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Alte und neue Kunst : Traum von der Südsee

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Das Auktionshaus Kornfeld in Bern versteigert Alte und neue Kunst. Ein kleines Gemälde mit monumentaler Wirkung von Paul Gauguin führt das Angebot an. Ein Blick in die Kataloge.

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          Einmal mehr verzichtet Kornfeld am 17. und 18. Juni auf eine inszenierte Losfolge, man bleibt beim alphabetischen Aufruf von 150 Werken des 19. und 20. Jahrhunderts im ersten Teil, denen im zweiten Teil mehr als 700 weitere Lose folgen. Die Gesamttaxe beläuft sich auf mehr als 32 Millionen Franken. Flankiert werden diese Offerten von Alter Graphik und Handzeichnungen, zusammen 121 Nummern mit einem Volumen von knapp einer Million Franken. Das Prachtstück ist ein Ölbild von Paul Gauguin, entstanden während seiner Südseeaufenthalte kurz vor 1900. Nicht nur das Leben in Papeete hatte es ihm angetan, sondern mindestens ebenso die tahitianischen Frauen, wovon auch das jetzt auf zwei Millionen Franken geschätzte Gemälde Zeugnis gibt. Vermutlich stammt das kleine Format aus dem Nachlass des Künstlers, zu seinen berühmten Vorbesitzern zählt der Pariser Kunsthändler Georges Wildenstein.

          Trotz der nur 26 mal 32,5 Zentimeter großen Darstellung aus dem Jahr 1896 wirkt das Motiv monumental, diente womöglich als Studie für die in die Südseelandschaft eingebettete Ganzfigur „Te arii vahine (The King's Wife)“, heute in der Eremitage in St. Petersburg. Während Gauguins expressiver Duktus schon auf die späteren Nabis verweist, ist Monets „Chemin dans le brouillard“ noch eine starke Reminiszenz an den von ihm entscheidend geprägten Impressionismus: Nach mehr als sechzig Jahren gelangt das Werk wieder auf den Markt, erwartet wird ein Zuschlag jenseits der 1,3 Millionen Franken. Während diese lichte, duftige Landschaft von großartiger Leichtigkeit lebt, zeigt Monets „Tempête sur les Côtes de Belle-Île“ (Taxe 1,5 Millionen Franken), 1886 in Öl auf Leinwand gemalt, eine heftig aufgewühlte bretonische Atlantikküste.

          Der Schweizer Cuno Amiet malte 1910 einen Blick in seinen eigenen Garten in Oschwand (700.000); zwei Jahre früher ist „Winter auf der Oschwand“ datiert (550.000), im selben Jahr eine weitere „Winterlandschaft“ Amiets (550.000). Alle drei Bilder wurden direkt beim Künstler erworben und gelangen erst heute, hundert Jahre nach ihrer Vollendung, in den Handel. Schweizer Kunst ist auch durch Werke der Giacomettis repräsentiert: Von Alberto stammen ein frühes „Stillleben mit Kartoffeln“ (600.000) und das 1947 gemalte „Portrait de jeune

          femme, Patricia Matisse“ (1,5 Millionen); Vater Giovannis „Blick von Capolago auf den Piz della Margna“ ist von 1919 und soll 350.000 Franken einspielen. Nachkriegskunst bildet den kleineren Teil der Auktion, mit Sam Francis' „Deep Blue and Black“ (700.000) enthält die Offerte ein kapitales Stück, das der Künstler 1955 in Paris malte und das seither vielfach ausgestellt wurde. Ebenfalls in Paris malte Chagall sein farbenfrohes „Bouquet printanier“ (800.000), auf dem auch seine Frau Vava zu sehen ist.

          Munchs „Melancholie III“

          Kornfeld offeriert traditionell außerordentlich qualitätvolle Arbeiten auf Papier. Einmal mehr ist es Edvard Munch, der die Druckgrafik anführt: Der 1913 angefertigte Kombinationsdruck „Vampyr II“ ist ein Zusammenspiel dreier Holzschnitte mit zwei Lithographien. Diese Experimentierfreude zeitigte etliche Farbvarianten, dafür keine eigentliche Auflage des zwischen 1895 und 1902 entstandenen Motivs; der vorliegende Abzug von 1913 ist auf 450000 Franken taxiert. 1902 druckte Munch von mehreren Stöcken in fünf Farben „Melancholie III“ (350.000). Picasso ist bei der Graphik mit 93 Losen vertreten, dabei Künstlerbücher, unter denen zwei Titel herausragen: Max Jacobs 1911 bei Kahnweiler publiziertes „Saint Matorel“ mit vier frühen Radierungen Picassos (100.000) und ein weiterer, 1942 in Paris unter der deutschen Besatzung erschienener Band mit Radierungen (100.000).

          Deutsche Graphik des Expressionismus vertritt Kirchner, für seine seltene „Straßenszene“ von 1913/14 in zwei Farben werden 200000 Franken erwartet. Schiele zeichnete 1910 einen stehenden weiblichen Akt in Bleistift und Aquarellfarben (600000), und ein Jahr später aquarellierte Macke „Mädchen am Abend“ (300.000), jetzt aus Schweizer Privatbesitz eingeliefert. Auch Paul Klee steuert zwei Unikate bei: „Künstlicher Garten“ von 1932 in Wasserfarben gehörte einst Ludwig Mies van der Rohe; „Leicht bewölkt (Kopf)“, 1933 in Öl auf Papier gemalt, galt lange als verschollen. Jedes der Klee-Blätter ist mit 350.000 Franken beziffert.

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