalische Frauenfiguren in Tracht zählen zu den Hauptsujets des Pariser Künstlers Émile Charles Hippolyte Vernet Lecomte, von dem nun eine „Orientalische Schönheit“ auf den Markt kommt (15 000/20 000).

          Unter den Landschaften stechen russische Werke hervor: Während Leon Felixowitsch Lagorio in seinem Bild „Überqueren der Furt“ die umwölkten Bergspitzen des Kaukasus einfängt (70 000/ 120 000), gelang Konstantin Kryschitskij 1896 das 51 mal 81 Zentimeter große Ölbild „Der See“ in besonders schönem Kolorit (70 000/90 000).

          Eine höchst originelle Miniatur stammt von Ivan Aiwasowsky: In ein Fotoporträt des Künstlers wurde ein zehn mal sieben Zentimeter großes Seestück integriert (15 000/ 20 000).

          Zweihundert Jahre Familienbesitz

          Rund dreihundert Werke stark ist die Offerte der Altmeister-Auktion am 9. April. Das Toplos wurde von den Experten als Peter Paul Rubens und Werkstatt bestätigt und hat seit 1620 eine prestigereiche, nahezu komplette Provenienz aufzuweisen: Das Hochformat „Die Heilige Familie mit der heiligen Anna und dem Johannesknaben“ wurde für eine Kapelle von Erzherzog Albrecht VII. in Brüssel bestellt.

          Das Gegenstück „Rückkehr von der Flucht nach Ägypten“ hängt heute im Wadsworth Atheneum in Hartford, Connecticut. Die elegant und gleichzeitig lebensnah inszenierte Gruppe wird vor einem Kamin dargestellt.

          Fast zweihundert Jahre lang war das Tableau im Besitz der Familie des berühmten Feldherrn John Churchill, Duke of Marlborough, der es 1708 erwarb. Es hing bis 1886 in der Sammlung der Herzöge von Marlborough in Blenheim Palace, bevor es durch mehrere Privatsammlungen wanderte. Der Schätzwert für das 221 mal 152 Zentimeter große Werk wurde auf 400 000 bis 600 000 angesetzt.

          Venedig und Rom - beliebte Sujets bei den alten Meistern

          Eine zweite, farbschöne Heilige Familie mit Johannesknaben liegt von dem Manieristen Girolamo Siciolante da Sermoneta vor (150 000/200 000). In die italienische Frührenaissance führt das kleine Andachtsbild „Die Geburt Christi mit Engeln und Stifter“, die der Maestro dell’Epifania di Fiesole wohl um 1500 gemalt hat. Die Figuren der Madonna und des Kinds ähneln der namengebenden Tafel von San Francesco in Fiesole aufs Haar (80 000/ 120 000).

          Aus Italien stammen auch zwei interessante Veduten: Das tonale, staffagereiche Ölbild „Die Piazetta in Venedig mit Dogenpalast“ des Luca Carlevarijs variiert die berühmte Ansicht, indem der Markusplatz verborgen bleibt (200 000/ 300 000); Antonio Joli führt vor 1744 auf das Forum Romanum, als das Gelände noch als Campo Vacchino, als Kuhweide, diente (200 000/300 000).

          Der Niederländer Joos de Momper malte das Panorama einer „Weiten Flusslandschaft“ samt Dorfkulisse, in die Jan Brueghel d. J. ziehende Händler und rastende Wanderer setzte (180 000/250 000).

          Frans Snyders’ hohes Können in der Darstellung von Nature morte beweist sein „Sillleben mit Wild, Früchten, Hummer und Gemüse“. Die brillante Komposition kann mit den Werken des Künstlers in den Gemäldegalerien von Kassel und Berlin verglichen werden (200 000/ 300 000).

          Aus belgischem Privatbesitz wurde ein auf Holztafel gemaltes Blumenstillleben des Jan van Kessel I. eingebracht, in dessen Bouquet auch die berühmte, heute nicht mehr existente Tulpe „Semper Augustus“ prangt (120 000/ 150 000).

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