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New Yorker Auktionen : Unverkennbar abgespeckt

  • -Aktualisiert am

Eine Vorschau auf New York: Die reduzierten Auktionen mit Zeitgenossen bei Christie’s, Sotheby’s, Bonhams und Phillips.

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          Während Sotheby’s und auch das kleinere Haus Bonhams den klassischen Zeitplan für die Frühjahrsauktionen in New York einhalten - es beginnt mit den Veranstaltungen für Impressionisten und Moderne, darauf folgen die für Nachkriegskunst und Zeitgenossen -, weicht Christie’s einmal mehr davon ab. Die Firma im Besitz von François Pinault eröffnet ihre „Saison 20. Jahrhundert“ am 8. Mai mit einer Veranstaltung unter dem Motto „Bound to fail“. Im vergangenen Jahr ist Christie’s mit dieser „kuratierten“ Variante einer Auktion mit moderner Kunst gut gefahren, erstmals im Mai 2015. Damals spielte Christie’s unter dem Titel „Looking Forward to the Past“ insgesamt 705,8 Millionen Dollar ein; allein Picassos „Les Femmes d’Alger (Version ,O‘)“ von 1955 und Alberto Giacomettis „L’homme au doigt“ von 1947 erzielten zusammen 320,7 Millionen Dollar.

          Zeitgenössisches bei Christie’s

          Jetzt belaufen sich die Erwartungen für diesen Nachmittag gerade einmal auf 59,4 bis 81 Millionen Dollar. Einmal mehr von Loic Gouzer, dem stellvertretenden Chairman für Nachkriegs- und Gegenwartskunst bei Christie’s, kuratiert, stammen diesmal die 39 Lose fast ausschließlich aus der Zeitgenossen-Sparte. Ob der Veranstaltungstitel „Zum Scheitern verurteilt“ sich als Omen erweist, bleibt abzuwarten. Spitzenlos dieser Sonderauktion ist jedenfalls Jeff Koons’ „One Ball Total Equilibrium Tank“ aus dem Jahr 1985; die Taxe beträgt „mehr als zwölf Millionen Dollar“, auf Anfrage. Die Provenienzenkette der 165 Zentimeter hohen Arbeit reicht von der Saatchi Collection in London bis zur Gagosian Gallery in New York. Zum ersten Mal wird Koons’ Plastik (Auflage 2) in einer Auktion angeboten. Der orangefarbene Basketball, der im mit destilliertem Wasser gefüllten Glaskasten schwebt, ist mit einer Garantie versehen - wie neun weitere Lose. Eins der wenigen Lose aus der Moderne ist ein Exemplar von Marcel Duchamps „Air de Paris“ (1964, einer von zwei AP, aus einer Auflage von 8 Repliken, 1964; ohne Garantie). Die Glasampulle ist mit 300 000 bis 400 000 Dollar taxiert; 2002 wurde sie bei Phillips in New York für 167 500 Dollar versteigert.

          Die reguläre Abendveranstaltung für die Zeitgenossen bei Christie’s findet am 10. Mai statt; 62 Lose werden angeboten, acht von ihnen sind durch Garantien abgesichert. Die Auktion führen zwei großformatige abstrakte Gemälde von Mark Rothko und Clyfford Still an. Das Spitzenlos ist Rothkos „No. 17“ aus dem Jahr 1957, mit einer Erwartung von dreißig bis vierzig Millionen Dollar. Das 2,3 mal 1,8 Zentimeter große Bild wurde erstmals 1961 in der Londoner Whitechapel Art Gallery ausgestellt, anschließend blieb es über dreißig Jahre für die Öffentlichkeit in einer italienischen Privatsammlung verborgen; 2001 tauchte es bei einer Rothko-Ausstellung der Fondation Beyeler in Basel wieder auf. Auf 25 bis 35 Millionen Dollar beziffert wird Clyfford Stills „PH-234“: Das großformatige Ölgemälde entstand 1948, kurz nach der ersten großen Einzelausstellung des Malers in Peggy Guggenheims „Art of This Century“-Museum in Manhattan. Für den damaligen Ausstellungskatalog im Februar 1946 schrieb Rothko die Einführung für seinen Freund. Insgesamt erwartet Christie’s für die Abendauktion 285 bis 398 Millionen Dollar.

