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Alte und Neue Kunst : Ein Rudel von Maleraffen in München

  • -Aktualisiert am

Otto Muellers Artistenpaar triumphiert bei Ketterer in München. Ein Resümee der Auktionen mit Alter und Neuer Kunst

          4 Min.

          Am Erfolg des schönen schwarzen „Artistenpaares“ zweifelte wohl niemand. Otto Mueller malte es 1910/11 in seiner „Brücke“-Zeit, aus der in den vergangenen 24 Jahren nur zwei weitere Arbeiten des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt aufgetaucht sein sollen. So steht es im Katalog von Ketterer, der aber verschweigt, dass man im Haus schon einmal positive Erfahrung mit dem Bild gemacht hat: Eine Million Mark erzielte das „Liebespaar“, wie das Bild damals hieß, im Dezember 2001. Inklusive Aufgeld bedeutete das für den süddeutschen Sammler, der es damals erwarb, umgerechnet rund 590.000 Euro.

          Jetzt geriet Muellers Paar dem Auktionshaus erneut zum Coup der Saison und Lieferanten des Jahreshöchstpreises. Aufgerufen hatte Robert Ketterer das Gemälde bei 500.000 Euro, den Zuschlag erteilte er bei 650.000 Euro (Taxe 600.000 Euro) einem Telefonbieter aus den Vereinigten Staaten, der mit Aufgeld 780.000 Euro zu entrichten hat. Das Gemälde, das in der Zwischenzeit auch auf Ausstellungen zu sehen war, bewies also fortwährenden Wertbestand. Es zeigt wohl Sam und Milly, zwei Artisten im Dresdner Zirkus Schumann und beliebte Modelle der Brücke-Künstler.

          Begehrte Werke der Brücke-Künstler

          Auf einen Gesamtumsatz von elf Millionen Euro kommt Ketterer in der zweiten Jahreshälfte: Zweimal wurden in dieser Zeit Kunst in München und einmal Bücher in Hamburg versteigert. Der Münchner Endspurt im Dezember hatte mit der kleinen Abteilung älterer Kunst begonnen, wo der bezaubernde Kopf eines lachenden Kindes, den Medardo Rosso selbst und höchstwahrscheinlich nur dieses eine Mal in Bronze goss, für 62.000 Euro (30.000/50.000) an einen angereisten Italiener ging. Spitzwegs Idyll „Im Studierzimmer“ stieg auf stolze 54000 Euro (30.000/40.000). Bei den Klassikern war Otto Mueller erneut begehrt; deutscher Handel verdoppelte mit 150000 Euro die Schätzung des Prachtaquarells „Stehender weiblicher Akt“ von 1928 und übernahm einen „Wald mit Fluss“ in Leimfarben auf Rupfen zur unteren Schätzung von 90.000 Euro.

          Den Hang der Brücke-Künstler zur Exotik spiegelt noch 1964 Schmidt-Rottluffs „Dunkles Symbol“, eine Kultmaske hinter Blüten. Das Gemälde wechselte für erwartete 108.000 Euro an einen Privatsammler, der mehrfach erfolgreich ins Geschehen eingriff. Tadelloser Zustand brachte für die fünfte Brücke-Jahresmappe von 1910 den ordentlichen Preis von 86.000 Euro. Sie bewies die Attraktivität außergewöhnlicher Druckgraphik, die Noldes Farblithographie von der wild tanzenden Südseeinsulanerin in einem rasanten Bietgefecht bestätigte: Erst bei 240.000 Euro (100.000/150.000) hatte ein süddeutscher Sammler das große Blatt sicher.

          Eine „Frau mit Hut“ von Hanns Bolz

          Telefonisch bekam er auch noch Jawlenskys „Abstrakten Kopf“ von 1932 mit Lisa-Kümmel-Provenienz zugeschlagen, der mit 165.000 Euro gut über die Schätzung hinausschoss. Eine „Meditation“, die Jawlensky Adga Holst verehrte, schaffte angestrebte 35.000 Euro. Nolde punktete wieder zuverlässig, selbst seine kleine mit Farbstift und Aquarellpinsel angelegte Skizze von „Pferd und Füllen“, um 1916, vervierfachte den Aufruf in einem regelrechten Pingpongmatch zwischen zwei Telefonen auf 32.000 Euro. Auch Rohlfs hätte keinen Grund zur Klage, nachdem sein Temperawerk „Sonnenuntergang am Lago“ 71.000 Euro (30.000/ 40.000) einspielte.

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