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Auktion bei Jeschke Van Vliet : Eintritt in die Zukunft

In Berlin versteigert Jeschke Van Vliet Antiquitäten und Kunst: Werke aus den Werkstätten von Rubens und Ribera kommen unter den Hammer. Auch für Liebhaber der Pop Art ist etwas dabei.

          Immer häufiger ist zu beobachten, dass restituierte Kunstwerke zur Rotation im Handel freigegeben werden. Erst im April 2013 bei Sotheby’s in London mit einer Schätzung von 80.000 bis 120.000 Pfund zurückgegangen, bildet Jacob de Heuschs großformatige Ansicht des „Campo Vaccino, Rome“ am 30. Juli das Hauptlos einer Versteigerung bei Jeschke Van Vliet in Berlin. Die jetzt für 78.000 bis 110.000 Euro angebotene Vedute gehörte einst der litauischen Adelsfamilie Tyszkiewicz, die das Bild während des Krieges im Warschauer Nationalmuseum deponierte und jetzt erst zurückerhielt.

          Durch eine Expertise des Spezialisten Justus Müller-Hofstede abgesichert, ist die Kopfstudie eines bärtigen Mannes Peter Paul Rubens zuzuschreiben, vermutlich entstanden im Vorfeld des „Hl. Rochus als Schutzheiliger der Pestkranken“ (Taxe 20.000/25.000 Euro). Von Jan Brueghel II. stammt eine Darstellung der Susanna mit den beiden begehrlichen Alten; die Staffage-Figuren sollen auf den Amsterdamer Hendrik van Balen zurückgehen (42.000/50.000). In der Werkstatt des großen Spaniers Jusepe de Ribera soll eine für 35.000 bis 40.000 Euro angebotene „Heilige Familie mit dem Johannesknaben in der Schreinerwerkstatt“ entstanden sein.

          Den Sprung in die Gründerzeit des 19. Jahrhunderts vollziehen zwei theatralische Vergegenwärtigungen der hedonistischen antiken Lebenswelt: „Artemis und Kallisto“ und „Après la bacchanale“ des russisch-polnischen Malers Milosz Kotarbinskij sind auf je 37.000 bis 40.000 Euro geschätzt. Surreal inspiriert ist ein auf 12.000 Euro taxierter Auftritt Sigmund Freuds, in Gedanken über einen weiblichen Akt auf braunem Sofa versunken, den sich der 1964 in Prag geborene Frank Kortan einfallen ließ.

          Die Skulpturen-Abteilung decken zwei Repliken ab. Anfang des 19. Jahrhunderts abgegossen wurde die Kopie der griechischen Bronzestatue eines „Betenden Knaben“, dessen Original lange Zeit in der Gartenpergola des Schlosses Sanssouci stand, zur Freude ihres Besitzers Friedrichs des Großen (13.000/14.000). Die elfenbeinerne Nachbildung einer Plastik des 1916 gestorbenen Franzosen Antonin Mercié („Gloria Victoria“) soll 14.000 Euro einspielen. Auf 6000 bis 6500 Euro taxiert ist ein Rubens-Motiv auf Porzellan der Berliner Manufaktur KPM.

          Den Kenner und Liebhaber der amerikanischen Pop-Art dürfte die Offerte limitierter Druckgraphik ansprechen. Mit 15.000 Euro am höchsten eingeschätzt ist der farblich wie ästhetisch unverblasste typographische Geniestreich des Robert Indiana: seine Serigraphie „Love“ von 1968. Zwei Coca-Cola anpreisende Nackedeis von Mel Ramos mit dem Titel „The pause that refreshes“ sollen zusammen 7000 Euro einspielen. Roy Lichtensteins sorgenvoller Blondschopf „M-Maybe he became ill“, der vergeblich auf seinen Liebhaber wartet, ist für 2500 bis 3500 Euro verfügbar. Als Gegenpart der smarten New Yorker figuriert der Düsseldorfer Kryptomane Joseph Beuys, dessen 1974 bei Lucio Amelio in Neapel edierter „Paß für Eintritt in die Zukunft“ nach Hinterlegung von 2000 bis 2300 Euro bequem zusammengefaltet und der Brieftasche einverleibt werden kann.

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