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Alte, Moderne und Gegenwartskunst : Großer Preis für Gauguin

  • -Aktualisiert am

Auf insgesamt zwölf Millionenzuschläge blickt das Berner Auktionshaus Kornfeld zurück. Die Ergebnisse der Versteigerung mit Alter, Moderner und Gegenwartskunst sind mehr als solide, wie der Nachbericht zeigt.

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          Kornfeld lud parallel zur Art Basel nach Bern in die schöne Villa und den angebauten Auktionssaal - und Sammler wie Museumsleute aus aller Welt füllten den Raum bis zum allerletzten Platz. 150 Werke aus dem 19. und 20. Jahrhundert spielten kapitale 37 Millionen Franken ein, damit 140 Prozent der Schätzung; der Hammer fiel gleich zwölfmal jenseits der Millionenmarke. Die Zuschläge beider Auktionstage mit rund tausend Losen summierten sich auf 42,5 Millionen Franken, deutlich mehr als in den letzten Jahren und ein Drittel über den Taxierungen.

          Gauguins kleinformatige „Scène tahitienne“ avancierte erwartungsgemäß zum Höhepunkt: Der heute berühmte, damals verarmte französische Maler unternahm am Ende des 19. Jahrhunderts abenteuerliche Reisen in die Südsee. Der Einfluss der dort gemalten und später nach Europa gelangten Tropenbilder auf die Maler des frühen 20. Jahrhunderts war immens. Das 26 mal 32,5 Zentimeter messende Bild aus dem Jahr 1896 entführt den Betrachter an einen tahitianischen Strand, an dem halbnackte Frauen entspannt lagern.

          Ob das Bild tatsächlich aus dem Nachlass des Künstlers stammt, der 1903 auf den Marquesas-Inseln starb, bleibt offen. Dem neuen Besitzer war das - auf zwei Millionen geschätzte - Kleinod 5,5 Millionen Franken wert, die er gegen hartnäckige Konkurrenz im Saal am Telefon bewilligte. Neben Gauguin reüssierten auch andere Franzosen: Rodins berühmter „Denker“ in der dritten Fassung von 1903, von dem wohl nur zwei frühe Güsse existieren, vervielfältigte seine Taxe: Nicht 250.000, sondern stattliche 1,9 Millionen Franken standen am Ende für die knapp vierzig Zentimeter hohe Bronze zu Buche.

          Pissarro fiel mit zwei Millionenzuschlägen auf, jeweils knapp oberhalb der Schätzungen. Der frühimpressionistische „Jardin potager“ von 1879 landete bei 1,3 Millionen Franken, 1,04 Millionen zahlte ein Bieter für „Pommiers en fleurs“, in denen der Pointillismus 1888 bereits kräftige Spuren hinterließ. Auch Monet war mit zwei Gemälden vertreten; sein Seestück „Tempête sur les Côte de Belle-Île“ erreichte 1,7 Millionen, der im Vergleich dazu still anmutende „Chemin dans le brouillard“ ging für 1,2 Millionen.

          Ein „Kartoffelstillleben“ von Alberto Giacometti

          Mehr als solide waren die Zuschläge bei den Schweizer Meistern, auffällig war die Begeisterung für rare Werke Cuno Amiets. Für einen Blick in dessen Garten in Oschwand lag das letzte Gebot bei erwarteten 660.000 Franken; eine wunderbar reduzierte „Winterlandschaft“ von 1908 in leuchtenden Farben verdoppelte ihre Taxe und landete bei 1,25 Millionen. Ein zweites Winterbild erreichte bei gleicher Schätzung gar 1,65 Millionen Franken - damit das Spitzenlos unter zehn verkauften Amiets.

          Für Augusto Giacomettis Blumenbild „Sempervirum“ von 1911 konnten 160.000 Franken notiert werden, Giovanni Giacomettis „Blick von Capolago auf den Piz della Margna“ wurde für 310.000 Franken vermittelt. Alberto Giacomettis „Kartoffelstillleben“ ging als eines der wenigen Werke zurück, dafür flammte die Begeisterung für sein „Portrait de jeune femme, Patricia Matisse“ umso stärker auf: Hier lautete nach anhaltendem Bieten im Saal und an den Telefonen das Ergebnis auf 2,15 Millionen Franken, deutlich oberhalb der Taxe von 1,5 Millionen für das Ölbild von 1947. Der Käufer kann sich über zwei Giacometti-Porträts freuen; denn die Rückseite der Leinwand trägt eine reizvolle Skizze.

          Auf Goya war Verlass

          Egon Schieles „Stehender weiblicher Akt“ in Bleistift und Aquarellfarben auf Papier zog als Frontispiz des Katalogs die Blicke auf sich. Das letzte Gebot lag hier deutlich über der Schätzung von 600.000, nämlich bei 1,4 Millionen Franken. Paul Klees „Künstlicher Garten“ aus dem Jahr 1932 in Wasserfarben gehörte Ludwig Mies van der Rohe und fand jetzt für 310.000 Franken in eine neue Sammlung. 400.000 Franken erreichte ein zweiter Klee, „Leicht bewölkt (Kopf)“ von 1933. Munchs Druckgraphik gelangt in Bern regelmäßig in wichtigen Blättern zum Aufruf. Während für den Kombinationsdruck „Vampyr II“ aus den Jahren 1895 bis 1902 keine ausreichenden Gebote zustande kamen, erreichte der Farbholzschnitt „Melancholie III“ mit 320.000 Franken fast seine Taxe.

          Verlass war einmal mehr auf Goya, einen der erklärten Favoriten des Hausherrn Eberhard W. Kornfeld. Zwei Einzelblätter aus den „Desastres de la guerra“, als Strichätzungen um 1810 angefertigt, erreichten 80.000 und 90.000 Franken. Eine 1863 von der königlichen Akademie in Madrid gebundene Ausgabe mit achtzig Radierungen derselben Folge wurde für 90.000 Franken ersteigert. Zwei Aquatinten von 1952/53 zählen zum grafischen Hauptwerk Picassos; sie wechselten für 255.000 und 175.000 Franken den Besitzer. Kirchner steht bei Kornfeld immer im Rampenlicht, diesmal mit einer in Holz geschnittenen „Straßenszene“ von 1913/14 in zwei Farben, die ihre Schätzung von 200.000 Franken mehr als verdoppelte und bei 560.000 zugeschlagen werden konnte.

          Hohe Preise für zwei Nachkriegskunstwerke belegten das Interesse für herausragende Werke dieser Epoche. Sam Francis' Frühwerk „Deep Blue and Black“, 1955 in Paris entstanden und 194 mal 131 Zentimeter messend, war mit 700.000 Franken taxiert und schwang sich auf 2,7 Millionen empor. Auch Chagalls „Bouquet printanier“ von 1970 lies seine Schätzung von 800.000 hinter sich und erreichte 1,4 Millionen Franken.

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