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Auktionen in New York : New York im Rekordfieber

  • -Aktualisiert am

Schätzwert „um 200 Millionen Dollar“: Andy Warhols „Shot Sage Blue Marilyn“, 1964, Siebdruck, 101,6 mal 101,6 Zentimeter. Bild: Christie’s

Wird eine Marilyn von Andy Warhol das teuerste Kunstwerk des 20. Jahrhunderts? Mit Spitzenwerken aus Spitzensammlungen sorgt das Angebot der Abendauktionen mit Moderne und Zeitgenossen bei Christie’s für Höchstspannung.

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          Es gibt keine Abendauktion, bei der nicht eine Reihe meist geplanter neuer Höchstmarken für Künstler gesetzt werden. Doch kommende Woche geht es bei Christie’s um eine andere Größenordnung: Am Dienstag soll Andy Warhols „Shot Sage Blue Marilyn“ zum teuersten je verkauften Kunstwerk des 20. Jahrhunderts gekrönt werden. „In der Region um“ 200 Millionen Dollar liegt die Erwartung. Der Siebdruck mit Malerei auf Leinwand ist eine von vier Versionen, durch die eine Kugel gefeuert wurde, und stammt aus der Sammlung von Thomas und Doris Ammann. 36 Werke aus der Privatkollektion der Kunsthändler, geschätzt auf 284 bis 420 Millionen Dollar, eröffnen mit einer eigenen Abendauktion zugunsten einer wohltätigen Stiftung am 9. Mai die New Yorker Auktionssaison mit Moderne und Zeitgenossen.

          Keines der Werke wurde mit einer Garantie versehen. Der Markt für Warhol ist allerdings nicht mehr, was er einmal war. Seit 2013 liegt der Warhol-Rekord bei 105,4 Millionen Dollar (mit Aufgeld) für „Silver Car Crash (Double Disaster)“. Das Verkaufsvolumen seiner Werke in Auktionen ging seit 2015 deutlich zurück. Über einen neuen Rekord sollte sich besonders Warhol-Megasammler Jose Mugrabi freuen, von dem es schon vor mehr als zehn Jahren hieß, er besäße mehr als achthundert Warhols. Aus der Luft gegriffen ist die Schätzung für „Shot Sage Blue Marilyn“ nicht. Vor ein paar Jahren soll eine andere der vier Versionen privat für 200 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt haben.

          Eines der Spitzenlose der New Yorker Auktionswoche bei Christie’s:  Vincent van Gogh, „Champs près des Alpilles“, 1889, Öl auf Leinwand, 46,2 mal 55,2 Zentimeter, Taxe auf Anfrage.
          Eines der Spitzenlose der New Yorker Auktionswoche bei Christie’s: Vincent van Gogh, „Champs près des Alpilles“, 1889, Öl auf Leinwand, 46,2 mal 55,2 Zentimeter, Taxe auf Anfrage. : Bild: Christie’s

          Am 10. Mai folgt bei Christie’s der „21st Century Evening Sale“ mit 33 Losen und einer Gesamterwartung von 110 bis 162 Millionen Dollar. An der Spitze steht Basquiats „Portrait of the Artist as a Young Derelict“ mit einer Taxe um 30 Millionen Dollar. Den Auftakt macht die 27 Jahre alte Anna Weyant mit dem Porträt „Summertime“ von 2020 (Taxe 200.000 bis 300.000 Dollar), das Züge von Surrealismus und altmeisterlichem Naturalismus vereint. Weyant machte ihr Auktionsdebüt im vergangenen Juni bei Phillips in New York, als eine Arbeit auf Papier, geschätzt auf 5000 bis 7000 Dollar, auf 27.720 Dollar brutto stieg. Weyant gehört zur Riege junger, gerade gehypter Malerinnen, zu der auch Ewa Juszkiewicz gehört. Von Juszkiewicz, deren naturalistische Werke ebenfalls an die Alten Meister anlehnen, kommt „Portrait of a Lady (After Louis Leopold Boilly)“ unter den Hammer, taxiert auf 200.000 bis 300.000 Dollar. Der Erlös soll dem POLIN Museum of the History of Polish Jews zugutekommen.

