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Auktion bei Im Kinsky : Unter Brüdern

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Gustav oder Ernst? Im Kinsky wird eine Ölstudie versteigert, die von einem der Klimt-Brüder stammt. Außerdem wartet das Wiener Auktionshaus mit Schiele, Kokoschka und österreichischem Impressionismus auf.

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          Nur mit der Signatur „Klimt“ ist die kleine, mit Öl auf Karton gemalte „Studie eines alten Mannes mit Efeukranz“ gezeichnet, die bei der „Meisterwerke“-Auktion am 23. April im Wiener Kinsky angeboten wird. Es ist unbekannt, ob das bis vor kurzem nur als Schwarzweißfoto bekannte Bild von Gustav selbst oder von seinem jüngeren Bruder, dem Historien- und Dekorationsmaler Ernst, stammt. In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts betrieben die beiden Klimts gemeinsam eine „Künstler-Compagnie“ und gestalteten Wandgemälde für Ringstraßen-Bauten wie das Kunsthistorische Museum oder das Burgtheater.

          Der Klimt-Experte Alfred Weidinger vom Wiener Belvedere nahm seine 2007 veröffentlichte Zuschreibung an Gustav vor kurzem zurück, nachdem er Ernst Klimts wiederaufgetauchtes Gemälde „Pan tröstet Psyche“ studiert und eine große Ähnlichkeit mit dem dort dargestellten alten Mann entdeckt hatte. Das Auktionshaus folgt jedoch der Meinung von drei anderen Gutachtern und führt das Bild als „Gustav Klimt“, mit einer Erwartung von 70.000 bis 140.000 Euro. Eine große stilistische Kluft tut sich zwischen den weiteren Werken der Klimt-Brüder auf: Da trifft das eher kitschige Ölbild „Zwei betende Mädchen“ von Ernst (Taxe 50.000/100.000 Euro) auf den nach Modernität strebenden, gezeichneten Frauenakt „Schüchterne“ von Gustav (50.000/ 100.000). Auch von Egon Schiele liegen zwei Aktzeichnungen vor, wobei dasselbe liegende Modell 1918 dort einmal horizontal und einmal vertikal festgehalten ist (150.000/300.000).

          Bei den Werken des 19. Jahrhunderts sticht eine leicht bekleidete „Odaliske“ des französischen Orientalisten Léon-François Comerre im üppigen Ambiente hervor (70.000/150.000). Ferdinand Waldmüllers „Sonntagsruhe“ scheiterte vor einem Jahr im Dorotheum und tritt nun mit der günstigeren Taxe 150.000 bis 300.000 Euro an. Von Waldmüller liegen auch zwei kleine Bilder von Jagdhunden vor: Die im Auftrag des Grafen Esterhazy 1823 sehr realistisch wiedergegebenen Münsterländer kommen auf je 150.000 bis 300.000 Euro.

          Die Auktion wartet außerdem mit hervorragenden Gemälden des österreichischen Stimmungsimpressionismus auf. Dabei wird Emil Jakob Schindlers bewölkte Meeresansicht „Scirocco im Anzug“ versteigert; das im Zweiten Weltkrieg von dem Kunstsammler Josef Blauhorn beschlagnahmte Gemälde kam über eine privatrechtliche Restitution ins Kinsky, in deren Zuge die Erben ihren Anteil bereits erhalten haben (50.000/100.000). Schindlers Schülerin Olga Wisinger-Florian führt mit dem virtuosen Ölbild „Der erste Reif“ in eine herbstliche Allee, wo Lichtkontraste durch effektvolle Striche gesetzt sind (150.000/300.000). Nach Südtirol reiste der Landschaftsmaler Robert Russ besonders gern; sein „Markt in Kollmann“ zählt zu den Highlights (50.000/100.000).

          Eine Rarität hat das Kinsky mit einem Selbstbildnis des Expressionisten Richard Gerstl gewonnen, das aufgrund seiner Intensität auch noch als Ausschnitt in den Bann zieht (70.000/140.000). Ungewöhnlich für Franz Sedlacek ist das biblische Motiv „Flucht nach Ägypten“, das er 1927 in dem für ihn typischen, magischen Stil darstellt (100.000/200.000). Noldes aquarellierte Rückenansicht „Zigeunermädchen“ entstand 1921 im spanischen Granada (100.000/180.000).

          Um einen Dachbodenfund aus Dänemark handelt es sich beim Titellos „Bergstadt“ von Alfons Walde, das nach seiner Reinigung makellos erstrahlt (150.000/300.000). Zwei Jahre vor ihrem Tod 1988 hat die Bildhauerin Anna Mahler ihrem Vater Gustav Mahler ein Denkmal in Form einer überlebensgroßen Porträtbüste aus Gips gesetzt (50.000/100.000). Diese Plastik auf ihrem Sockel kommt ebenso aus den Vereinigten Staaten wie Anna Mahlers 1968 entstandenes Gipsmodell „Liegender“ (35.000/ 70.000) und eine große Gipsmaske (15.000/30.000).

          Oskar Kokoschka war der Geliebte von Annas Mutter Alma Mahler; sein farbenprächtiges Blumenstillleben in Öl von 1959 kommt jetzt bei 180.000 bis 300.000 Euro auf den Markt. Als florale Gebilde könnte man auch die von Max Weiler mit blauer und roter Eitempera kontrastreich gemalten Strukturen missdeuten: Der Titel „Dämonen“ lässt nach Fratzen suchen (150.000/ 250.000). Auf das „Floß der Medusa“ lockt Anselm Kiefer mit seiner Gouache auf Fotopapier von 2003, die eine steinerne Treppe unheilvoll über Wellen schweben lässt (70.000/140.000). Zu den Großformaten der Auktion zählt eine drei mal vier Meter messende blaue Abstraktion Herbert Brandls (70.000/120.000).

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