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Alte Kunst bei Lempertz : Mindestens zwei Satyrn

In Köln versteigert Lempertz Alte Kunst und Kunstgewerbe. Angeführt werden die Auktionen von einem schaurig-schönen Flötenspiel eines französischen Meisters.

          Nicolas Poussin hat es nicht so grausam gemocht. In eine baumbestandene hügelige Landschaft stellt er rechts den lorbeerbekränzten Apoll mit seiner Lyra, in die Bildmitte etwas im Hintergrund setzt er den flötespielenden Marsyas, drei Männer und eine am linken Bildrand lagernde Frau schauen zu. Die Szene schildert den musikalischen Wettkampf zwischen dem Gott und dem Satyrn - und eben nicht dessen Ausgang, an dem der siegreiche Apoll den Marsyas bei lebendigem Leibe häutet. Der englische Kunsthistoriker Denis Mahon datiert das Gemälde laut Katalog auf Poussins frühe Zeit in Rom um 1627. Die „Landschaft mit Apoll und Marsyas“ ist das Spitzenstück der Lempertz-Auktion mit Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen des 15. bis 19. Jahrhunderts am 16. Mai in Köln. Das 73,5 mal neunzig Zentimeter große Ölgemälde auf Leinwand trägt eine Schätzung von 300.000 bis 400.000 Euro; eine gesicherte Provenienz ist nicht genannt.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Mit erwarteten 200.000 bis 240.000 Euro folgt ein kleines Triptychon mit der Heiligen Familie und der heiligen Katharina und Barbara, das der um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert in Antwerpen tätige Meister von Hoogstraeten in Öl auf Holz gemalt hat. Einst gehörte es dem rheinischen Seidenhändler Otto Wesendonck, von dem es auf seine Frau Mathilde kam, nach deren Gedichten Richard Wagner 1857/58 die „Wesendonck-Lieder“ komponierte. Die feine Malerei wurde 1935 schon einmal versteigert bei Lempertz mit der Sammlung Wesendonck-Bissing; eingeliefert ist sie jetzt aus einer belgischen Privatsammlung. Verlieben ließe es sich in der 255 Lose starken Offerte in zwei sehr unterschiedliche Frauen: in eine züchtig elegante heilige Magdalena des niederländischen Meisters der weiblichen Halbfiguren, um 1520/30 auf ihrer Holztafel (Taxe 60.000/70.000 Euro), oder in das, etwas spätere, Bildnis der nachdenklich zur Seite blickenden Margarete von Parma, uneheliche Tochter Karls V., Gemahlin des Ottavio Farnese und Statthalterin der habsburgischen Niederlande, vom Utrechter Anthonis Mor (70.000/90.000).

          Zu einem Favoriten bei den Zeichnungen könnte ein „Knieender Knabe mit Vogel“ avancieren, den Il Guercino in brauner Feder auf ein vierzehn mal 10,5 Zentimeter kleines Papier charmant hinsetzte (10.000/12.000). Beim 19. Jahrhundert ragen zwei Lose heraus: Da ist Eugène Delacroix’ unerhört modern wirkendes kleinformatiges Ölgemälde mit „Satyr und Nymphe“, das aus einer Rubens-Vorlage den intimsten Moment herausschneidet (100.000/120.000); eingeliefert ist die 16,5 mal 22 Zentimeter messende Nahbegegnung von der Rau-Sammlung für Unicef. Und da sind „Fünf Männer in einer Landschaft“ von Hans von Marées (30.000/40.000), die Hildebrand Gurlitt in Hamburg, laut Katalog, 1938 an eine Sammlung Vogler verkaufte, seither in Familienbesitz geblieben.

          Die Skulpturen-Offerte am selben Tag führt eine fast einen Meter hohe und vollrund gearbeitete, liebliche Thronende Gottesmutter aus Kalkstein an, um 1360/80 in Nordfrankreich entstanden (50.000/60.000). Für Fans gibt es 25 Elfenbeine des 14. bis 18. Jahrhunderts aus einer Sammlung (Taxen 600 bis 15.000 Euro). Und über den 700 Kunstgewerbe-Losen am 15. Mai thront eine Pendule à baromètre nach einem Modell von André Charles Boulle, entsprechend reich verziert und einst in der Sammlung des Time Museum in Rockford, Illinois (270.000/300.000).

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