          Angelehnt an Alte Meister: Ewa Juszkiewicz, „Portrait of a Lady“, 2020, Öl auf Leinwand, 200 mal 160 Zentimeter, Taxe 200.000 bis 300.000 Dollar.
          Angelehnt an Alte Meister: Ewa Juszkiewicz, „Portrait of a Lady“, 2020, Öl auf Leinwand, 200 mal 160 Zentimeter, Taxe 200.000 bis 300.000 Dollar. : Bild: Christie’s

          Am 12. Mai folgen Impressionismus und Kunst des 20. Jahrhunderts. Auf die Auktion „The Collection of Anne H. Bass“, mit 12 Losen und einer Gesamttaxe von 243 bis 361 Millionen, folgt der „20th Century Evening Sale“ mit 44 Losen, die zusammen 351 bis 453 Millionen Dollar einspielen sollen. Die Spitzenlose der Sammlung Bass sind zwei Rothkos: „Untitled (Shades of Red)“ (60/80 Millionen) und „No. 1“ (45/65 Millionen). Es sind die einzigen mit Garantien versehenen Werke des Kontingents, unter dem sich auch drei hochwertige Monets befinden. Für Edgar Degas’ berühmte Bronzeplastik „Petite danseuse de quatorze ans“ (20/30 Millionen) einer jungen Tänzerin im Ballettröckchen aus Stoff, gegossen 1927 nach einem Wachsmodell aus dem späten 19. Jahrhundert, hatte sich Christie’s etwas Besonderes ausgedacht: Sie war als lebensgroßes Hologramm in einer Glasbox in San Francisco und Hongkong zu bewundern.

          Aus der Kollektion von  Anne H. Bass: Mark Rothko, Ohne Titel (Shades of Red), 1961, Öl auf Leinwand, 175,3 mal 142,2 Zentimeter, Taxe 60 bis 80 Millionen Dollar.
          Aus der Kollektion von Anne H. Bass: Mark Rothko, Ohne Titel (Shades of Red), 1961, Öl auf Leinwand, 175,3 mal 142,2 Zentimeter, Taxe 60 bis 80 Millionen Dollar. : Bild: Christie’s Images Limited 2022

          Unter den Spitzen des „20th Century Evening Sale“ hervorzuheben ist – neben Werken von Vincent van Gogh und De Kooning – Jackson Pollocks „Number 31 (1949)“, ein frühes Drip-Painting, für das „mehr als“ 45 Millionen Dollar erwartet werden. Der Auktionsrekord Pollocks liegt bei 61,2 Millionen Dollar (mit Aufgeld) für ein Werk aus der Macklowe-Collection, aufgestellt im November bei Sotheby’s. Private Verkäufe liegen indes deutlich darüber. Vom Metropolitan Museum of Art wurde Pablo Picassos Bronzebüste „Head of a Woman (Fernande)“ aus dem Jahr 1909 eingeliefert, die um 30 Millionen Dollar einspielen soll.

          Den Abschluss machen am 14. Mai die Tagesauktionen. Unter den Losen der Auktion „The Surrealist World of Rosalind Gersten Jacobs and Melvin Jacobs“ ist Man Rays Original seiner berühmten Arbeit „Le Violon d’Ingres“ aus dem Jahr 1924. Auf eine Fotografie von Kiki de Montparnasse mit nacktem Rücken malte Man Ray per Hand die geschwungenen Einschnitte einer Geige. Danach fotografierte er die Arbeit. Alle späteren Abzüge des Motivs wurden von diesem Negativ gefertigt. Nun kommt das auch als „The Jacobs Print“ bekannte, handbemalte Original mit der höchsten Taxe für eine Fotografie jemals zum Aufruf: fünf bis sieben Millionen Dollar. Insgesamt will Christie’s mit den 754 Losen in den Abend- und Tagesauktionen der New Yorker Auktionswoche zwischen einer und 1,5 Milliarden Dollar einspielen.

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