          Spitzenlose bei Sotheby’s

          Die Erwartungen für die Abendauktion am 11. Mai bei der Konkurrenz Sotheby’s belaufen sich auf 201 bis 257 Millionen Dollar. Lediglich 44 Lose sind dort im Angebot - beinah ein drittel weniger als bei Christie’s -, zehn von ihnen sind mit einer Garantie versehen. Dafür haben es die drei Spitzenlose in sich: Den Anfang macht Francis Bacon mit seinen „Two Studies for a Self-Portrait“ aus dem Jahr 1970, versehen mit einer Erwartung von 22 bis dreißig Millionen Dollar. Marktfrische zeichnet die beiden, jeweils nur 35,5 mal 30,5 Zentimeter kleinen Gemälde aus, die sich mehr als 45 Jahre lang in derselben Sammlung befanden, nachdem sie bei Marlborough in London 1970 erworben wurden. Bekannt geworden ist das Selbstbildnis-Paar, das bisher nur zwei Mal und nach 1993 überhaupt nicht mehr ausgestellt war, durch das Cover von Milan Kunderas „Bacon. Portraits and Self Portraits“ von 1997.

          Die zwei weiteren Highlights bei Sotheby’s stammen von Cy Twombly: „Untitled (New York City)“ von 1968 besitzt eine ähnliche Marktfrische wie Bacons Doppel-Selbstbildnis, ein Jahr nach seiner Entstehung wurde das große abstrakte Schrift-Bild vom Einlieferer bei der Galerie Leo Castellis in New York gekauft; auf Nachfrage ist das Gemälde auf vierzig Millionen Dollar geschätzt. Twombly nutzte dort, ganz untypisch für die Werke seiner „Blackboard“-Serie, keine weiße Farbe für die abstrakten Muster, sondern blaue. „Untitled (Bacchus 1st Version V)“ ist 36 Jahre später entstanden; das 266 mal 200 Zentimeter große Gemälde ist, ebenfalls auf Anfrage, mit einer Taxe von zwanzig Millionen Dollar beziffert. - Unter den 267 Losen der Tagofferte von Sotheby’s am 12. Mai befindet sich Elizabeth Peytons kleine Zeichnung „Pierre“ aus dem Jahr 2000. Dargestellt ist das Porträt einer schlafenden Frau mit braunen Locken in zarten Buntstiftstrichen auf einem Hotelbriefpapier (Taxe 25 000/35 000 Dollar).

          Bonhams geht mit Pferdeplastiken ins Rennen

          Auch bei Bonhams stehen am 12. Mai die Zeitgenossen im Fokus. Auffällig unter den 39 Lose der Auktion sind die beiden Pferdeplastiken der amerikanischen Bildhauerin Deborah Butterfield: „Bluebird“ von 2006 (60 000/80 000) und „Pali“ von 1992 (80 000/120 000), beide ein bis anderthalb Meter hoch. Während „Bluebird“ aus Stahl und Aluminium besteht, formte die Künstlerin bei „Pali“ ein Pferd aus Hölzern und Stöcken. Als Spitzenlos mit einer Taxe von 800 000 bis 1,2 Millionen Dollar werden Wayne Thiebauds „Two Hamburgers“ von 2000 offeriert. Insgesamt erwartet Bonhams vier Millionen Dollar für seine Auktion.

          Brice Marden als Highlight bei Phillips

          40.8 Millionen Dollar peilt Phillips am 8. Mai für 38 Lose an; zwanzig davon sind mit Garantien versehen. Martin Kippenbergers „Plusquamperfekt - gehabt haben“ von 1984 ist die witzige Darstellung einer Phantasiearchitektur aus Lebensmitteln, im Zentrum steht ein Haus aus Sülze, flankiert wird es von zwei Gewürzgurken (600 000/900 000). Marino Marinis übrigens garantierter „Cavaliere“ von 1947 ist auch nicht ohne Komik, seine mehr als einen Meter hohe Bronze stellt einen kleinen dicken Reiter dar, der mit aller Kraft versucht, sein Pferd unter Kontrolle zu bringen, für erwartete 900 000 bis 1,2 Millionen Dollar).

          Das Spitzenlos der russischen Auktionsfirma ist Brice Mardens „Star (for Patti Smith)“, ebenfalls abgesichert durch eine Garantie: Drei Streifen, zwei schwarze säumen einen grauen in der Mitte, hat der Minimalist auf 172 mal 114 Zentimetern Leinwand gezogen. Lange Zeit gehörte das Bild laut Katalog zur eigenen Sammlung des Künstlers, bevor es die Matthew Marks Gallery erwarb; jetzt soll es fünf bis sieben Millionen Dollar erlösen.

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