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Asiatika : Alles für den anspruchsvollen Teetrinker

Nagel in Stuttgart präsentiert eine große Auswahl an Asiatika. Die Menge stimmt, kann aber auch die Qualität des Angebots überzeugen? Die japanische Kleinskulptur eines Frauenkopfes beeindruckt nachhaltig.

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          Bisweilen sind es die kleinen Positionen, die eine Auktion besonders interessant machen. An den zwei gerammelt vollen Terminen am 12. und 13. November, in deren Verlauf das Stuttgarter Auktionshaus Nagel seine halbjährliche Versteigerung asiatischer Kunst durchführt, ist es eine Gruppe von rund dreißig chinesischen Teekannen aus einer Privatsammlung, die 1995 in einer Mailänder Galerie ausgestellt wurde. Es sind meist winzige Behältnisse, die sämtlich während der Qing-Dynastie in der bekannten Töpferstadt Yixing hergestellt wurden. Glanzstücke sind keine darunter (die Schätzpreise bewegen sich zwischen 300 und 4800 Euro), aber hier finden Liebhaber und avancierte Teetrinker eine selten große Auswahl an verschiedenen Formen und Glasuren.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Das Angebot von Nagel profitiert von solchen Spezialitäten, die eine erfreuliche Begleiterscheinung des immensen Ausmaßes sind, das die Ostasiatika-Versteigerungen des Hauses angenommen haben. Nagel hat der ungleich traditionsreicheren Konkurrenz von Lempertz mengenmäßig mittlerweile den Rang abgelaufen. Zum Herbsttermin erscheinen diesmal insgesamt fünf Kataloge, wovon einer allein den Einlieferungen aus drei nicht näher spezifizierten Privatsammlungen gewidmet ist, die ihren Schwerpunkt auf chinesischen Metallarbeiten haben. Unter den entsprechenden Stücken ist ein bronzenes Deckelgefäß aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert, das erstaunlich moderat geschätzt ist (Taxe 3000/5000 Euro), und drei großartige feuervergoldete Buddha-Statuen, die mit Schätzungen von 20.000 bis 30.000 Euro deutlich optimistischer angesetzt sind.

          Buddhas Haupt

          Die am höchsten eingeschätzten Lose weisen indes keine Preise im Katalog auf. Auf Anfrage erfährt man, dass der fast kubistisch anmutende überlebensgroße Kalksteinkopf des Buddha aus dem späten siebten Jahrhundert 100.000 bis 150.000 Euro bringen soll. Auf dieselbe Summe hofft man auch im Falle eines frühen Rotlack-Tellers, den ein erstaunlich abstrahiertes Malvendekor ziert, und zwei Textilfragmente aus japanischem Privatbesitz sollen gar je 120.000 bis 180.000 Euro einspielen. Als „extrem selten“ preist die Katalogbesprechung das ältere Stück von beiden, das um die erste Jahrtausendwende entstanden ist, an.

          Bei Nagel hat man sich der international schon länger üblichen Gepflogenheit gemäß für die lautstarke Bewerbung des eigenen Angebots entschieden. Die Kataloge wimmeln schon in den Überschriften der Beschreibungen von Leerformeln wie „bedeutend“, „ungewöhnlich“ oder „fein“. Man mag, muss es aber nicht immer glauben. Der Kauflust des hier größtenteils asiatischen Publikums tut das Marktschreierische jedenfalls keinen Abbruch. Kenner schätzen, dass achtzig bis neunzig Prozent aller Nagel-Zuschläge bei chinesischer oder tibetischer Kunst in die Volksrepublik gehen.

          Netsuke der besonderen Art

          Beinahe sicher dort landen wird eine Bronze-Vase mit Drachenhenkeln, die ein Äquivalent im Poly-Art-Museum von Peking hat. In dieses Haus gehen besonders viele private Stiftungen von reichen Chinesen, und die Vase aus der Tang-Dynastie ist mit geschätzten 30.000 Euro beinahe ein Schnäppchen. Das Angebot an japanischer Kunst fällt gegen diese Konkurrenz ab. Allerdings gibt es einige hinreißende Netsuke, darunter die tatsächlich höchst seltene Darstellung (der Katalog nennt sie „exzellent“) des abgeschlagenen Kopfs der Gattin eines Samurai, die sich nicht nur dessen Nebenbuhler verweigerte, sondern auch noch für ihren Mann starb, als der enttäuschte Liebhaber Rache üben wollte. Für das schlangenumschlungene Haupt sind 8000 bis 12.000 Euro veranschlagt.

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