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Alte Kunst und Kunsthandwerk : D'Zilli und die Jungbauern

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Viel bayerische Genremalerei aus dem 19. Jahrhundert gibt es bei Neumeister. Die Attraktion kommt aber von Carl Spitzweg. Vier Werke sind im Angebot, darunter sogar eine Ölstudie von seinem berühmten „Armen Poeten“.

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          An seiner Schlafmütze und der runden Lesebrille auf der roten Nase erkennt man ihn sofort: Kein anderer als der „Arme Poet“ blickt uns entgegen. Carl Spitzweg hat also geübt, bevor er den Inbegriff des mittellosen Künstlers malte, der wegen Kälte in seiner Dachstube im Bett arbeiten muss, noch dazu unter einem Schirm gegen hereintropfenden Regen. Spitzwegs kleine Porträtstudie des Poetenmodells versteigert Neumeister in München am 6. Juli in der Auktion für Alte Kunst und Kunsthandwerk: Die Erwartung liegt bei 18.000 bis 20.000 Euro.

          Sie tritt als eines von vier Werken des Meisters an, der keineswegs grundsätzlich den Biedermeier-Bogen überspannt: Die reizende Ölstudie eines Bauernmädchens in Sonntagstracht aus dem Ampergebiet (Taxe 28.000/ 32.000 Euro) zeigt Spitzweg als liebevollen Beobachter bayerischen Lebens, dessen romantische Ader eine besonnte „Begegnung im Walde“ offenbart, hier plaudern Sennerin und Jäger an einem Bach (85.000/90.000).

          An bayerischer Genremalerei des 19. Jahrhunderts herrscht im Angebot kein Mangel: Fesche Jungbauern und ein Dirndl, „d'Zilli“, porträtierte Franz von Defregger (von 3500 Euro an). Grützners Schütze bringt mit seinem „Jägerlatein“ die Gaststube zum Lachen (35.000/ 40.000). Für Szenenwechsel sorgt Albrecht Adams Gemälde von Napoleon vor dem brennenden Smolensk: Adam, der Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais 1812 als Schlachtenmaler auf dem Russlandfeldzug begleitete, zeigt den Kaiser auf seinem Schimmel nachdenklich das Bild der Zerstörung betrachten.

          Es soll dies die einzige Darstellung Bonapartes vor Smolensk sein - taxiert ist sie auf 80.000 bis 90.000 Euro. Sich selbst, wie er damals beim Biwak zwischen abgesattelten Pferden seine Eindrücke skizziert, stellt Adam auf einem weiteren Bild dar (10.000/ 12.000). Auf Elfenbein malte Jean Baptiste Isabey Porträtminiaturen von Napoleon und elf Herrschern seiner Zeit, die aus einem gemeinsamen Messingrahmen blicken. Auftraggeber könnte der bayerische Staatsminister Maximilian Graf von Montgelas gewesen sein, dessen Familie das Stück ehemals gehörte (25.000/28.000).

          Ein reuiger Petrus blickt zum Himmel

          Zwischen Würde und Überheblichkeit changiert der Blick des Grafen Jakob Dimitrijewitsch Lanskoi auf dem ovalen Bildnis von der Hand Johann Friedrich August Tischbeins; der Graf war der Bruder von Alexander Lanskoi, der als junger Favorit der alternden Katharina der Großen in die Geschichte einging (12.000/14.000). Um 1447 entstand in Schwaben ein anderes Hauptlos der Abteilung mit Alter Malerei, ein Schreinalter mit Szenen aus dem Neuen Testament und Heiligen: Per Spruchband bittet die kleine Figur eines Stifters die „pecatori“, die Sünder also, für ihn zu beten (15.000/18.000).

          Sein Relief des „Reuigen Petrus“, mit gefalteten Händen und zerfurchter Stirn gen Himmel schauend, schnitzte und datierte der Konstanzer Bildhauer Christoph Daniel Schenk 1680 (17.000/19.000). Deutsche und französische Möbel, Tapisserien aus Flandern und Frankreich sowie eine größere Abteilung kleiner Dosen akzentuieren das Kunsthandwerk, ebenso wie dreizehn böhmische Zwischengoldgläser mit Jagd-Darstellungen (Taxen von 400 bis 1400 Euro).

          Berittene Krieger preschen auf den Silbermedaillons einer durchbrochenen Blattwerkummantelung vor dem vergoldeten Grund eines prächtigen Deckelhumpens. Seine Marken geben ihn als Werk des Augsburger Silberschmieds Adolf Gaap aus der Zeit um 1686 zu erkennen (15.000/17.000).

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