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Alte und Neue Kunst : Manch tierisches Angebot

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Mit geschwollenem Kamm malt Antoni Clavé seinen stolzen Hahn, und eine Dame am Klavier lässt sich von ihrem Kakadu beraten, die Vorschau zur Hamburger Auktion von Ketterer mit Alter und Neuer Kunst.

          Mit dem rot leuchtenden Paukenschlag des großen Gemäldes „Le coq“ von Antoni Clavé beginnt die Auktion mit Moderne und Nachkriegskunst am 24. Oktober bei Ketterer in Hamburg. Clavé hatte ein Jahr zuvor Picasso kennengelernt und stand im Bann von Bonnards, Vuillards und Rouaults Werken, als 1945 der bildfüllende rote Hahn entstand, der nun, aus einer Berliner Privatsammlung kommend, auf 30.000 bis 40.000 Euro geschätzt ist. Salvador Dalí ist mit seiner Plastik „Space Elephant“ von 1980 vertreten, einem von 350 Exemplaren, in Bronze mit dem grünen Plexiglasobelisken auf dem Elefantenrücken (Taxe 14.000/16.000 Euro).

          Tierisch kommt uns auch Jörg Immendorff mit seiner Farbserigraphie und Acryl auf Leinwand „Mann mit Affenmaske und Pinsel in Schneekugel“ (20.000/25.000): „Für mich war und ist der Affe einfach ein zweites Ich. Er ist albern und weise und steht für Gegensätze“, so sah es der Künstler. David Hockney schuf 1971 die Farblithographie „Coloured flowers made of paper and ink“ (18.000/25.000), zartfarbig und kraftvoll. Der gleiche Schätzwert gilt für ein Ölbild „Ohne Titel“ von K. R. H. Sonderborg; im Duktus des unbestimmt Fließenden zeigt sich die stilistische Affinität zum Informel. Neo Rauch ist mit einem frühen Gemälde von 1988 vertreten, „Männchen vor Industrielandschaft III“ (18.000/24.000), da noch ganz der Meisterschüler von Bernhard Heisig, der sein Handwerk von der Pike auf lernt.

          George Grosz in Hochform

          In einem eigenen Katalog „Modern Art“ firmiert die Klassische Moderne. Dort findet sich die mit 20.000 bis 28.000 Euro bewertete Bleistiftzeichnung „Vergewaltigte Bauersfrau“ von Käthe Kollwitz aus dem Jahr 1907: Studie für eine Radierung des Zyklus „Bauernkrieg“ vom Winter 1907/08. Mit seinen „Charakterstudien“ von 1926 zeigt sich George Grosz als kritischer Beobachter seiner Zeit und notiert auf Vorder- und Rückseite des Blatts ein nüchtern überzeichnetes Bild seiner Mitmenschen (16.000/24.000). Der wohl um 1968 aquarellierte „Fensterausblick“ mit klassischen Stillleben-Elementen im Vordergrund zeigt Karl Schmidt-Rottluff als Meister der zielsicheren knappen Linie (14.000/18.000).

          Dem Katalog der Alten Meister dampfen die Marinebilder voran, darunter das meisterhaft gelöste „Segelschiff auf stürmischer See“, nach 1850 vom Londoner Abraham Hulk auf Leinwand gebannt (10.000/12.000). Unter den zahlreichen Stillleben lässt einem besonders ein flandrisches aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit Hummer, Früchten und hauchzarten Glaspokalen das Wasser im Munde zusammenfließen (5000/ 7000), während Adriaen van Utrecht einen leblosen Hasen und mancherlei Geflügel still auf den Koch warten lässt (50.000/60.000). Hendrik Verschurings „Jagdgesellschaft in bergiger italienischer Landschaft“ (15.000/18.000) löst die landschaftliche Ferne in duftige Weichheit auf, die - 200 Jahre später - Camille Corot in seiner stimmungsvoll impressionistischen Landschaft „Effet du soir“ wieder aufzunehmen scheint (50.000/70.000).

          Im eindeutigen Rückgriff auf die klassischen Vorbilder entstand Frans van Daels Stillleben mit Blumen und Früchten im Jahr 1814 (60.000/80.000). In glasklar perfekter Handwerklichkeit malte Gustave Léonard de Jonghe 1870 die reizende „Dame am Klavier mit Kakadu“ (18.000/24.000) und Timoleon von Neff 1843 die nicht weniger entzückende italienisierende „Junge Mutter (Roma)“ (50.000/70.000). Auf lyrische Art heroisch aufstrebend hielt Friedrich Preller 1890 die Wartburg am Herbstmorgen fest (10.000/15.000), während Spitzweg listig-kleinformatig um 1865 „Schwabenmädel am Gartenzaun“ (35.000/45.000) und um 1870 eine „Rast der Streuner“ (40.000/50.000) beobachtete.

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