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Alte Kunst und Kunstgewerbe in Köln : Der Kampf der bunten Vögel

  • -Aktualisiert am

In Köln versteigern Lempertz und Van Ham Alte Kunst und Kunstgewerbe, darunter Gerrit Honthorsts „Philosoph“, der für über eine Million den Besitzer wechseln könnte.

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          Vier Kataloge fassen das Angebot bei Lempertz mit Alter Kunst und Kunstgewerbe am 16. und 17. Mai in Köln. Darunter ist ein Sonderband, der zusammenbringt, was die Erben von Reinhold Hofstätter dem Auktionshaus übergaben. Hofstätter war von 1953 bis zu seinem Tod 2013 Kunsthändler in Wien. In seiner Galerie, so der Katalog, habe sich der „eher sperrige“ Händler in einen „passionierten Sammler“ gewandelt, einen Generalist, wie es sie heute kaum mehr gibt. Lempertz versteigert 51 Stücke, Gemälde und Skulpturen, frühe italienische, deutsche und österreichische Möbel des 18. Jahrhunderts.

          Das Potential zum Spitzenlos in deutschen Auktionen 2014 hat Gerrit Honthorsts „Philosoph“, ein junger Mann mit Turban und umgeben von Büchern; im Vordergrund übt sich der Maler an einem samtig gewellten Teppich. Die Schätzung liegt bei 800.000 bis 1,2 Millionen Euro. Auch interessant, weil bislang unbekannt, ist die zweite Version von Jacob Jordaens’ „Allegorie der Wissenschaft“ (Taxe 300.000/ 350.000 Euro). Die Hofstätter-Sammlung wird von christlichen Motiven dominiert, auf Bildern, Teppichen, als Relief und Skulptur. Die Taxen liegen meist im oberen fünfstelligen Bereich. Hoch eingeschätzt wird eine französische Tapisserie aus der berühmten Manufaktur Beauvais, auf der „Asia“ zu sehen ist (180.000/200.000).

          Der Kampf mit den vielen erwähnenswerten Losen

          Bei der Alten Kunst und dem 19. Jahrhundert am 17. Mai ist Jan van Goyens „Am Strand von Scheveningen“ Spitzenlos. Der Wind bläst einem um die Nase, wenn man den Blick in die Wattlandschaft schweifen lässt und die dick bekleideten Menschen beschaut, die da durch stapfen (650.000/750.000). Das Bild wurde zuletzt 1954 bei Sotheby’s in London versteigert und kommt jetzt aus Holland. Seit 1910 in Privatbesitz befand sich Fritz von Uhdes strenge „Kinderstudie“ (30.000/35.000), entstanden als Vorarbeit zu seinem bekannten Gemälde „Lasset die Kinder zu mir kommen“.

          Der bunte „Kampf der Vögel“ auf dem Gemälde Jan van Kessels d. Ä. (70.000/ 80.000) kann bei Lempertz als Sinnbild dienen für den Kampf mit den vielen erwähnenswerten Losen: Sie reichen von einer „Bauernhochzeit“ Jan Steens (120.000/130.000) über Furinis „Judith und Holofernes“ (100.000/140.000) bis zu Waldmüllers „Taubensee“ (200.000/250.000). Beim Kunstgewerbe erreichen die Schätzungen nur zweimal den sechsstelligen Bereich: für einen Augsburger Hausaltar von Walbaum und Jungmair, 1624/28 (150.000/200.000) und ein silbernes Reiseservice, ebenfalls Augsburg 1701/05, von Christian Winter und Georg Friebel (150.000/200.000).

          Van Ham startet am 16. Mai mit Alter Kunst und entführt in ein herrlich detailreiches Kircheninneres von Bartholomäus van Bassen aus dem Jahr 1628 (30.000/40.000). Beim 19. Jahrhundert hinterlässt der romantisch-vernünftige Blick auf die „Elbinsel bei Pillnitz bei Vollmond“ von Carl Gustav Carus Spuren (20.000/30.000). Ein „Venezianisches Liebespaar“ von Eugen von Blaas (50.000/70.000) und die „Landschaft mit Reisenden“ von Thomas Wijk (15.000/20.000) versprechen ebenfalls noch hohe Zuschläge. Ambroise-Vollard-Provenienz trägt Armand Guillaumins schönes Pastell „Pont de Seine à Paris“) von 1868 (13.000/15.000). Beim Kunstgewerbe am 17. Mai bekommt die Van-Ham-Auktion Lokalkolorit: Die Pendulen-Sammlung des Urkölners Hanns Schaefer verlangt Taxen von 600 bis 2000 Euro. Schon allein die lange Geschichte des Schreibschranks „à trois corps“, um 1765, ist die Schätzung von 25.000 bis 50.000 Euro wert: Seine Adels-Herkunft reicht bis ins späte 18. Jahrhundert zurück, um Anfang des 20. Jahrhunderts in der Berliner Wohnung von Wilhelm von Bode zu landen.

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