https://www.faz.net/-gyz-8di8t

Auktionen : Die Preise haben ein Plateau erreicht, der Druck wächst

  • -Aktualisiert am

Die Londoner Auktionen mit Moderne, Gegenwartskunst und Zeitgenossen bei Christie’s, Sotheby’s, Bonhams und Phillips. Ein Nachbericht

          Impressionismus, Moderne und Zeitgenossen haben den ersten großen Markttest des Jahres in London besser als erwartet überstanden. Neue Umsatzrekorde scheinen zwar in weite Ferne gerückt, doch die Ergebnisse konnten Zuversicht in anhaltendes Käuferinteresse vermitteln. Da der Kunstmarkt traditionell hinter den globalen Wirtschaftsentwicklungen herhinkt, werden die New Yorker Auktionen im Mai besonders interessant. Wird die Akquise schwieriger, weil Sammler auf ihren Schätzen sitzenbleiben und abwarten wollen, zumal die Preise im Spitzensegment ein Plateau erreicht haben? So mancher Einlieferer, der in den vergangenen fünf Jahren auf Auktionen enthusiastisch die Preise mit nach oben trieb, musste jetzt Verluste in Kauf nehmen. Die Käufer sind extrem selektiv geworden, doch marktfrische und visuelle Attraktivität, insbesondere aber Rarität und Bedeutung bei exquisiter Provenienz, finden weiterhin Anklang.

          In der Abendauktion mit Impressionisten, Surrealisten und Moderne verkaufte Christie’s 67 von 89 angebotenen Losen, das heißt solide 75 Prozent, für insgesamt 95,9 Millionen Pfund. Die Erwartung lag bei 87,3 bis 129,1 Millionen; drei Lose wurden zurückgezogen. Im vergangenen Februar spielte Christie’s noch 147 Millionen Pfund ein. Das Spitzenlos, Max Ernsts „Der gestohlene Spiegel“ mit einer Schätzung von sieben bis zehn Millionen, entfachte nicht das erwartete Gefecht und wurde an ein einziges Gebot von 6,75 Millionen Pfund verkauft, wohl an den Garantiegeber. Das Bild hatte allerdings 2011 bei Christie’s in New York mit 16,3 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld), damals umgerechnet 10,23 Millionen Pfund, zum Vierfachen seiner unteren Taxe einen Ernst-Rekord aufgestellt. Mirós „Femme et oiseaux dans la nuit“ beflügelte dagegen einen Sammler, 5,1 Millionen Pfund (Taxe 3/ 5 Millionen) zu bewilligen. Egon Schieles „Selbstbildnis mit gespreizten Fingern“ aus dem Jahr 1909 erzielte 6,4 Millionen Pfund (6/ 8 Millionen). Der Einlieferer hatte 2007 noch 4,5 Millionen Pfund (mit Aufschlägen) gezahlt. Ein mystisch-expressionistisches „Schwangeres Weib“ von Otto Dix wurde im Saal für 2,4 Millionen Pfund (2/ 3 Millionen) verkauft. Spannend wurde es, als die unter Kennern gepriesene, neusachliche „Badische Kleinstadt bei Tage“ von Georg Scholz zum Aufruf kam. Bei dem marktfrischen Bild schalteten sich mehrere Händler im Saal ein. Erst bei einer Million Pfund (300 000/ 500 000) fiel der Hammer zugunsten der New Yorker Galerie Acquavella. Der Einlieferer von André Lhotes „La danse au bar (Gipsy Bar)“ hatte sich 2007 in New York zum Rekordpreis von 2,7 Millionen Dollar hinreißen lassen. Er musste nun bei 950 000 Pfund (600 000/ 900 000) einen deutlichen Verlust hinnehmen.

          Es gab auch Überflieger

          Der Abend bei Sotheby’s brachte gemischte Ergebnisse für die Moderne. Die Gesamterwartung lag bei 97,6 bis 138,4 Millionen Pfund, das Ergebnis knapp darunter: 93,7 Millionen Pfund wurden mit 38 von 53 Losen umgesetzt, das entspricht 71,7 Prozent nach Losen. Im Februar 2015 erzielte Sotheby’s mit 186,4 Millionen Pfund das Doppelte. Dafür konnten immerhin Rekorde für Picabia und Delvaux gefeiert werden. Auch Rodins energiegeladene Bronze „Iris, Messagère des dieux“, ehemals in der Sammlung von Sylvester Stallone, ging mit 10,2 Millionen (6/ 8 Millionen) für einen Rekordpreis in Pfund an einen europäischen Privatsammler. Dass die atemberaubenden Spitzen der vergangenen Jahre nicht in jedem Fall zu halten sind, unterstreicht das Ergebnis für Picassos Porträt von Marie-Thérèse Walter: Der Hammerpreis von 16,7 Millionen Pfund für eine „Tête de femme“ lag zwar innerhalb der Erwartung von sechzehn bis zwanzig Millionen. Allerdings hatte der Einlieferer das Bild im November 2013 in New York für 39,9 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) gekauft; jetzt spielte es umgerechnet 27 Millionen Dollar ein. Matisse’ intimes Interieur „La leçon de piano“, seit 1923 im Besitz einer schottischen Familie, blieb mit 9,5 Millionen Pfund hinter den angepeilten zwölf bis achtzehn Millionen zurück.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mini Cooper SE : Minimaler Stromschlag

          Mini schickt sich an, ein vollelektrisches Modell auf den Markt zu bringen. 200 Kilometer Reichweite für 32.500 Euro – da darf man maximal gespannt sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.